Wenn jedes Bauteil zählt, ist Chaos keine Option. Digitale Rückverfolgbarkeit avanciert vom Nebenschauplatz zur entscheidenden Disziplin – und zur strategischen Herausforderung.
Wie gelingt digitale Rückverfolgbarkeit trotz Komplexität? Neue Strategien für Produktdaten-Management im Zeitalter wachsender Regulierung sind gefragt.
Warum sind Durchgängigkeit und Transparenz von Produktdaten aktuell so relevant? Ein wesentlicher Treiber sind gesetzliche Vorgaben, die jedes produzierende Unternehmen erfüllen muss. Darüber hinaus spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine zentrale Rolle – etwa die Steigerung von Effizienz und Qualität. Besonders bei der Rückverfolgbarkeit zeigt sich die Bedeutung durchgängiger Produktdaten: Sie betrifft nicht nur unternehmensinterne Informationen, sondern erstreckt sich über die gesamte Lieferkette. Stichworte wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder der Digitale Batteriepass machen deutlich, wie stark regulatorische Anforderungen zunehmen.
Die Rückverfolgbarkeit beginnt bereits in der frühen Phase der Produktentwicklung und reicht bis zur Wiederverwendung oder dem Recycling eines Produkts. Doch was genau versteht man unter Rückverfolgbarkeit – und vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der praktischen Umsetzung?
Komplexe Auswirkungen nachverfolgen
Um ein Produkt zu entwickeln, werden verschiedenste Anforderungen definiert. Diese Anforderungen stammen oft aus verschiedenen Quellen wie Kundenwünschen, gesetzlichen Vorgaben, technischen Spezifikationen und internen Qualitätsstandards. Je komplexer das Produkt ist, desto mehr Anforderungen sind notwendig und desto komplexer werden deren Verknüpfungen. Da sich die Anforderungen immer wieder ändern können, sei es durch neue Regularien oder Kundenwünsche, ist es notwendig, die Auswirkungen dieser Änderungen nachverfolgen beziehungsweise vorhersagen zu können. Und das über alle Verknüpfungen hinweg.
Die meisten Lösungen für diese Herausforderungen setzen bei Änderungen einen „Suspekt“-Indikator. Dieser Indikator zeigt an, welche Elemente überprüft werden müssen, um sicherzustellen, dass alle betroffenen Bereiche korrekt angepasst werden. In der Theorie und bei einfachen Produkten, bei denen eine Anforderungsänderung nur ein Produkt betrifft und es kaum Verknüpfungen gibt, eine sinnvolle Vorgehensweise. Doch wie sieht es in der Praxis bei komplexen Produkten und Produktstrukturen aus?
Change-Management lässt sich für jegliche Art von Änderung anwenden, um nur wirtschaftlich sinnvolle Änderungen durchzuführen und unnötige Aktivitäten zu verhindern.
(Bild: Transition Technologies PSC Germany)
In der Realität sieht vieles anders aus
Grade bei komplexen Produkten mit aufwendiger Software kann das Verhältnis von Anforderungen zu Bauteilen 1.000:1 und mehr betragen. Bei einer Änderung an einer Anforderung entsteht ein Schneeballeffekt: An jedem der verknüpften Elemente ist ein „Suspekt“ Marker zu finden. Das hat zur Folge, dass eine unüberschaubare Anzahl von Markern in der Produktstruktur auftauchen. Wie soll eine Entscheidung zur Freigabe erfolgen? Oft werden in diesem Fall die Freigabeentscheidungen basierend auf den Erfahrungen der Verantwortlichen getroffen und die Marker ignoriert. Alternativ könnten die Anforderungen indirekt mit dem Produkt verknüpft werden (beispielsweise über die Funktionsarchitektur). Damit werden erst nach der Bearbeitung der „Suspekt“ Marker in den Zwischenschritten diese in der Produktstruktur sichtbar. In der Theorie ein logisches Vorgehen. In der Praxis ergibt sich jedoch ein Volumeneffekt, der eine zeitnahe Bearbeitung unmöglich macht. Dies kann aufgrund fehlender Informationen zu Fehlproduktionen kommen. Es ist also nicht sinnvoll, unstrukturiert möglichst viele „Suspekt“ Marker zu setzen, um ja keine Verknüpfung und Auswirkung zu übersehen. Vielmehr es ist entscheidend, die Abhängigkeiten anhand von Strukturen zu verstehen und zu berücksichtigen, um dann gezielt an den richtigen und notwendigen Positionen die Marker zu positionieren.
