Künstliche Intelligenz zieht in Fabrikhallen ein

Smarte Fabriken setzen verstärkt auf künstliche Intelligenz. So erfüllen Roboter bestimmte Aufgaben eigenständig und geben ihr Wissen an andere Maschinen weiter. Und KI-Systeme geben Technikern Anleitungen bei Reparaturen. Laut einer Umfrage des Bitkom nutzen heute bereits zwölf Prozent der deutschen Industrieunternehmen KI im Kontext von Industrie 4.0.

Für die Befragung im Auftrag des Bitkom wurden im Vorfeld der Hannover Messe 555 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern befragt. Bitkom-Präsident Achim Berg bewertet die Ergebnisse so: "Künstliche Intelligenz erobert die Fabriken im Eiltempo und ist die Basis für kontinuierliche Verbesserungen in der Fertigung. KI hat das Potenzial, die Industrie zu revolutionieren". Dank maschinellem Lernen könnten Daten unterschiedlicher Quellen miteinander verknüpft, Fehler vorhergesehen und Probleme beheben werden. "Mit der KI-Branche und der Fertigungsindustrie kommen in Deutschland zwei starke Player zusammen, um gemeinsam weltweit die Spitze zu erobern", so Berg.

KI bringt Industrie 4.0 viele Vorteile

Fast edes zweite Unternehmen (49 Prozent) rechnet damit, dass das maschinelle Lernen im Kontext von Industrie 4.0 bestehende Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern wird. Unternehmen versprechen sich durch den Einsatz von KI in der smarten Fabrik eine Vielzahl von Vorteilen. Dazu gehören für 47 Prozent der Befragten die Steigerung der Produktivität, für 39 Prozent Predictive Maintenance, also die Verbesserung der Fehlererkennung und dadurch Reduktion der Ausfallzeiten von Maschinen sowie für 33 Prozent Prozessoptimierungen in Produktion und Fertigung. Jedes vierte Unternehmen ist überzeugt, dass sich durch künstliche Intelligenz in der Fabrik die Produktqualität steigern lässt. Jedes fünfte Unternehmen verspricht sich eine bessere Skalierbarkeit und 19 Prozent erwarten weniger Kosten, etwa für Personal, Wartung, Inspektion und Entwicklung.

Auch bei der Vernetzung kommen die deutschen Fabriken voran. Mittlerweile nutzen 53 Prozent spezielle Anwendungen für Industrie 4.0, 21 Prozent planen deren Einführung. Der Anteil der Unternehmen, die angeben, dass Industrie 4.0 aktuell kein Thema ist und auch in Zukunft nicht sein wird, hat sich binnen eines Jahres um zwei Drittel auf drei Prozent reduziert.

Jede vierte Maschine ist smart

Im Durchschnitt ist heute bereits jede vierte Maschine in der deutschen Fertigungsindustrie mit dem Internet verbunden. In jedem zehnten Unternehmen ist sogar schon mehr als die Hälfte der Maschinen via Internet vernetzt. Dabei investieren die Anwender und Planer von Industrie-4.0-Anwendungen im Schnitt in diesem Jahr fünf Prozent ihres Gesamtumsatzes in Industrie 4.0.

"Die vierte industrielle Revolution wird oft als evolutionärer Prozess beschrieben. Das ist insofern richtig, als die Veränderungsgeschwindigkeit in anderen Sektoren viel extremer ist, etwa im Medienbereich oder Finanzwesen", erläutert Berg. "Die Industrie ist komplexer und am Ende eines industriellen Fertigungsprozesses steht immer noch ein materielles Produkt. Die Schonfrist der Industrie geht aber allmählich zu Ende. Die Automobilhersteller und ihre Zulieferer sind die ersten, die mitten im digitalen Sturm stehen."

Industrie 4.0 benötigt Fachkräfte

Eine große Hürde auf dem Weg zur smarten Fabrik ist für Betriebe der Fachkräftemangel. Er hat sich in einem Maß verschärft, dass bei 55 Prozent der Unternehmen daran der Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen scheitert. Dabei visieren 27 Prozent der Unternehmen, die Industrie 4.0 anwenden oder dies planen, in diesem Jahr Neueinstellungen an. Fast jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) hat im vergangenen Jahr bereits neu eingestellt.

