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Für eine Unterscheidung von Digitalisierung und digitaler Transformation

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Nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in zahlreichen Studien werden Digitalisierung und digitale Transformation gleichgesetzt. Doch was ist eigentlich der Unterschied der beiden Begriffe?
DigitalisierungQuelle: FunkyFocus/Pixabay

Begriffe dienen dazu, sich ein Bild von der Realität zu machen. Je genauer wir die Sprache nutzen, desto besser sind unsere Entscheidungen und desto klarer kann das Handeln daran ausgerichtet werden. Welche Tragweite dieser Zusammenhang hat, zeigt sich besonders deutlich an der Unterscheidung von Digitalisierung und digitaler Transformation.

VON CHRISTIAN SCHÖN

Nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in zahlreichen Studien werden Digitalisierung und digitale Transformation gleichgesetzt. Oft in einem Satz. Zweifelsohne geschieht dies ohne böse Absicht und nicht selten nur aus stilistischen Gründen. Zudem gibt es in der Tat auch diverse Überschneidungen und Ähnlichkeiten, die eine synonyme Verwendung nahelegen. Dennoch gibt es auch signifikante Unterschiede zwischen beiden Phänomenen. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Gerade diese Unterscheidung gilt es zu betonen, da von der Verwendung von richtigen Begriffen mehr abhängt, als dies auf den ersten Blick scheinen mag.

Was ist Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist in diesem Zusammenhang sicher eines der am längsten bekannten Phänomene. Digitale Medien und Technologien zur Digitalisierung gibt es seit vielen Jahrzehnten. Dies ist sehr wahrscheinlich auch der Grund, warum gerade der Begriff Digitalisierung gerne synonym für zahlreiche Veränderungen und Entwicklungen verwendet wird, die daten- und technologiegetrieben sind oder aus anderen Gründen thematisch daran anknüpfen.

Doch genau genommen handelt sich bei der Digitalisierung allen voran um den Übergang von analogen Prozessen in digitale. Die Beispiele sind hinlänglich bekannt: Anstatt mit Papierdokumenten zu arbeiten, werden Dokumente gescannt und anschließend digital weiterverarbeitet. Durch die auf diese Weise verstandene Digitalisierung können Geschäftsprozesse schneller und effizienter ablaufen. Anstatt ein Dokument von A nach B zu tragen oder per Post zu schicken, genügt eine E-Mail, um die Inhalte zu kommunizieren.

Auf den ersten Blick mag dieses Beispiel trivial wirken. Darüber darf jedoch nicht vergessen werden, dass Papierarchive und -dokumente nach wie vor zahlreiche Organisationen an der Tagesordnung sind. Zudem stellte sich lange Zeit die Herausforderung, dass die Digitalisierung der Inhalte der Dokumente und deren Weiterverarbeitung schwierig waren. Die Übertragung von Informationen in ERP-Systeme erfolgte beispielsweise größtenteils von Hand. Erst heute kann dies dank lernender Machine-Learning-Algorithmen automatisiert erfolgen.

Was ist digitale Transformation?

Nichtsdestotrotz unterscheiden sich Digitalisierungsprojekte grundlegend von der digitalen Transformation. Selbst in einer Organisation, die all ihre Vorgänge digitalisiert hat, laufen – strukturell betrachtet – alle Prozesse mehr oder weniger wie im analogen Zeitalter ab. Anders sieht es bei der digitalen Transformation aus.

Die digitale Transformation ist ohne die Digitalisierung nicht denkbar. Sie baut gleichsam auf ihr auf: Denn nur wenn bereits Geschäftsprozesse digitalisiert sind, ist es möglich, sie zum Bestandteil der digitalen Transformation zu machen. Das liegt insbesondere daran, dass bestimmte Zusammenhänge, Kausalitäten und Potentiale erst dann sichtbar werden, wenn alle Informationen in digitaler Form vorliegen, sprich: als Daten. Wenn alle Vorgänge entlang einer Produktionsstraße digitalisiert sind, lassen sich dabei entstehenden Daten analysieren. Die Ergebnisse der Datenanalysen wiederum geben darüber Aufschluss, wie Prozesse ablaufen oder wo Fehlerquellen liegen. Sie schaffen damit die Grundlage, auf der Abläufe verändert oder angepasst werden können.

Erst diese strukturellen Veränderungen sind mit der digitalen Transformation gemeint. Selten ist die digitale Transformation auf einen kleinen Bereich oder einzelne Aufgaben beschränkt. Anpassungen zur Verbesserung der Effizienz und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sind oft nur dann möglich, wenn der gesamte Wertschöpfungsprozess oder ganze Geschäftsmodelle in den Blick genommen werden.

