Kabel für Meer und Eis

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Buchstäblich mit allen Wassern gewaschen ist die Lapp-Tochter Lapp Muller SAS in Grimaud in Südfrankreich an der Côte d’Azur. Das Unternehmen entwickelt und fertigt unter anderem Sonderleitungen für Unterwasser-Applikationen, zum Beispiel für die Bereiche Öl & Gas oder für die Sicherheits- und Militärtechnik.
Jede Leitung wird nach Kundenwunsch und der jeweiligen Anforderung entworfen und produziert. Beispielsweise hat Lapp Muller Sonderleitungen für ferngesteuerte Tiefseefahrzeuge (ROV, remotely operated vehicle) entwickelt, Kombinationen aus Steuerleitungen und Koaxial-Kabeln für die Videoüberwachung, schwimmende ROV-Kontroll-Leitungen oder Kontroll-Leitungen zum Steuern der Bagger auf dem Meeresgrund. Für die französischen Firmen Comex und Comanex, beide projektieren bemannte und unbemannte Tiefseeeinsätze, hat Lapp Muller Versorgungssysteme entwickelt, die in bis zu 1.500 Metern Tiefe funktionieren.
In einer druckgeschützten Leitung mit einem Durchmesser von rund 90 Millimetern stecken neben dem Beatmungssystem bis zu 20 verschiedene Anschluss-, Steuer- und Datenleitungen. Ähnliche Systeme wurden auch für das italienische Unternehmen Saipem entwickelt.
Saipem stellt Maschinen, Plattformen und weitere Produkte für die Erdölgewinnung, das Legen von Pipelines und das Bohren nach Gas- und Ölvorkommen her und installiert diese.

Marine-Anwendungen

Auch in den nationalen Marinen werden Sonderleitungen gebraucht. Beispielsweise hat Lapp Muller schwimmende Unterwasser-Antennenkabel für U-Boote entwickelt. Für einen Weltkonzern, der unter anderem Über- und Unterwassertechnologie für die Marine liefert, produzierte Lapp Muller ein stahlummanteltes Unterwasser-Sonarkabel, das einem Druck von bis zu 60 bar standhält sowie eine Kontrollleitung, die bis zu 700 bar widersteht.
Ein weiteres Beispiel ist die SBM-Gruppe aus Monaco – sie entwickelt, baut und installiert so genannte Mooring-Systeme. Das sind verankerte Bojen, die am Meeresboden mit einer Pipeline verbunden sind. Von dort aus können die Tanker mit Öl beladen werden. Lapp Muller hat für diese Systeme Steuerleitungen geliefert, die Signale zum Öffnen und Schließen der Ventile zuverlässig auf dem Meeresboden übermitteln und Transportleitungen, die den besonders extremen Bedingungen widerstehen.

