14.12.2022 – Kategorie: Management

Im Gespräch: Christian Wendler, CEO Lenze

Quelle: Christian Wendler ist CEO beim Automatisierungsunternehmen Lenze.

Das Automatisierungsunternehmen Lenze feiert dieses Jahr sein 75. Firmenjubiläum. Wie der Anbieter seinen Maschinen- und Anlagenbaukunden bei der Digitalisierung helfen kann und wie die offene Automatisierungsplattform NUPANO neue Perspektiven für moderne Softwaretechnologie und Digitalisierung im Maschinenbau schafft, erläutert uns Christian Wendler, CEO von Lenze.

Herr Wendler, Lenze feiert dieses Jahr sein 75. Firmenjubiläum. Wie entwickeln sich die Geschäftszahlen im Jubiläumsjahr?

Christian Wendler: Es ist für alle Lenzianer ein großartiges Gefühl, wenn das Jubiläumsjahr mit dem erfolgreichsten Geschäftsjahr des Unternehmens zusammenfällt. Da feiert man gleich doppelt so gerne. 2021/2022 war ein Rekordjahr für uns. Beim Auftragseingang verzeichneten wir ein Plus von nahezu 50 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz stieg um 21 Prozent auf 832,6 Million Euro. Nochmals verbessert hat sich mit 63,1 Prozent auch unsere bereits sehr starke Eigenkapitalquote. Diese Zahlen machen uns alle sehr stolz bei Lenze.

Welche Bereiche wachsen derzeit besonders stark bei Lenze? Was sind die Gründe dafür?

Christian Wendler: Wir spüren in allen Marktsegmenten viel Nachfrage. Der Maschinen- und Anlagenbau automatisiert und digitalisiert sich Schritt für Schritt. Wir leben in einer Dekade der Automatisierung. Wenn ich eine Branche hervorheben darf, dann ist das die Intralogistik. Wir beliefern die wichtigsten Anbieter am Markt, die weltweit den Standard für Spitzentechnologie in den Lagern beziehungsweise beim Materialfluss setzen. Die Logistik hat in den zurückliegenden Jahren stark an Bedeutung gewonnen und viele Unternehmen sind bereit, in moderne Logistikstrukturen zu investieren. Davon profitieren wir und unsere Kunden. Gleichzeitig fordern die Retailer beispielsweise mehr Transparenz und Einsparungen beim Energieverbrauch. An dieser Stelle treffen sich dann OT und IT, die wir miteinander verheiraten.

Wie kann Lenze seine Kunden bei der Entwicklung nachhaltiger, energieeffizienter Produktionsprozesse unterstützen?

Christian Wendler: Unsere Teams kennen die Prozesse unserer Kunden schon oft seit vielen Jahren. Das Domänenwissen der Mannschaft ist phänomenal und beeindruckt mich immer wieder. Wir bringen jetzt dieses Wissen mit neuen Technologien wie neuronale Netze zusammen und finden Optimierungsansätze, die uns vorher verborgen waren. Bis zu 30 Prozent Einsparungen sind machbar. Es geht darum, Wissen um Hardware, Prozesse und IT zusammenzuführen. Wir investieren seit Jahren in diese Bereiche und arbeiten immer wieder mit neuen Partnern an Ideen, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, aber auch um zu lernen. Das bedeutet, wir sind ein Automatisierer mit ausgeprägter IT-Kompetenz.

Der Maschinen- und Anlagenbau automatisiert und digitalisiert sich Schritt für Schritt.
Bild: Lenze

Viele Maschinen- und Anlagenbauer sind auf der Suche nach neuen, digitalen Geschäftsmodellen. Wie hilft Lenze seinen Kunden, neue Erlösquellen zu erschließen und zu realisieren?

Christian Wendler: Viele Maschinenbauer wollen ihren Kunden digitale Services anbieten, weil sie genau wissen, dass sie in naher Zukunft sonst den Anschluss verlieren. Und es mangelt nicht an exzellenten Ideen, aber es fehlen häufig die Ressourcen, die Fachkräfte, das Wissen und die Technologiekompetenz, um agil eine tiefergehende Umsetzung anzugehen und digitale Angebote zu entwickeln. An diesem Punkt unterstützen wir. Wir helfen unseren Maschinen- und Anlagenbaukunden bei der Digitalisierung und nehmen sie an die Hand, um gemeinsam Applikationen zu entwickeln. Heute kann kein Unternehmen mehr allein im stillen Kämmerlein Software programmieren. Der wirtschaftliche Erfolg liegt im Miteinander von Kunden, OEMs, Zulieferern und Technologieträgern.

Viele Maschinenbauer wollen ihren Kunden digitale Services anbieten, weil sie genau wissen,
dass sie in naher Zukunft sonst den Anschluss verlieren.
Bild: Lenze

Was verbirgt sich hinter der Open Automation Platform NUPANO und was sind die wichtigsten Unterschiede zu anderen Plattformen?

Christian Wendler: Wir machen den Unterschied. Auf vielen Plattformen können Sie Commodity-Apps runterladen. Das ist gut, aber als Maschinenbauer will ich mich ja unterscheiden. Deshalb entwickeln wir mit Kunden und Partnern individuelle Anwendungen für die Plattform und das auch noch sehr einfach mit einer No-Code-Umgebung, weil IEC 61131-Entwicklerinnen und -Entwickler auch nur noch bedingt am Markt verfügbar sind. Die neue Generation kennt die Programmiersprache gar nicht mehr. Wir haben also ein Baukastensystem für den Maschinenbauer entwickelt, das auf offenen IT-Standards basiert und wir liefern als Basis-Set sofort ein Life-Cycle-Management der Apps mit.
Wir und unsere Kunden müssen viel mehr Kontakt halten zu unseren jeweiligen Kunden. Das machen uns die großen Hyperscaler und E-Commerce-Unternehmen vor. Auch dafür braucht man eine Plattform. Dann können wir gemeinsam schnell Ideen weiterentwickeln.

Wie sehen Ihre Erwartungen in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung für das Jahr 2023 aus?

Christian Wendler: Die besten Zeiten der Automatisierung stehen uns noch bevor. Wir alle realisieren gerade, was es beispielsweise heißt, Energie sparen zu müssen. Ohne Automatisierung, ohne Elektrotechnik und IT werden wir nicht auskommen. Wir sprechen über DC-Netze, über Vernetzung von Energiesystemen und Maschinen oder auch über weniger Verbrauch durch intelligente Steuerung. Die Herausforderungen sind vielfältig. Aber Automatisierung und Digitalisierung werden die Lösungen liefern.

Herr Wendler, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Rainer Trummer, Chefredakteur Digital Engineering Magazin.

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