Die Auswirkungen der digitalen Transformation

Daten sind also der Schlüssel für die digitale Transformation. Mehr Informationen über die benötigten Ressourcen und deren Entstehungs- und Lieferbedingungen können dazu dienen, deren Planung und Allokation zu verbessern. Besonders deutlich werden die Auswirkungen der digitalen Transformation bei einem Blick auf die neuen Geschäftsmodelle von innovativen Maschinenherstellern. Anstatt Roboter zu verkaufen, wird nur noch die Dienstleistung vermarktet: „Robots as a Service“.

Es geht nicht um eine semantische Unterscheidung

Beschäftigt man sich mit der begrifflichen Unterscheidung von Digitalisierung und digitaler Transformation geht es um weit mehr als nur um eine Übung in Semantik. Es geht vielmehr um Unterschiede in der Praxis. Ein Digitalisierungsprojekt unterscheidet sich grundlegend von der digitalen Transformation eines Geschäftsmodells. Wie wichtig ein Begriff für die Entwicklung in der Realität sein kann, zeigt sich nicht zuletzt an der „Industrie 4.0“. Dieser Begriff wurde in Deutschland früh geprägt und führte dazu, dass viele Unternehmen aus dem Mittelstand begannen, nicht nur Prozesse zu digitalisieren, sondern einen weiteren Schritt hin zur digitalen Transformation zu gehen.

Eine Außenperspektive ist bei der Transformation unschätzbar

Bei Digitalisierungsprojekten ändert sich innerhalb einer Organisation, einzelnen Abteilungen oder einzelnen Arbeitsprozessen nicht zwangsläufig strukturell etwas. Vorgänge, die vormals analog erledigt wurden, werden danach in der Regel von denselben Mitarbeitern digital erledigt. Ganz anders sieht es bei Transformationsprojekten aus. Wenn sich Prozesse und Abläufe grundlegend ändern, neue Geschäftsmodelle an die Seite oder an die Stelle von bisherigen treten, müssen oft Aufgaben und Verantwortlichkeiten neu verteilt werden.

Strukturelle Veränderungen wie diese laufen nicht immer reibungslos ab. Oft geht es um Privilegien, Macht, Gewohnheiten oder die Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Tiefgreifende Veränderungen sind deswegen manchmal unmöglich oder erfordern Zeit, um den Bedarf und das Potential von Neuerungen zu erkennen. In diesen Situationen hilft eine Außenperspektive, aus der unabhängig von internen Überlegungen der Status quo beurteilt und die notwendigen Veränderungen artikuliert werden können. Freelancern aus dem Bereich Engineering und IT sowie Dienstleistern wie Solcom kommen im Zuge der digitalen Transformation aus diesem Grund eine gestiegene Bedeutung zu. Die digitale Transformation braucht Know-how und Agilität. Letztere kann dadurch entstehen, indem schnell Expertise von außen ins eigene Unternehmen geholt wird.

Begriffliche Unterscheidung und Auswirkungen in der Praxis

Die digitale Transformation ist in ihren Auswirkungen sehr viel weitreichender und radikaler als die Digitalisierung. Digitale Medien wie die DVD, die CD oder die ersten Mobiltelefone führten nicht automatisch dazu, dass sich ganze Industrien veränderten. Erst als auf Basis der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle entstanden und Musik und Videos über digitale Plattformen wie Spotify, YouTube oder Netflix vertrieben wurden, wirkten sich diese als Disruption auf die bestehenden Unternehmen und Märkte aus.

Viele Unternehmen setzen heute auf Digitalisierungsprojekte und hoffen, dass sie dadurch beim immer stärker werdenden Wettbewerb mithalten können. Damit könnten sie jedoch einem Irrtum aufsitzen: Denn wenn die Begriffe Digitalisierung und digitale Transformation nicht klar voneinander unterschieden werden, gelingt es in der Praxis nicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sicherlich schaffen Digitalisierungsprojekte die Grundlage für neue Geschäftsmodelle und strukturelle Veränderungen. Aber nur wenn die digitale Transformation angestoßen und vollzogen, können die damit verbundenen Chancen auch tatsächlich genutzt werden.


Christian Schön arbeitet als freier Autor, Ghostwriter und Blogger in Berlin. Zu seinen Schwerpunkten gehören folgende Themen: Die Auswirkung der Digitalisierung auf die Gesellschaft, Big Data und das Internet der Dinge sowie Industrie 4.0 und die Arbeitswelt der Zukunft.

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