„Heat“ für die Arktis

In der Arktis herrschen im Winter manchmal Temperaturen von unter -50 Grad Celsius. Deshalb ist die Seefahrt in diesen eisigen Gebieten mit großem technischem Aufwand verbunden. Nautische Geräte müssen hier dauerhaft zuverlässig funktionieren. Die russische Firma Technomarin aus St. Petersburg, die auf die Entwicklung und Produktion von Funknavigationsausrüstungen für die See- und Luftfahrt spezialisiert ist, nutzt zur Verkabelung ihrer Leuchtfeuer und Navigationssysteme in der Arktis ausschließlich Produkte von Lapp: „Da wir unsere Ausrüstungen angesichts der extremen Einsatzorte höchstens alle ein bis zwei Jahre warten können, brauchen wir sehr hochwertige und zuverlässige Kabel. Deshalb haben wir uns für Lapp entschieden“, erklärt der Leiter von Technomarin. Das Unternehmen braucht insbesondere auch Kabel, die einfach zu installieren sind. Sie werden zum Anschluss von Solarsystemen, Batterien und Power-Modulen für die Leuchtfeuer und Navigationssysteme verwendet.
Ein Beispiel findet sich in der Meerenge Jugorstraße zwischen Karasee und Barentssee im Norden Russlands: Dort ist ein Windgenerator mit automatischem Schmiersystem, Solarmodulen, ein Akkumulatorsatz, ein Rundum-Positionslicht und ein Gerät, das es erlaubt, Schiffe und Flugzeuge bei Notfällen schneller zu finden, mit Kabeln von Lapp ausgestattet. Ähnliche nautische Ausrüstungen wurden in der Nähe von Dikson, Ausgangspunkt vieler Polarexpeditionen, oder für die Deckpeilungsbake in der Nähe des Hafens Tiksi an der Nordpolarmeerküste installiert.
Für diese extremen Einsatzorte wurden Kabel der Serie „Ölflex Heat“ verwendet. Diese Leitungen kommen nicht nur mit Hitze gut zurecht, sie sind vielmehr Alleskönner in den extremen Temperaturbereichen. Die Heat 180 EWKF beispielsweise ist eine Silikonleitung mit erhöhter mechanischer Festigkeit. Sie zeichnet sich durch gute Hydrolyse- und UV-Beständigkeit sowie Beständigkeit gegen eine Vielzahl von Ölen, Alkoholen, pflanzlichen und tierischen Fetten und anderen chemischen Substanzen aus und hält Temperaturen bis zu -50 Grad Celsius aus, was für den Einsatz in der Arktis am Wichtigsten ist. Im Vergleich zu herkömmlichen Silikonleitungen weist sie eine längere Lebensdauer im rauen Einsatz auf. Kerb- und einreißfeste Silikonmischungen reduzieren Beschädigungen durch mechanische Einwirkung und durch die Verwendung spezieller Additive in EWKF Silikon kann sogar teilweise auf armierte Leitungsversionen verzichtet werden.
Ihre gute Flexibilität vereinfacht die Verlegung bei limitierten Platzverhältnissen und nach der Beflammung zurückbleibendes SiO2-Aschegerüst besitzt isolierende Eigenschaften.
Wenn noch niedrigere Temperaturen zu erwarten sind, verwendet Technomarin die Heat 205 SC. Diese Leitung eignet sich für Temperaturen bis -100 Grad Celsius und funktioniert auch in aggressiven chemischen Medien zuverlässig. Sie hat eine hohe Durchschlags- und Verschleißfestigkeit, Reißfestigkeit und ist beständig gegenüber Hydraulikflüssigkeiten und Mikroben.
Es handelt sich um eine Aderleitung aus Fluorethylenpropylen (sprich: FEP), das heißt, das Isoliermaterial ist aus Teflon. Dieses Material ermöglicht den extremen Temperaturbereich. Darüber hinaus hat FEP sehr gute Eigenschaften im Blick auf die Beständigkeit gegen UV-Licht, Öle und andere Flüssigkeiten.
Für die Außen-Verkabelung der Positionslichter vertraut Technomarin auf Heat 180 SiF mit Litzenleitern und einer Temperaturbeständigkeit von -50 Grad bis +180 Grad Celsius. Herkömmliche Aderisolierwerkstoffe würden bei den extremen Temperaturschwankungen in der Arktis nach kurzer Zeit verspröden. Die Isolation auf Silikon-Basis ist bestens gewappnet und schützt gegen eine Vielzahl chemischer Substanzen.

Robuster Außenmantel

Für Unternehmen der Öl- und Gas-Industrie oder des Bergbaus besteht die Möglichkeit, diese Leitungen mit einer zusätzlichen Armierung zu versehen, um einen erhöhten mechanischen Schutz zu gewährleisten. Darauf hat sich Camuna Cavi in Italien, ebenfalls ein Unternehmen der Lapp Gruppe, spezialisiert. jbi |

Irmgard Nille ist freie Journalistin aus Hamburg.

  • Die russische Firma Technomarin aus St. Petersburg verdrahtet Leuchtfeuer und Navigationssysteme in der Arktis mit Lapp-Kabeln.
  • Ölflex-Heat-Leitungen kommen nicht nur mit Hitze, sondern auch tiefen Temperaturen gut zurecht.
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