Cybersicherheit ist entscheidend in der vernetzten Industrie. In digitalisierten Umgebungen mit Cloud-Plattformen und kommunizierenden Maschinen steigen Effizienz und Innovation, aber auch die Anfälligkeit für Cyberangriffe.
Cybersecurity in der industriellen Umgebung ist wesentlich komplizierter als in der IT-Umgebung.
Gerade in der Fertigungs- und Prozessindustrie, wo Produktionsanlagen auf lange Laufzeiten ausgelegt und IT-Strukturen oft historisch gewachsen sind, ist das Risiko besonders hoch. Veraltete Softwarestände, fehlende Netzwerksegmentierung oder ungeschützte Schnittstellen bilden reale Einfallstore – und werden immer häufiger zum Ziel professioneller Cyberangriffe.
Engineering-Systeme: Verschärfte Anforderungen an die Cybersicherheit
Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie NIS2, die bereits 2024 in nationales Recht überführt wurde, hat sich der Handlungsdruck in der Industrie nochmals deutlich erhöht. Unternehmen entlang der industriellen Wertschöpfungskette – darunter viele Maschinen- und Anlagenbauer – unterliegen inzwischen klar definierten Pflichten: Sie müssen nicht nur geeignete technische und organisatorische Schutzmaßnahmen nachweisen, sondern auch Cybervorfälle innerhalb definierter Fristen melden und dokumentieren. Was früher vor allem Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) betraf, gilt heute zunehmend auch für den industriellen Mittelstand – insbesondere für Unternehmen, deren Produkte, Services oder Plattformen als relevant für digitale Lieferketten eingestuft werden. Wer vernetzte Engineering-Systeme betreibt, industrielle Software entwickelt oder als Zulieferer in digitalisierte Produktionsprozesse eingebunden ist, muss heute mit deutlich verschärften Anforderungen an die Cybersicherheit rechnen.
In der vernetzten Industrie ist Cybersicherheit längst kein IT-Thema mehr – sie ist ein geschäftskritischer Erfolgsfaktor für alle Bereiche technischer Entwicklung, Automatisierung und Produktion.
Engineering im Fadenkreuz
In der Praxis betreffen Cyberangriffe längst nicht mehr nur klassische IT-Infrastrukturen. Immer häufiger geraten Engineering-Systeme ins Visier: darunter Versionsverwaltungen, Automatisierungstools oder webbasierte PLM-Plattformen. Werden dort Daten gestohlen, manipuliert oder blockiert, kann das erhebliche Folgen haben – von Produktverzögerungen über Projektverluste bis hin zum Verlust geistigen Eigentums.
Auch die Betriebsführung ist gefährdet: Über kompromittierte Engineering-Umgebungen lassen sich Steuerungen manipulieren oder Sicherheitsfunktionen gezielt außer Kraft setzen. Besonders anfällig sind Systeme, die lange unverändert betrieben werden – etwa Steuerungskomponenten oder Visualisierungslösungen, die nicht regelmäßig aktualisiert wurden oder nicht in ein ganzheitliches Sicherheitskonzept eingebunden sind.
Ein wirksamer Schutz setzt früh an – idealerweise schon bei der Auswahl und Integration von Softwarelösungen. Plattformen, die auf ein „Secure by Design“-Prinzip setzen, ermöglichen es, Sicherheitsmechanismen direkt im Engineering-Prozess zu verankern. So lassen sich Funktionen wie Rollen- und Rechtemanagement, verschlüsselte Kommunikation, Zugriffskontrollen und Datenvalidierung nicht nur zentral steuern, sondern flexibel an neue Anforderungen anpassen – ohne tiefgreifende Umprogrammierung. Die Praxis zeigt, dass auch organisatorische Aspekte entscheidend sind: Sicherheitsprozesse sollten eng mit dem Engineering verzahnt werden. Das beginnt bei klar definierten Verantwortlichkeiten und reicht bis zu Schulungen, in denen technische Teams für Risiken wie Social Engineering, Phishing oder unsichere Datenverarbeitung sensibilisiert werden. Gerade der Faktor Mensch ist nach wie vor ein häufiger Auslöser für Sicherheitsvorfälle – oft unbeabsichtigt, aber mit erheblichen Folgen.
Unternehmen sind dazu angehalten, die Risiken, die durch Cyberangriffe entstehen, nicht zu unterschätzen.
Schutzmaßnahmen entlang des gesamten Produktlebenszyklus
Der Aufbau sicherer Systeme beschränkt sich nicht auf den Betrieb. Bereits im Projektierungsprozess sollten Sicherheit und Verfügbarkeit mitgedacht werden – zum Beispiel durch eine strukturierte Netzsegmentierung, bei der Engineering-, OT- und IT-Systeme in getrennten Zonen betrieben werden. So lassen sich Bewegungen innerhalb des Netzwerks besser kontrollieren und im Fall eines Angriffs isolieren. Ebenso essentiell ist ein durchgängiges Update- und Patch-Management. Gerade in industriellen Anwendungen ist die Versuchung groß, produktive Systeme aus Sorge vor Ausfällen unangetastet zu lassen. Doch veraltete Komponenten sind eine der häufigsten Ursachen für Sicherheitslücken. Automatisierte Verfahren zur Verteilung sicherheitsrelevanter Updates helfen, diese Herausforderung kontrolliert zu lösen – ohne die Verfügbarkeit zu gefährden. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die kontinuierliche Überwachung sicherheitsrelevanter Prozesse. Moderne Security Information and Event Management-Systeme (SIEM) ermöglichen es, Auffälligkeiten in Engineering- und Produktionsumgebungen frühzeitig zu erkennen. Integriert in bestehende Leitsysteme oder Plattformlösungen lassen sich Zugriffe, Datenflüsse und Systemverhalten zentral analysieren und bei Abweichungen sofort Gegenmaßnahmen einleiten.
Sicherheit muss im Engineering-Prozess mitgedacht und gestaltet werden.
Fazit: Cybersicherheit als Enabler für stabiles Engineering
Cybersicherheit in der Industrie ist weit mehr als bloßer Schutz – sie ist ein strategischer Erfolgsfaktor für Ausfallsicherheit, Datenintegrität und die Einhaltung regulatorischer Konformität. Wer seine Engineering- und Automatisierungssysteme heute konsequent schützt, legt die Basis für stabile Prozesse und zuverlässige Lieferketten – und schafft Vertrauen bei Kunden, Partnern und Behörden. Für technische Entscheider heißt das: Sicherheit muss im Engineering-Prozess mitgedacht und gestaltet werden. Plattformen wie Zenon unterstützen dabei mit integrierten Sicherheitsfunktionen, intuitiver Parametrierung und flexibler Skalierbarkeit – und lassen sich nahtlos in bestehende IT/OT-Architekturen einbinden. So wird Sicherheit nicht zum Hindernis, sondern zur Grundlage für leistungsfähige, zukunftssichere Industrieprozesse.
Stand: 16.12.2025
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