27.09.2021 – Kategorie: Unternehmen & Events

Digitalisierung der Industrie: Wie ein CEO aus dem Mittelstand den Fortschritt beurteilt

Digitale Transformation
Captron Electronic ist ein mittelständischer Hersteller kapazitiver sowie optischer Sensoren mit Hauptsitz im oberbayerischen Olching. Am 1. Januar 2021 wurde Philip Bellm zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen und setzt damit…

Wir sprachen mit dem neuen CEO über seine Ziele und die Digitalisierung der Industrie. Die Fragen stellte Rainer Trummer, Chefredakteur Digital Engineering Magazin.

Herr Bellm, Sie sind seit Januar CEO bei Captron. Was sind die Hauptprodukte Ihres Unternehmens und an welche Zielgruppe wenden sie sich?

Philip Bellm: Seit über 35 Jahren agieren wir als Pionier für hochwertige, innovative Sensortechnologie. Mit dem Fokus auf die enge Verknüpfung von Software und Hardware entwickeln und produzieren wir kapazitive und optische Sensoren sowie komplette Sensorsystemen. Wir adressieren die Herausforderungen eines vielfältigen Kundenstamms – vom Kleinunternehmen über den Mittel­ständler bis zum Global Player. Unsere Kernbranchen sind Mobilität und Infrastruktur sowie Fertigung und Logistik.

Welche Ziele haben Sie sich als Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO gesetzt?

Bellm: Wir möchten Captron als nachhaltigen Anbieter für umfassende Lösungen aus Hardware und Software etablieren und streben ein globales Wachstum an, besonders in unseren Kernmärkten Europa, Nordamerika und China. Diese Punkte sind auch in unserer Fünf-Jahres-Strategie verankert, die auf drei Schwerpunkten beruht: Digitalisierung, Globalisierung und Customer Centricity. Aus Sicht der Unternehmenskultur ist unser zentrales Ziel, die Begeisterung, Sicherheit und Zufriedenheit aller Captron-Mitarbeiter weltweit zu fördern.

Welche Rolle spielen digitale ­Lösungen für Captron sowie die Verknüpfung von Hard- und Software?

Bellm: Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Lösung nicht einfach bei der Hardware endet. Darum haben wir ein eigenes Software-Kompetenzzentrum gegründet, in dem wir unsere Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorantreiben. So schaffen wir mehr Wertschöpfung und einen höheren ROI für unsere Kunden: Über IO-Link etwa können Anwender unsere Taster nahtlos in ihre vernetzte Umgebung einbinden und erhalten die Flexibilität, Parameter frei für ihre speziellen Anforderungen zu konfigurieren. Mit den passenden Software-Tools lassen sich unsere Sensoren für Diagnose- und Analysezwecke und Predictive Maintenance einsetzen.

Digitalisierung der Industrie
Wechsel an der Unternehmensspitze von Captron: Im Januar 2021 hat Philip Bellm den Vorsitz der Geschäftsführung als CEO übernommen. Bild: Captron

Wie weit sind Ihrer Meinung nach mittelständische Unternehmen in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0?

Bellm: Eine wirkliche Industrie 4.0 ist meiner Meinung nach bisher nur bei einigen Großunternehmen beziehungsweise Konzernen und einem Bruchteil aller deutschen Betriebe zu finden – hier sind wir wahrscheinlich im kleinen einstelligen Prozentbereich. Der Mittelstand befindet sich zum Großteil noch in der Industrie 3.0. Für viele Unternehmen sind IIoT und der Schritt in die Cloud noch undenkbar – teils aus Kostengründen oder aufgrund des Fachkräftemangels im Betrieb. Kleinere Transformationsprojekte hingegen stemmen kleine und mittelgroße Unternehmen durch Förderprogramme der Länder, wie den Digitalbonus in Bayern.

Inwiefern hat die Corona-Pandemie die digitale Transformation bei den Unternehmen beeinflusst?

Bellm: Die Ereignisse im vergangenen Jahr haben sicher nicht bei jedem Unternehmen für einen direkten Digitalisierungsschub oder eine neue Priorisierung von Projekten und Budgets gesorgt. In jedem Fall aber hat die Krise das allgemeine Bewusstsein gegenüber der digitalen Transformation geschärft. Spätestens jetzt hat auch das traditionellste Unternehmen erkannt, dass die Digitalisierung im Betrieb nicht nur Wettbewerbsvorteile bringt, sondern für die Zukunftsfähigkeit auf dem Markt ein absolutes Muss ist.

Was sind die wichtigsten Trends bei Sensoren und Sensorsystemen?

Bellm: In Produktionshallen halten verstärkt kapazitive Taster im hygienischen Design Einzug, die dank sehr kurzer Betätigungszeit das Übertragungsrisiko von Bakterien oder Viren minimieren. Nächste Stufe in der Entwicklung sind Lösungen, die sich komplett berührungslos aktivieren lassen. Pick-by-Light-Systeme, die ursprünglich für die beleglose Kommissionierung entwickelt wurden, können dabei helfen, Produktionsfehler effizient zu erkennen.

Herr Bellm, vielen Dank für das Gespräch!

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