Fernwartung mit M2M: Vernetzt über die „Cloud der Dinge“

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Mit Blick auf die Digitalisierung agieren kleine und mittlere Unternehmen hierzulande eher noch zurückhaltend – obwohl die Investitionskosten für M2M-Systeme sinken und sich CRM- und ERP-Systeme anbinden lassen. Dürkopp Adler geht mit gutem Beispiel voran und ergänzt seinen Wartungsservice vor Ort mit einer M2M-­Lösung. Auf diese Weise spart der Bielefelder Nähmaschinenspezialist nicht nur Zeit und Geld, sondern zeigt, wie der Einstieg in die vernetzte Industrie im Mittelstand gelingt. Von Conrad Riedesel

Mit Blick auf die Digitalisierung agieren kleine und mittlere Unternehmen hierzulande eher noch zurückhaltend – obwohl die Investitionskosten für M2M-Systeme sinken und sich CRM- und ERP-Systeme anbinden lassen.
Dürkopp Adler geht mit gutem Beispiel voran und ergänzt seinen Wartungsservice vor Ort mit einer M2M-­Lösung. Auf diese Weise spart der Bielefelder Nähmaschinenspezialist nicht nur Zeit und Geld, sondern zeigt, wie der Einstieg in die vernetzte Industrie im Mittelstand gelingt. Von Conrad Riedesel

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Beim Ausfall von Industriemaschinen rückte früher meist der Kundendienst an. Hier bietet das Internet der Dinge heute eine kostengünstigere Alternative. Noch bevor Techniker die Reisekasse belasten, stellen sie aus der Ferne eine Diagnose und beheben so oftmals Fehler über eine M2M-Verbindung remote.
Industrienähmaschinen von Dürkopp Adler sind überall auf der Welt im Einsatz. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil elektronischer Bauteile bei den Geräten stark gestiegen. Die Maschinen sind mit Hard- und Software ausgestattet, die auch in Computern vorhanden sind.
Der zunehmende Softwareanteil macht die Anlagen aber anfällig für Konfigurations- und Programmierfehler. ­Allerdings erlaubt es die technologische Weiterentwicklung auch, Geräte aus der Ferne anzusprechen und Störungen zu beseitigen. Wo früher noch der Kundendienst anreisen musste, reicht heute die M2M-Verbindung.

Zentrale Verwaltung und Steuerung

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom und den Software-Experten von Cumulocity hat Dürkopp Adler eine Lösung entwickelt, die den Fernzugriff auf die Steuerung der Nähmaschinen ermöglicht. Bevor der Service vor Ort ausrückt, begutachten Techniker aus Bielefeld über das Datennetz, ob sich der Fehler nicht auch remote beheben lässt. Die Maschinen von Dürkopp Adler sind dazu mit der von der Telekom betriebenen „Cloud der Dinge“ verbunden, einer cloudbasierten Plattform zur Verwaltung und Steuerung von vernetzten Geräten. Für die Maschinen vor Ort stellt die Telekom Hardwarekomponenten und SIM-Karten zur Verfügung samt M2M-Datentarifen.
Passende M2M-SIM-Karte
Als externes Gateway bieten sich je nach Anforderung unterschiedliche Varianten an. Bei Dürkopp Adler kommt das Mobilfunkmodem NTC-6200 von Netcomm Wireless zum Einsatz. Das NTC-6200 lässt sich via Ethernet entweder direkt mit einer Nähmaschine verbinden oder auch zentral installieren, um die Daten einer Anlageninsel über ein lokales Netzwerk einzusammeln. Eine M2M-SIM-Karte der Telekom sorgt im Funkmodem für Konnektivität zur Cloud – unabhängig vom Firmennetz vor Ort.
Über ein Web-Portal registriert der Nähmaschinenspezialist selbst die mit dem Funkmodem vernetzten Maschinen in der Cloud-Plattform. Die Geräte senden dann Betriebsparameter via Mobilfunk an die Cloud der Dinge. Umgekehrt empfangen die Maschinen Kontrollbefehle. Die cloudbasierte Plattform selbst liegt auf hochsicheren Servern in Deutschland. Zum Schutz der Daten greifen die Anwender über eine Secure-Sockets-Layer(SSL)-Verbindung auf die Cloud zu. Die Zugriffsrechte bekommen die Techniker von Dürkopp Adler allerdings von ihren Kunden, die so volle Kontrolle über ihre Maschinen behalten.