Breiter Konsens herrscht darüber, dass eine gute Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in der Fabrik 4.0 immer wichtiger werden. Die Unternehmen bemühen sich, entsprechend zu reagieren: 49 Prozent haben im vergangenen Jahr Mitarbeiter für Industrie 4.0 weitergebildet und 53 Prozent planen dies für 2019. "Digitalisierung gelingt nur mit digital kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn vermehrt Maschinen, Roboter und Computer Tätigkeiten übernehmen, sind dafür nicht mehr nur IT-Spezialisten an der Spitze gefragt. Digitale Kompetenzen werden dann in der Breite von allen gefordert – und zwar bereits bei einfachen Alltagstätigkeiten", erklärt Berg.

Deutschland auf Verfolgerposition

In der Selbsteinschätzung sieht sich die deutsche Industrie derzeit mit 28 Prozent im weltweiten Vergleich auf Rang zwei, knapp hinter den USA (30 Prozent) und vor Japan (22 Prozent). Auch für die Zukunft bescheinigen die Unternehmen Deutschland gute Perspektiven. 29 Prozent sehen Deutschland im Jahr 2030 als weltweit führend beim Thema Industrie 4.0.

Dabei kann die Bedeutung von Industrie 4.0 für Deutschland nicht hoch genug eingeschätzt werden: So sagen 85 Prozent, dass Industrie 4.0 die Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und damit für die Sicherung von Arbeitsplätzen ist. Die große Mehrheit von 91 Prozent ist außerdem der klaren Meinung, dass die Digitalisierung für das eigene Unternehmen eher Chance als Risiko ist.

"Die deutsche Industrie sieht sich beim Thema Industrie 4.0 trotz eines harten Wettbewerbs mit den USA und China auf dem Weg an die Weltspitze. Die Chancen sind riesig. Dem an Ressourcen armen und an Know-how reichen Standort Deutschland kann nichts Besseres passieren als die Digitalisierung. Das Motto heißt: Machen", betont Berg.

Firmen unzufrieden mit deutscher Industriepolitik

Die Unternehmen erhoffen sich auch mehr Unterstützung von Seiten der Politik – vor allem beim Breitbandausbau (80 Prozent). Aber auch die Fachkräftesuche (67 Prozent) und ein praxistauglicher Datenschutz (56 Prozent) sind Herausforderungen, die die Politik laut Umfrage verstärkt anpacken sollte. Insgesamt ist die Mehrheit der Unternehmen mit der Industriepolitik in Deutschland eher unzufrieden. So erklären 28 Prozent. dass in der Politik ausreichend Verständnis für die Bedeutung von Industrie 4.0 vorhanden ist. 72 Prozent fordern, dass für Industrie 4.0 eine völlig neue Industriepolitik in Deutschland benötigt wird.

"Die Digitalisierung wird die Industrie in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern. Und so muss der traditionell ordnungspolitische Ansatz deutscher Wirtschaftspolitik digital-industriepolitisch ergänzt werden" berichtet Berg. Die Digitalisierung sei geprägt durch eine extrem hohe Innovationsgeschwindigkeit und kurze Entwicklungszyklen. "Die Wirkzeiträume einer puristischen Ordnungspolitik sind einfach zu lange. Die Unternehmen brauchen auf dem Weg in die digitale Welt eine smarte, industriepolitische Flankierung", so Berg weiter. Der Staat sollte dabei nicht als besserer Manager agieren.

Der Digitalverband Bitkom ist auf der Hannover Messe mit der Bitkom Innovation Area in Halle 6 am Stand B30 auf 400 qm mit mehr als 20 Ausstellern vertreten. Auf dem Bitkom Innovation Forum zeigen Experten in 50 Vorträgen und Podien, wie die digitale Transformation gelingen kann. (sg)

  • Zwölf Prozent der befragten Firmen setzen bereits künstliche Intelligenz in Verbindung mit Industrie 4.0 ein.
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