Hohe Wirtschaftlichkeit sichern mit anschaulichem Produktionskostenmanagement

@LF:Technisches Management: PDM/PLM: Produktkalkulation

@DZ:Hohe Wirtschaftlichkeit sichern mit anschaulichem Produktionskostenmanagement

@T: Richtig kalkulieren – im PDM-System

@A:Von Dr. Jan Kickstein

@V:Um die Wirtschaftlichkeit von Produkten sicherzustellen, sind schon in den frühen Phasen des Produktlebenszyklus kontinuierlich sowohl die mit der Produktion als auch die mit der Produktentwicklung anfallenden Kosten und Erlöse zu kalkulieren. Wenn die hierfür notwendigen Basisdaten „Produkt- und Projektstruktur“ schon im PDM-System verwaltet werden, liegt die Idee nahe, dort auch die Produktkalkulation durchzuführen.

@L:Softwarelösungen zur Unterstützung der Produktkalkulation in den frühen Phasen des Produktlebenszyklus basieren bis heute überwiegend noch auf Microsoft Excel [1]. Mögliche Alternativen sind bisher der Einsatz des vorhandenen ERP-Systems, die Beschaffung einer spezialisierten Standard- oder aber die Entwicklung einer entsprechenden Individuallösung. Den Vorteilen von Excel, beispielsweise hohe Flexibilität und gewohnte Bedienung, stehen erhebliche Nachteile gegenüber: Geringer Integrationsgrad, fehlende Kollaborations- und Auswertungsmöglichkeiten, geringe Transparenz, hohe Fehleranfälligkeit usw. ERP-Systeme verfügen zwar über umfangreiche Kostenrechnungsfunktionen, bieten jedoch bis heute keine adäquate Unterstützung für die frühen Phasen des Produktentstehungsprozesses. Da dies auch für die Unterstützung der Produktkalkulation gilt, kommen ERP-Systeme hier eher selten zum Einsatz.
Gegen spezialisierte Standard- oder Individuallösungen spricht, dass sowohl deren Beschaffung beziehungsweise Realisierung als auch deren notwendige Integration in die vorhandene PLM-Systemlandschaft zur kontinuierlichen Synchronisation der Produkt- und Projektstrukturdaten mit dem ERP- und/oder PDM-System sehr aufwändig und teuer ist. Eine neue Lösung verfolgt den Ansatz, die Kalkulation direkt im PDM-System durchzuführen, in dem sowohl die virtuelle Produktstruktur als auch die Projektstruktur, das heißt die für die Kalkulation entscheidenden Basisdaten, in der Regel entstehen und verwaltet werden. Ihr wesentliches Merkmal ist die simultane Betrachtung der drei wichtigsten Kalkulationsperspektiven: wiederkehrende Produktkosten (Recurring Costs), einmalige Projektkosten (Non Recurring Costs) sowie der Kapitalwert.


Hier Bild „Capital Value.jpg“ einbauen

Zu den laufenden Produktkosten gehören vor allem die mit der Produktherstellung und mit dem Produktabsatz verbundenen Kosten. Die einmaligen Projektkosten umfassen zum Beispiel die Leistungen der Entwicklung, der Absicherung, der Arbeitsvorbereitung und des Projektmanagements. Auf der untersten Ebene der RC-Kalkulation stehen stets Artikel, die die variablen Herstellkosten der zu kalkulierenden Produkte bestimmen, auf unterster Ebene der NRC-Kalkulation sind es Arbeitspakete, die die Lohn- und Sachkosten des Produktprojekts definieren.

@ZT:Erweiterbarkeit und Usability
@L:Die Kernanforderungen an das RC-Modell bilden seine flexible Erweiterbarkeit, ein leistungsfähiger Vorlagenmechanismus sowie die einfache und schnelle Nutzung der Lösung durch den Kalkulator.
Aufbauend auf den Artikeln und den daraus zu konfigurierenden Produkten kann sich die weitere Struktur der zu betrachtenden RC-Elemente je nach Fertigungsart stark unterscheiden und sollte deshalb grundsätzlich flexibel erweiterbar sein. PDM-Systeme als hochgradig konfigurierbare Anwendungsplattformen sind prädestiniert dazu, diese Anforderung zu erfüllen. So könnte die RC-Basisstruktur, bestehend aus Artikeln und Produkten, für einen Auftragsfertiger etwa um die Elemente Liefereinheit und Lieferung erweitert werden.
Eine weitere gewichtige Anforderung an das RC-Modell betrifft die Geschwindigkeit, mit der der Kalkulator im PDM-System in der Lage ist, im Rahmen einer Kalkulation aus einem Set von Artikeln neue Produktvarianten zu konfigurieren. Die Unterstützung von leistungsfähigen Vorlagenmechanismen, zum Beispiel die Definierbarkeit von produktspezifischen Kalkulationsvorlagen mit eingebetteten Maximalstücklisten der zur Produktkonfiguration zur Verfügung stehenden Artikel, ist hier unbedingt Pflicht.
Zur Durchführung der Produktkonfiguration auf Basis einer solchen Maximalstückliste sollte dem Anwender zudem eine einfach zu bedienende, Excel-ähnliche Benutzeroberfläche bereitgestellt werden (Variantenmatrix).
Wesentliches Merkmal des NRC-Modells ist die grundsätzliche Unterscheidung zwischen der Arbeits- und der Kostenstruktur von Produktprojekten sowie die Abbildung zwischen den Elementen dieser beiden Strukturen im PDM-System.
Im Zuge der NRC-Kalkulation schätzen die jeweils verantwortlichen Fachbereiche zunächst die Lohn- und Sachkosten der einzelnen Arbeitspakete ab. Hierbei können PDM-Systeme umfangreiche Workflow-Unterstützung anbieten. Die Lohn- und Sachkosten der Arbeitspakete werden dann zu den jeweiligen Positionen der Kostenstruktur hochaggregiert, die zusammen das Projektbudget ergeben. Dabei ist es notwendig, für jedes Arbeitspaket zu definieren, in welche Kostenposition dieses einfließen soll.