Konfigurationsprobleme beheben, Firmware-Updates einspielen

Über das Web-Portal lässt sich der zeitliche Verlauf von Statuswerten oder Umgebungsparametern abrufen und auch in Diagrammen aufbereiten und auswerten. Auf Kundenwunsch können die Techniker von Dürkopp Adler aus der Zentrale in Bielefeld den Betriebszustand der Anlagen überwachen, konfigurationsbedingte Probleme beheben oder Firmware-Updates in Produktionspausen einspielen. Das reduziert Ausfallszeiten und spart Kosten.
Mit dem System erfüllt der Nähmaschinenhersteller darüber hinaus auch den Wunsch seiner Kunden nach einer besseren Wartungsplanung. Denn der Austausch von mechanischen Verschleißteilen liegt oftmals in der Hand der Betriebe selbst. Erreicht ein Gerät eine bestimmte Laufzeit, informiert es automatisch den Anwender. Auf diese Weise sind die Kunden in der Lage, Wartungsarbeiten im Hinblick auf Produktionsauslastung und Stillstandszeiten optimal zu planen.
Die Alarmfunktion kommt auch dem technischen Service in der Bielefelder Zentrale zugute: So informiert das System sofort, wenn eine Maschine von ihren Betriebsparametern abweicht. Das erlaubt ein direktes Eingreifen und verkürzt Reaktionszeiten. Grundlage für die Funktion sind vorab definierte Sollwerte für einzelne Betriebsparameter und damit verknüpfte Events in der Cloud der Dinge.

API-Integration in IT-Umgebung

Über APIs lässt sich die Cloud der Dinge zudem in die IT-Umgebung des Anwenders integrieren. Auf diese Weise kann man die Betriebsparameter und Sensordaten vom Shop-Floor in die CRM- und ERP-Systeme im Office-Floor spielen und dort weiterverarbeiten. Das heißt, Kunden von Dürkopp Adler sind in der Lage, ihre Produktionsprozesse transparent abzubilden. Das erlaubt nicht nur eine digitale Verwaltung und Steuerung der Textilfertigung, sondern auch die Identifikation von Optimierungsmöglichkeiten in laufenden Prozessen.
Das Beispiel zeigt, dass auch kleinen und mittleren Unternehmen der Einstieg in die vernetzte Industrie gelingen kann. Wegbereiter sind Angebote wie die Cloud der Dinge. Hier entwickeln Unternehmen ohne hohen Investitionsaufwand und in einem sicheren Rahmen ihre Lösungen und bringen sie zur Serienreife. Zudem ist es auch möglich, existierende Produktionsinfrastrukturen in die Plattform einzubinden. Maschinen aus dem Fertigungsbestand lassen sich im Regelfall einfach nachrüsten und über M2M vernetzen.

Sinkende Preise, schlummerndes Geschäftspotenzial

Die Investitionskosten für M2M-Lösungen sind in den vergangenen Jahren gesunken. Fortschritte in der Sensortechnik, preiswerte Module und günstige mobile Datenverbindungen machen den Einstieg heute attraktiver denn je. Die Kosten orientieren sich dabei meistens an der Anzahl der zu vernetzenden Geräte.
In puncto „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ geht Dürkopp Adler mit gutem Beispiel voran. Statt die digitale Transformation voranzutreiben, lässt sich die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen laut den Ergebnissen der Studie „Digital Business Readiness“ von ihr treiben.
Das IT-Beratungsunternehmen Crisp Research hatte in Kooperation mit Dimension Data eine Befragung unter Unternehmens- und IT-Entscheidern durchgeführt. Demnach hadern Mittelständler vor allem aus Sorge um die Datensicherheit, die Finanzierung und die zunehmende Technologieabhängigkeit mit der Digitalisierung. Umfragen des Marktforschungsunternehmens IDC und der DZ Bank aus dem Jahr 2014 belegen dies übereinstimmend. Entsprechend schleppend schreitet die Digitalisierung in Deutschland voran.

Digitalisierung rechnet sich

Experten zufolge zahlt sich die Vernetzung von Maschinen aber auch für kleinere und mittlere Unternehmen aus. Eine einfache Überlegung macht die Hebelwirkung deutlich: 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittlere. Boston Consulting hat untersucht, wie sich der Einsatz moderner IT-Technologien auf ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Das Ergebnis: Deutsche Mittelständler könnten nach Berechnungen des Beratungshauses 150 Millionen US-Dollar zusätzlich erwirtschaften und 670.000 Arbeitsplätze schaffen. Einzige Voraussetzung: Sie müssten Technologien wie M2M in gleichem Maße einsetzen, um ihr Geschäft voranzutreiben wie die technologisch führenden Wettbewerber.rt

Conrad Riedesel ist Leiter Commercial ­Mana­gement M2M bei der Telekom Deutschland.

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