Hackgerät statt Herbizide gegen Unkraut: Gleitlagertechnik in der Landwirtschaft

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Hackgerät statt Herbizide gegen Unkraut: Gleitlagertechnik in der Landwirtschaft

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Die Unkrautbekämpfung mit Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat ist umstritten. Umweltfreundlich ist nach wie vor das Hacken. Um dies zu erleichtern hat Samos ein effizientes und preisgekröntes Hackgerät entwickelt. Gleitlager von Igus sorgen darin für ein schnelles und effizientes Hacken. Von Uwe Sund und Stefan Loockmann-Rittich
Hackgerät

Quelle: samo Maschinenbau

Unkrautbekämpfung ohne Herbizide – zu diesem Zweck setzen nicht nur Bio-Bauern, sondern auch immer mehr konventionelle Betriebe auf Hacktechnik. Damit die ­Maschinen schnell, wartungsfrei und flexibel anpassbar sind, hat Samo Maschinenbau ein von Grund auf neu durchdachtes Hackgerät namens Variochop entwickelt. Mit ihm lässt sich die Bearbeitungsbreite ­direkt von der Schlepperkabine aus verstellen. So wird die Unkrautbekämpfung zeitsparender und effizienter. Damit das ­moderne Gerät wartungsfrei und zuverlässig arbeiten kann, setzten die Ingenieure auf die schmiermittelfreie Polymer-Gleitlagertechnik von Igus.

Das Hackgerät wird auch in konventionellen Betrieben genutzt

Ein Blick auf die Agritechnica 2019 zeigt: Hacken und Striegel erleben derzeit ihre Renaissance. Worauf bisher nur der Biolandbau zurückgreift, wird auch in den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben zunehmend wichtiger. Denn Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat sind in der Unkrautbekämpfung immer umstrittener. Auch in Österreich ist das Mittel bereits ­soweit in der Diskussion, dass ein Gesetzes­entwurf zu einem Glyphosatverbot
(https://orf.at/stories/3146196/) vorbereitet ist.

Um Unkraut erfolgreich zu bekämpfen, setzen derzeit vor allem Bio-Landwirte auf Hackgeräte, die dem Unkraut an die Wurzel gehen. Das Problem an den herkömmlichen Geräten: sie müssen durch die Bank mechanisch und im Stand an bis zu 60 Punkten via Schraubschlüssel und Zollstock eingestellt werden. Vorgänge, die sehr zeitaufwendig sind. Daher haben Klemens Ollmaier, Hannes Hutter und Philipp Holl von Samo Maschinenbau zusammen mit ihrem Projektpartner Roman Romstorfer das Variochop-System entwickelt. Der Name steht hier für das Programm, denn mit dem Gerät lässt sich variabel und stufenlos Hacken (engl. to chop = hacken). Eine patentierte Erfindung, die auch die DLG-Jury des Agritechnica Awards 2019 begeisterte und die Newcomer direkt mit einer Silbermedaille auszeichnete. Für eine sichere und wartungsfreie Lagerung der beweglichen Hack-Elemente sorgen die Iglidur Gleitlager vom Motion Plastics ­Spezialisten Igus.

Landtechnik im Blut

Hinter Samo Maschinenbau stehen drei junge Ingenieure aus dem Bereich der Landtechnik. Alle aufgewachsen auf ­österreichischen Höfen und mit der Landwirtschaft verbunden, fanden die leidenschaftlichen Entwickler und Konstrukteure zusammen und übernahmen 2018 die Samo Maschinenbau GmbH, bis dato ein klassischer Lohnfertiger für Werkzeugmaschinen. „Wir haben bereits viele Projekte in unserer Selbstständigkeit bis hin zur Marktreife entwickelt. Jedoch fehlte uns die direkte Fertigung. Daher entschlossen wir uns im Oktober 2018, Samo Maschinenbau zu übernehmen und so die beiden Expertisen miteinander zu verknüpfen. Jetzt können wir direkt neue Produkte in einem dynamischen Team nicht nur auf dem Papier entwickeln, sondern bis zum Endkunden bringen“, erklärt Klemens Ollmaier, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter.

Unkrautvernichtung direkt an der Pflanze mit dem richtigen Hackgerät

Im Frühling säht der Bauer die Samen aus. Die Hackzeit beginnt anschließend von Mitte April und dauert bis Juli an. Das Ziel vom Hacken: so nah wie möglich an die Pflanze kommen, um den Unkrautdruck zu verringern und das händische Nacharbeiten zu reduzieren. Denn ein gehackter ­Boden trägt zu einer höheren Wasseraufnahme der Pflanze und zu einem verbesserten Wachstum der Wurzel bei.

Je nach Kultur gibt es unterschiedliche Reihenabstände und Hackintervalle. Während einige Felder nur zwei Mal gehackt werden müssen, kommt bei anderen Feldern das Hackgerät bis zu fünf Mal zum Einsatz. Da die Pflanze bei jedem Vorgang eine andere Entwicklungsgröße besitzt und der Boden wetterbedingt einen unterschiedlichen Zustand hat, muss das Hackgerät jedes Mal neu eingestellt werden.

