Von Catia zu NX: Erfolgreicher Systemwechsel

Für Daimler als Premium-Automobilhersteller wie auch für viele andere Zweige des Maschinenbaus bilden zwei IT-Systeme das Herz der IT-technischen Unterstützung der Produkt­entstehung: Mit dem CAD-System werden die Geometrie- und Formdaten der Produkte erstellt sowie bearbeitet und im PDM-System sind die Geometriedaten zusammen mit anderen Daten, etwa Informationen zu den verwendeten Materialien, gespeichert und dynamisch miteinander verknüpft. Das PDM-System Smaragd bildet bei Daimler die Drehscheibe für den digitalen Informationsfluss in der gesamten Produktentstehungskette und versorgt alle Engineering-Bereiche weltweit mit digitalen Produktdaten und Prozessen.
Viele Zukunftstechnologien der IT, aktuell etwa Industrie 4.0, kann sich ein Hersteller komplexer Produkte ohne ein leistungsfähiges PDM-System nicht erschließen. Daimler hat bereits seit Jahren mit Smaragd ein solch leistungsfähiges, zentrales PDM-System im Einsatz. Als CAD-System setzte der Automobilkonzern bis Ende März diesen Jahres die Standardsoftware Catia V5 von Dassault Systèmes ein. Anfang April wurde dieses CAD-System nach einer etwa dreijährigen Umstiegsphase durch Siemens NX abgelöst.

Zukunftsfähigkeit auf dem Prüfstand

Wie kam es dazu? In einem Vorprojekt untersuchte man bei Daimler die Zukunftsfähigkeit von Catia V6 und stellte fest, dass die nächste Generation des CAD-Systems den PDM-Backbone-Prozess von Daimler nicht unterstützt, da sie mit einem anderen PDM-System zwangsweise gekoppelt war. Neben diesen und anderen Kriterien hat der Systemvergleich gezeigt, dass
Siemens NX die besseren Zukunftsperspektiven für Daimler-IT-Engineering bietet. Im November 2010 wurden die Ergebnisse dem Daimler-Konzernvorstand vorgestellt. Der Vorstand hat daraufhin den sofortigen Start des Projekts „PLM 2015“ beschlossen, mit dem Auftrag, im gesamten Daimler-Konzern weltweit bis Ende 2015 für die Bereiche PKW und Vans und bis Ende 2016 für die Bereiche Trucks und Buses vom CAD-System Catia V5 auf Siemens NX umzusteigen.
In den ersten beiden Jahren des Projekts PLM 2015 ging es darum, NX in die System- und Prozesslandschaft von Daimler einzubetten. Die wesentlichen Themen waren dabei:
1. Weiterentwicklung und Anpassung von NX an die Daimler-Prozesse.
2. Entwicklung einer leistungsfähigen Schnitt­stelle zwischen NX und Smaragd.
3. Harmonisierung von CAD-Methoden für den Einsatz von NX bei allen Daimler Business Units.
4. Anpassung von IT-Tools an das neue CAD-System NX.
5. Bereitstellung einer Trainingskonzeption zur Schulung der Anwender sowie die Durchführung der Trainings für über 6.000 User an allen Daimler-Standorten weltweit in mehreren Sprachen.
6. Aufbau einer Migrationsfabrik bei MBRDI (Mercedes-Benz Research and Development in Bangalore, India) mit 300 Mitarbeitern zur bedarfsgerechten Datenmigration von V5-Daten nach NX.
7. Aufbau eines internationalen Support-Teams für die verschiedenen Daimler-Standorte zur Unterstützung der Anwender nach Abschluss der Trainings.

Intensive Einbindung der Partner

Die Vollauslastung der Rollout-Organisation mit der Umstellung von etwa 1.000 Anwendern pro Quartal erreichte man bereits 2014. Eine intensive Information und Kommunikation zu allen Lieferanten erfolgte unter anderem durch Veranstaltungen wie Lieferanten-Tage, Lieferanten-Newsletter und über ein Supplier-Portal. Catia wurde termingerecht Ende März 2015 abgeschaltet. Daimler und Siemens wollen die enge Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung von NX fortführen. rt |

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