Das Trendthema Metaverse ist auch auf der letzten Hannover Messe angekommen. Doch abseits der Visionen der Tech-Konzerne existiert aktuell kaum eine konkrete Vorstellung, wie ein Industrial Metaverse aussehen könnte. Der Beitrag zeigt, worauf es ankommt.
(Quelle: MRstudios)
Industrial Metaverse: Man kann deutschen Industrieunternehmen sicher nicht vorwerfen, dass sie blind jedem Hype hinterherlaufen. Von ersten Proof-of-Concepts (PoC) bis zur Überführung in den Produktionsprozess vergehen gerne Jahre bis Jahrzehnte. Sensible Prozesse und Supply Chains, strenge gesetzliche Auflagen und hohe Sicherheitsanforderungen sorgen dafür, dass Innovationszyklen länger, dafür aber auch nachhaltiger sind.
Was hat es mit dem Industrial Metaverse auf sich?
Es ist darum kein Wunder, dass der aktuelle Hype Metaverse in Industrie und Maschinenbau bisher eher wenig diskutiert wird. Zu wolkig geraten aktuell noch die Vorstellungen, Nutzungsszenarien und Ziele der Digitalkonzerne, die das Thema nicht zuletzt auch aus Sorge um ihre Geschäftsmodelle pushen.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die erste Nennung des Begriffs „Industrielles Metaverse“ nicht von einem Industrie- sondern von einem IT-Unternehmen kommt: Microsofts Deutschland-Chefin Marianne Janik prophezeite auf der Hannover Messe, dass das Metaverse künftig auch in der Industrie eine maßgebliche Rolle spielen werde, indem es die digitale Modellierung von Produktionsprozessen und die Nutzung digitaler Zwillinge ermöglichte. Das klingt zunächst einmal vielversprechend, wird aber jeden Maschinenbauer kalt lassen: Beides ist heute schon Bestandteil moderner Middleware-Systeme, und es ist nicht wirklich klar, welchen Mehrwert eine immersive virtuelle Umgebung hier stiften soll. Genau wie das „große“ Metaverse scheint auch das Industrial Metaverse noch in der Buzzword-Phase zu stecken. Doch um in der Industrie zu verfangen, wird es nicht reichen, das Metaverse-Thema einfach mit Branchenvokabular (Industrie 4.0, Internet of Things etc.) zu verbinden. Wer Industrieunternehmen überzeugen will, muss die spezifischen Eigenschaften mit einem konkreten Anwendungsfall verbinden.
Vision trifft industrielle Anforderungen
Zur Erinnerung: Das Metaverse ist per Definition ein digitaler Raum, in dem Menschen durch einen virtuellen Avatar vertreten sind. Die Möglichkeit, sich wie im richtigen Leben virtuell zu treffen und miteinander in Interaktion zu treten, ist die Kerneigenschaft einer Metaverse-Umgebung. Das Metaverse ist dadurch idealerweise ein Ort, der leicht zugänglich ist und fester Bestandteil des digitalen Lebens sein wird. Doch wie lässt sich diese Vision nun in die industrielle Produktion übersetzen? Es wird vor allem darauf ankommen, den Fokus auf den Bereich zu legen, in dem Interaktion und Austausch eine maßgebliche Rolle spielen, also vor allem entlang der Supply Chain, im Einkauf beziehungsweise der Koordinierung von Lieferanten. In einem Metaverse sparen sie wertvolle Zeit, die vorher in Reisetätigkeit investiert wurde. Ein industrielles Metaverse wird gegenüber „klassischen“ Kommunikationsmitteln (von der E-Mail bis zur Zoom-Konferenz) aber nur zum Einsatz kommen, wenn die Begegnung im virtuellen Raum mit Avataren auch einen wirtschaftlichen Mehrwert bringt. Im industriellen Kontext gelten vor allem die folgenden Faktoren als vielversprechend:
→ Interaktivität: Hochkomplexe Maschinen und Anlagen müssen nicht in Form abstrakter Datenblätter ausgetauscht werden, sondern sind innerhalb von Sekunden verfügbar, lassen sich aus jedem beliebigen Winkel betrachten und vermitteln dadurch schneller eine Vorstellung von Größe, Funktionsweise oder Einbindung in die Fertigungsstraße. Theoretisch könnte ein gesamter Shopfloor gemeinsam mit einem Lieferanten live im Industrial Metaverse gestaltet und im Anschluss in die „echte“ Welt übertragen werden.