„Jahrelang ärgerten wir uns selbst über die mühsame Verstellung der Hackelemente, daher musste eine neue und praktische Lösung her, die dem Landwirt das Leben vereinfacht und das Hacken zentimetergenau, effizient und einfach macht“, ­erläutert Roman Romstorfer, Bio-Bauer und Projektpartner von Variochop. Gesagt, ­getan, entstand 2017 der erste Prototyp des ­modernen Hackgeräts, welches über mehrere Prototypenstadien nun Anfang 2020 serienreif am Markt verfügbar ist.

HackgerätQuelle: igus GmbH
In der Parallelkinematik setzen die Konstrukteure pro Hackelement auf 18 schmiermittelfreie und leichte Gleitlager aus dem Allrounder-Werkstoff Iglidur G.

Schmiermittelfrei und wartungsfrei gelagert

Variochop besteht aus mehreren Hack­elementen, deren Anzahl der Kunde selbst bestimmen kann. Eine Parallelkinematik ermöglicht das einfache Verstellen der einzelnen Elemente. Hier waren wartungsfreie Gleitlager gefragt: „Wir haben nach einem Werkstoff gesucht, der schmiermittelfrei, robust und kostengünstig ist, daher entscheiden wir uns für die Iglidur Gleitlager von Igus“, erklärt Klemens Ollmaier. Insgesamt 18 Iglidur Gleitlager aus dem Tribo-Polymer Iglidur G kommen in der ­Parallelkinematik der Hackelemente zum Einsatz. Als Allrounder ist das Polymer ­äußerst verschleißfest, korrosionsfrei und leicht.

Durch den Verzicht auf Fette und Öle gelangen keine Schmierstoffe in den Boden. Weitere 14 Gleitlager aus dem gleichen Werkstoff sorgen für eine wartungsfreie Lagerung der Höhenführung. „Iglidur G besitzt eine hohe zulässige Flächenpressung und ist auch als große Buchse mit ­einem Durchmesser von 35 Millimetern kostenattraktiv im Preis. Die technisch beste und zugleich günstigste Lösung, die funktioniert. Durch eine Vielzahl an Tests im hauseigenen Igus-Labor ist der Werkstoff seit Jahren auch in Heavy-Duty-­Anwendungen bewährt“, erklärt Christoph Föttinger, Geschäftsleiter Gleitlagertechnik bei Igus Austria.

Hacken vollautomatisiert

Das Variochop-System besitzt eine ­Reaktionszeit von fünf Sekunden und ist für 2- bis 99-reihige Hackgeräte denkbar. Einfach vorne sowie hinten an dem Schlepper montiert können Anwender die Hackelemente des Variochop per Hand mit einem Splint oder noch praktischer direkt von der Schlepperkabine aus elektro-hydraulisch einstellen.

Angetrieben wird die Parallelkinematik eines Elements durch einen Präzisions­hydraulik-Zylinder, welcher mit einem Lenkwinkelsensor gekoppelt ist. Somit kann der Landwirt direkt von der Kabine aus die optimale ­Bearbeitungsbreite während der Fahrt einstellen. Während in der Vergangenheit noch eine Person hinten auf dem Schleppgerät saß, um die richtige Position des Hackgerätes zu überwachen, kann diese Funktion bei Variochop optional eine Kamera übernehmen. So lassen sich Verstellfehler vermeiden und die Breite vollautomatisiert anpassen.

Vor allem für Landwirte, die unterschiedliche Felder als Dienstleister hacken, ermöglicht das Hackgerät einen Zeit- und Kostenvorteil. Zusätzlich kann der Anwender damit Herbizid-Kosten einsparen. „Wir selbst haben Variochop über mehrere Saisons und in etlichen Kulturen auf unseren Feldern ­getestet und sind davon absolut überzeugt, daher haben wir unsere Erfindung auch bei dem Agritechnica Award 2019 eingereicht“, erklärt Romstorfer.

HackgerätQuelle: samo Maschinenbau
Variochop gewann die Agritechnica Silbermedaille 2019 der DLG. Den Preis nahmen Klemens Ollmaier (Mitte links) und Projektpartner Roman Romstorfer (Mitte rechts) von DLG-Präsidenten Hubertus Paetow (links) und Markus Demmel, dem Vorsitzenden der Agritechnica-Neuheitenkommission (rechts), entgegen.

Die Jury der Deutschen Landwirtschaft Gesellschaft zeigte sich direkt von der Erfindung und dem Zeitgeist des neuen Hackkonzeptes angetan. Variochop gewann die Silbermedaille des begehrten Preises und setzte sich gegen etliche etablierte Landmaschinenhersteller durch. „Unser Ziel ist es 2020 Variochop international auf dem Markt zu verbreiten, denn das Gerät hat ein großes wirtschaftliches Potenzial für die Landwirte. Mit Igus als Partner an Board können wir das schaffen, denn die Produkte sind direkt ab Lager erhältlich, haben eine hohe Qualität und sind gleichzeitig kostengünstig“, hebt Ollmaier hervor.

Uwe Sund ist Branchenmanager Agrartechnik bei der igus GmbH.
Stefan Loockmann-Rittich ist Leiter ­des ­Geschäftsbereichs iglidur Gleitlager bei der igus GmbH.

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