@ZT:Flexible Kalkulationsschemata
Laufende Produktkosten, einmalige Projektkosten, sowie – daraus resultierend – Preise und Erlöse, müssen auf Basis der beschriebenen Modelle „bottom-up“ berechnet werden. Die entsprechenden Kalkulationsschemata variieren in der Regel unternehmensspezifisch stark.
Aus diesem Grund muss das Kalkulationschema im PDM-System hochgradig konfigurierbar – also nicht jeweils kundenspezifisch zu programmieren – sein. Dabei sollte die volle Flexibilität und einfache Erweiterbarkeit von Excel erhalten bleiben: Freie Definition von Parameterfeldern und Formeln, einfache Möglichkeit, das Schema für ausgewählte Objekte zu spezialisieren usw.
Ein weiteres für die Praxis sehr wichtiges Thema betrifft die Berücksichtigung von Optionen und Änderungen in der Produktkalkulation. Diese sollten sowohl einzeln kalkulierbar sein (etwa, um die entsprechenden Kosten gesondert aufzuführen) als auch mit ihrer Kostenauswirkung auf das Gesamtprojekt simuliert werden können.
Prinzipiell können Optionen wie auch Änderungen alle RC- als auch NRC-Elemente beinhalten: Bestimmte Bauteile der Produktkonfiguration werden gelöscht, andere hinzugefügt, es entstehen zusätzliche Entwicklungs- und Testaufwände usw.
Insofern sollten Optionen und Änderungen im PDM-System als eigenständige Kalkulationsobjekte modelliert werden, für die damit auch der vollständige Funktionsumfang der Produktkalkulation zur Verfügung steht.
So lassen sich nicht nur die oben genannten Anforderungen erfüllen: Auch der Anwender wird optimal dabei unterstützt, eine gezogene Option oder genehmigte Änderung automatisch in die referenzierende Produktkalkulation zu integrieren, das heißt, deren RC- und NRC-Elemente zu mischen.

@ZT:Umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten
Alle Kalkulationsergebnisse werden grundsätzlich in der Datenbank des PDM-Systems abgespeichert. Zudem besteht über die in der Regel tiefe Integration mit dem ERP-System ein direkter Online-Zugriff auf alle dort aufgelaufenen Ist-Kosten eines Produktprojekts. Darüber hinaus sollten leistungsfähige Reportgeneratoren heute Stand der Technik jedes PDM-Systems sein. Damit sind alle Voraussetzungen gegeben, um im PDM-System beliebig komplexe Auswertungen und Darstellungen zu realisieren: einfaches Projektbudgetblatt, Gesamtdarstellung eines Angebots inkl. Optionen, Business Case und Lifecycle-Auswertungen usw.

Für Anwender aus dem Controlling, aus der Kalkulation oder aus dem Management ergeben sich in der Summe aus einer solchen PDM-basierten Kalkulationslösung vielfältige Vorteile: Neben den umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten sind vor allem die hohe Ausführungsgeschwindigkeit dank fehlender Medienbrüche, komfortabler Vorlagenmechanismen und kollaborativer Datenerfassung sowie der Mehrwert in punkto Datenqualität, Transparenz und Sicherheit hervorzuheben.        bw

KENNZIFFER: DEM21428

[1] PLCM-Studie 2008 des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik II an der Universität Erlangen-Nürnberg, Dr. Günter Schicker und Florian Mader

((Bilder))
(Capital Value.jpg)@BU: Perspektiven der Produktkalkulation.
Bild: CONTACT Software GmbH
(budgetblatt.jpg)@BU:Beispiel für einen PDM-basierten Kalkulationsreport.
Bild: Contact Software
((BilderEnde))

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