→ Sicherheit: Ein industrielles Metaverse muss natürlich deutlich sicherer und geschützter sein als ein privat genutztes. Richtig umgesetzt kann ein Metaverse hier einen spürbaren Mehrwert liefern. Durch die Nutzung von Blockchain-Technologie ist es möglich, Eigentum an immateriellen, virtuellen Gütern festzuschreiben durch die Nutzung sogenannter „Non-Fungible Tokens“ (NFTs). Diese könnten in einem Industrial Metaverse das Rückgrat für den Schutz, die Authentifizierung und den Vertrieb von Konstruktionsdaten und für den 3D-Druck sein. Konstrukteure können ihre Arbeit dadurch besser schützen und im Falle von Produktpiraterie (ein drängendes Problem in der Fertigung) das geistige Eigentum auch virtuell besser sichern. Durch NFTs sind auch Transaktionen zwischen Lieferanten und Anwendern rechtssicher möglich. Diese wurden in jüngerer Vergangenheit vor allem entlang absurder Beispiele diskutiert (Stichwort „Bored Ape“). Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Technologie.
→ Immersion: Ein Hauptvorteil von Virtual und Augmented Reality liegt in der sogenannten Immersion, also der lebensechten Erfahrung. Wer im Metaverse mit einer Maschine interagiert, kann diese Interaktion viel intuitiver und nachdrücklicher in die reale Welt übertragen, als wenn er sich zum Beispiel ein Schulungsvideo ansieht. Einen konkreten Nutzen stiftet das zum Beispiel in der Wartung: Im Falle einer defekten Maschine kann ein Servicetechniker den Kundendienst im Metaverse kontaktieren. Beide haben nun virtuell Zugriff auf den digitalen Zwilling der Maschine, gespeist aus Echtzeit-Produktionsdaten und verfügbar als 3D-Modell. Der Kundendienst kann die notwendigen Wartungsschritte Schritt für Schritt mit dem Anwender durchgehen und diese in der virtuellen Umgebung anschaulich und interaktiv vorführen. Die immersive Darstellung ist eindringlicher und bleibt besser im Gedächtnis. So erlaubt sie dem Anwender, auch per Remote Service die Wartung selbstständig unter Anleitung durchzuführen. Das Metaverse wird damit zum Service-Tool, das im Alltag Kosten spart, Standzeiten minimiert und Personalressourcen effizienter nutzt.
Stand: 16.12.2025
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(Die gängigste Vorstellung eines Metaverse ist eine Umgebung, in der sich Geschäftspartner als Avatare begegnen. Bild: MRstudios)
Plattform und Inhalt müssen passen
Als Entwickler interaktiver 3D-Lösungen für Industrieunternehmen weiß MRstudios aus Erfahrung, welch hoher Aufwand nötig ist, eine Maschine in ein lebensechtes 3D-Modell zu gießen. Bei einem industriellen Metaverse wird es vor allem darauf ankommen, dass die Plattform reibungslos und ohne Probleme läuft. Genauso wichtig sind aber die darin gezeigten Inhalte und Modelle, die der Nutzer sieht und mit denen er interagiert. Beide Faktoren tragen gleichermaßen zu einem spannenden und eindringlichen Erlebnis bei. Um die Requirements der Industrie adäquat zu adressieren, müssen die Metaverse-Lösungen der Digitalkonzerne noch um einiges konkreter werden, bevor wir das Industrial Metaverse ausrufen können. Trotzdem ist Optimismus angebracht: Viele der Technologien haben bereits heute einen hohen Reifegrad erreicht. Es wird jetzt darauf ankommen, Plattform, Inhalt und Produktionsdaten so zu verbinden, dass sie möglichst reibungslos ineinandergreifen und die Anforderungen der Industrie genauestens adressieren. Wenn uns das gelingt, dann sind wir nicht mehr weit entfernt von den ersten „Early Adoptern“ eines Industrial Metaverse.
Der Autor Thomas Weiss ist Metaverse-Enthusiast der ersten Stunde. Mit seinem Unternehmen MRstudios entwickelt er interaktive 3D-Anwendungen.