Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie: Kleine Teile mit nachhaltiger Wirkung

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Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie: Kleine Teile mit nachhaltiger Wirkung

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Die Mitarbeiter bei Mercedes-Benz Hamburg sammeln gebrauchte Schutzelemente von Pöppelmann Kapsto. Der Lohner Kunststoffverarbeiter holt sie ab und produziert aus ihnen neue Kappen aus Post-Consumer-Rezyklat. So hält eine echte Kreislaufwirtschaft Einzug in die industrielle Fertigung.
Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie

Quelle: Mercedes-Benz Hamburg

Oft sind es die kleinen Schritte, die zu großen Lösungen führen. Thorsten Koldehoff, Globaler Vertriebsleiter bei Pöppelmann Kapsto, formuliert es so: „Um den Kreislauf in Schwung zu bringen, muss man einfach irgendwo anfangen.“ Tatkraft, Flexibilität, persönlicher Einsatz – nur aus dieser Haltung heraus ist Nachhaltigkeit in industriellen Anforderungen realisierbar. Und genau dies ist die Haltung, die das gemeinsame Projekt von Pöppelmann Kapsto und Mercedes-Benz Hamburg zum Erfolg führte. Nun soll die Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie auch größere Kreise ziehen.

Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie: Recycling kann klein beginnen

Pöppelmann Kapsto stellt Kunststoff-Schutzelemente her, die in erster Linie in der industriellen Fertigung zum Einsatz kommen und empfindliche und funktionsentscheidende Bauteile vor dem Eindringen von Schmutz während der Fertigung, der Lagerung und des Transports schützen. Area Sales Manager Steffen kleine Stüve erklärt, wie Pöppelmann Kapsto sich in die Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie einbringen will: „Wir wollen das hochwertige Material, aus dem unsere Schutzkappen und -stopfen aus Kunststoff gefertigt werden, nach dem Gebrauch langfristig für den Materialkreislauf erhalten.“

Nachhaltigkeit und Umweltschutz genießen hohen Stellenwert

Das Mercedes-Benz-Werk Hamburg verfolgt seit Langem das Ziel, auf allen Ebenen einen Beitrag zu einem nachhaltigen Fortschritt zu leisten. Dies erfuhr das Team von Pöppelmann Kapsto, als es vor gut zwei Jahren mit einem Kooperationsvorschlag anklopfte. „Wir wurden auf unsere Anfrage hin eingeladen, um unsere Schutzelemente aus PCR-PE, also Schutzelemente aus Polyethylen, die wir aus Post-Consumer-Rezyklat fertigen, vorzustellen – und stießen sofort auf großes Interesse“, erinnert sich Thorsten Koldehoff an den Auftakt der Zusammenarbeit in Sachen Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie.

Gesprächspartner der Lohner waren damals bei Mercedes-Benz Hamburg die Produktionsmitarbeiterin Svenja Hein und der Produktionsmeister Günter Riggers. Beide sind zuständig für den Produktions­bereich Abgaskrümmer. Im Kollegenkreis sei bereits des Öfteren überlegt worden, ob es Möglichkeiten zur Wiederverwendung der Kappen gebe, berichteten sie. ­
Die hochwertigen Schutzelemente seien nur relativ kurz im Gebrauch, bevor man sie entsorgen müsse.

„Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind in unserem Werk seit vielen Jahren fest verankert und genießen einen hohen Stellenwert“, erklärt Riggers das große Interesse in seinen Teams. Beste Voraussetzungen also, damit das Projekt kurz darauf tatsächlich anlaufen konnte: Jetzt sammeln die Mitarbeiter im Produktionsbereich Abgaskrümmer die Schutzkappen; ein Lkw von Pöppel­mann holt sie regelmäßig ab.

Persönliches Engagement steht am Anfang der Kooperation

Damit startete eine Kooperation in Sachen Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit, die bis heute andauert. Diese Zusammenarbeit ist auch ein Beispiel dafür, dass oft persönliches Engagement am Anfang vieler guter Veränderungen steht. Denn Günter Riggers und Svenja Hein räumten in den Produktionshallen im wahrsten Sinne des Wortes den Weg für die Schutzkappen zurück zum Hersteller frei. Ihre Kolleginnen und Kollegen mussten sie nicht überzeugen. Diese waren sofort bereit, mitzumachen und die Kappen nach der Demontage sortiert zu entsorgen.

Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie
Der Schutzelemente-Hersteller Pöppelmann Kapsto zielt darauf ab, zukünftig auch mit weiteren Kunden den Materialkreislauf zu schließen. Bild: Pöppelmann

Kreislaufwirtschaft Automobilindustrie: Sammeln und Recyceln erfüllt alle Qualitätsansprüche

Vor dem Kooperationsprojekt mit dem Kunststoffverarbeiter habe es in ihrem Werk bereits Versuche gegeben, die einmal gebrauchten Kappen wiederzuverwenden, erzählt Svenja Hein und fährt fort: „Aber das konnte aufgrund der hohen Qualitätsansprüche, die wir an die Schutzelemente stellen, nicht funktionieren.“ Für sie steht fest: Das Sammeln und Recyceln ist das optimale Verfahren. Denn so bleibt das Material zur Herstellung von neuen Kappen auf höchster Qualitätsstufe erhalten.

Produktionsmeister Günter Riggers macht deutlich, dass er die Idee von Anfang an aus Überzeugung unterstützte: „Wir konnten mit diesem Projekt auch unmittelbar im ­Arbeitsalltag unter Beweis stellen, dass Nachhaltigkeit für uns nicht nur ein Trend ist. Wir sind uns auch in der Produktion unserer Verantwortung für die Umwelt bewusst.“

Dabei untermauert Riggers: Letztlich sei die Qualität der Produkte die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg. Für Pöppel­mann Kapsto heißt das: Die aus dem Lohner Werk ausgelieferten Schutzelemente müssen in jedem Fall Passgenauigkeit, Präzision und Sicherheit gewährleisten – aus Post-Consumer-Rezyklat genauso wie aus Neuware. Dies bestätigt Svenja Hein, denn die hundertprozentige Passgenauigkeit der Schutzkappen sei maßgeblich. Als ein Beispiel verweist sie auf das Turboladergehäuse, bei dem die KAPSTO-Kappen zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um ein sehr empfindliches Bauteil, das man beim Transport vor Kratzern und Schlag­stellen schützen muss. 

Kreislauf-Projekt als Blaupause für weitere Kooperationen

Nach den ersten beiden Jahren der Kooperation ziehen die Beteiligten sowohl in Hamburg als auch in Lohne ein grundsätzlich positives Resümee. Das hochwertige Material aus Millionen von Schutzkappen fließt zurück in die Produktion neuer Schutzkappen, anstatt als Abfall entsorgt zu werden. Für den Pöppelmann Kapsto Vertriebschef Koldehoff ist das ein Meilenstein: „Wir haben gezeigt, dass es geht, und sind in der Lage, unsere Schutzelemente in laufender Serie in den Materialkreislauf zu führen. Deshalb sind wir fähig und bereit, dieses Modell auf weitere Kooperationen auszudehnen.“

Der Anbieter ist fest entschlossen, das Projekt mit allen Kräften weiter auszubauen. „Wir möchten gerne auch mit weiteren Kunden in die Kreislaufwirtschaft eintreten. Denn dies ist die Zukunft für kurz­lebige Kunststoffprodukte – davon sind wir überzeugt“, bekräftigt Koldehoff. Natürlich sei klar, dass eine vergleichbare Kooperation bei unterschiedlichen Kunden jeweils mit individuell unterschiedlichen Anforderungen verbunden sei. „Doch die Flexibilität und Kundenorientierung, für die alle Beteiligten in den Kapsto-Teams stehen, macht uns sicher: Wir werden in jedem Fall ein praxisnahes Lösungskonzept hinsichtlich der Produktionsabläufe und der Möglichkeiten zur Sammlung sowie Abholung der Schutzelemente erarbeiten.“

Aktionsplan Kreislaufwirtschaft

Thorsten Koldehoff unterstreicht, dass Pöppelmann mit Kreislaufprojekten wie diesem einen realisierbaren Beitrag zur Verwirklichung eines neuen Wirtschaftsmodells leisten kann – so wie es sich die EU-Kommission mit dem „Aktionsplan Kreislaufwirtschaft“ auf die Fahne geschrieben hat. In ­allen vier Divisionen der Unternehmens­gruppe Pöppelmann steht deshalb die Entwicklung von Produktkonzepten für einen geschlossenen Materialkreislauf im Fokus. Mit der Gründung der Initiative „PÖPPELMANN blue“ im Jahr 2018 lenkte der Kunststoffverarbeiter aus dem niedersächsischen Lohne die Entwicklung von Produktlösungen strategisch konsequent in Richtung Materialkreislauf. Seitdem ist dies ein zentraler Antrieb für sämtliche Teams bei Pöppelmann – natürlich auch für Pöppelmann Kapsto.

Die Autorin Ruth Honkomp-Willenbring arbeitet in der Unternehmenskommunikation bei Pöppelmann in Lohne.

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