Präzision anstatt Rundumschlag
Wie erfolgt der Umgang mit Änderungen in Stücklisten? Wenn beispielsweise eine Schraube, die in vielen Produkten eingesetzt wird, verändert werden soll (etwa ein neuer Lieferant mit leicht abweichender Unterkopfform), wird nicht einfach die Schraube geändert und dann in allen Stücklisten ein „Suspekt“ Marker erzeugt. Das würde bedeuten, dass bei der Herstellung aller betroffenen Produkte geprüft werden müsste, ob jedes Produkt mit allen geänderten Bauteilen noch freigegeben ist oder ob eine neue Freigabe mit Tests erfolgen muss. Zusätzlich können Änderungen in den Anforderungen erhebliche Kosten verursachen, die erst im Gesamtkontext des Produktes spät in der Umsetzung sichtbar werden.
Change-Management lässt sich für jegliche Art von Änderung anwenden, um nur wirtschaftlich sinnvolle Änderungen durchzuführen und unnötige Aktivitäten zu verhindern. Für ein effektives Change-Management ist es zwingend notwendig, die Verknüpfungen der Anforderungen zu beachten. Durch die strukturierte Vorgehensweise werden die Auswirkungen frühzeitig sichtbar, und es kann entschieden werden, ob die Änderung akzeptiert werden kann. Nach der Annahme der Änderung werden die notwendigen Anpassungen definiert, geplant und dann gesteuert umgesetzt.
Durchgängige Produktdaten als Fundament
Jeder weiß: Gute Entscheidungen basieren auf soliden Informationen. Um einen geregelten Prozess effizient durchführen zu können, ist es unumgänglich, alle produktrelevanten Informationen logisch miteinander zu verknüpfen. Dadurch besteht die Möglichkeit, mit geeigneten IT-Lösungen ein ganzheitliches Änderungsmanagement durchzuführen. Dabei ist es wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen, um den Punkt zu erkennen, ab wann eine Änderung keine Auswirkungen mehr auf die folgenden Daten hat. Eine mögliche Kette an Informationen ist in der Grafik weiter oben dargestellt.Durch eine solche logische Informationskette sind Ursachen bei Problemen schnell gefunden und es können die Auswirkungen von möglichen Abstellmaßnahmen effizient bewertet werden. Selbst komplexe Änderungen, wie der Austausch einer Standardschraube mit über 10.000 aktiven Verwendungen, lassen sich effizient Durchführen ohne Überlastung von Mitarbeitern.
Stand: 16.12.2025
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Wiederverwendung steigern durch digitale Rückverfolgbarkeit
Neben den Bereichen Qualitätswesen und Änderungsmanagement eröffnen sich durch einen logischen und strukturierten Digitalen roten Faden erhebliche Vorteile bei der Entwicklung neuer Produkte. Bereits bei der Analyse eines Lastenhefts können ähnliche Anforderungen aus bestehenden Produkten identifiziert werden, anhand derer bestehende Daten aus allen Bereichen wie System-, Elektronik-, Elektrik-, Mechanik-, Softwareentwicklung wiederverwendet werden können. Hierdurch wird die notwendige Suche nach neuen Lösungen reduziert und die Wiederverwendung von Bauteilen und deren Testergebnissen erhöht.
Bereits bei der Analyse eines Lastenhefts können ähnliche Anforderungen aus bestehenden Produkten identifiziert werden.
(Bild: Transition Technologies PSC Germany)
Rückverfolgbarkeit: Ein Muss für jedes Unternehmen
Die Digitale Rückverfolgbarkeit ist zwingend notwendig, um die Auswirkungen von Änderungen an einem Produkt erkennen und ganzheitlich beachten zu können. Dabei kommt es darauf an, dass die Auswirkungen auf die Produkte präzise und schnell für die notwendigen Entscheidungen gekennzeichnet werden. Deshalb ist es unerlässlich, dass eine auf die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens zugeschnittene Definition des Digitalen roten Fadens vorliegt. In dieser wird festgelegt, welche Informationen wie verknüpft werden sollen, um sie dann sinnvoll nutzen zu können. Werden Verknüpfungen ohne Konzept aufgebaut oder nicht gepflegt und aktualisiert, sind diese am Ende nicht nutzbar. Mit einem durchdachten Konzept sind sie ein unglaublich großer Schatz an Wissen, das jedem Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen wird.
Zu diesen Vorteilen gehört die Erfüllung von Auditvorgaben genauso wie die gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit, wenn zeitaufwendiges Suchen nach Informationen wegfällt und die Mitarbeiter sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Produkte können wirtschaftlicher und in höherer Qualität angeboten werden. Am Ende stehen eine höhere Kundenzufriedenheit und ein maximierter Kundennutzen. Die Digitale Rückverfolgbarkeit ist nicht nur ein Segen, sondern ein Muss für jedes Unternehmen.