Digital in die Zukunft − Schritt für Schritt

Die Medizintechnikfirma Ypsomed AG in der Schweiz setzt als Basis für ihre digitalen Prozesse und integrierten Produktdaten SAP PLM sowie die Integrationsplattform Engineering Control Center (ECTR) ein. Das garantiert Prozesssicherheit, erleichtert die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und ermöglicht, schneller auf Markt­anforderungen zu reagieren. Darüber hinaus eröffnen sich Wege in Richtung IoT.

Ypsomed ist ein weltweit führender Anbieter von Injektionssystemen zur Selbstmedikation mit Fokus auf Diabetes. In der digitalen Strategie des Unternehmens spielen Produktdaten eine zentrale Rolle. Denn digitale Prozesse sind nur effizient, wenn auch die nötigen Daten digital vorliegen – und zwar in geeigneter Form. SAP PLM bietet die Grundfunktionen zum Organisieren von Daten. Mit Engineering Control Center (ECTR) hat das Unternehmen 2015 die Konstruktion an das SAP-System angebunden und 2016 mit dem Zusatzmodul ­Factory Control Center (FCTR) seinen Werkzeugbau. „Die Software von DSC fanden wir ideal, weil sich damit auch individuelle Lösungen einfach, schnell und wirtschaftlich umsetzen lassen. Zudem bieten ECTR und FCTR den Anwendern eine leistungsstarke, ergonomische und intuitive Oberfläche. Hinzu kommt, dass DSC uns seit langem als Umsetzungspartner zur Seite steht – von der Bedarfsanalyse und Konzeption über die Entwicklung und Implementierung bis hin zu Schulung und Support. Und das hat sich ausgezahlt“, meint Fernand Portenier, Head of IT-Services & SAP bei der Ypsomed AG.

Integrierte DMS-Lösung als Ansatz

Ein integriertes Dokumentenmanagement war bei dem Schweizer Medizintechnikunternehmen der erste notwendige Digitalisierungsschritt. Denn Dokumente sind das A und O in einem Betrieb. „Um Prozesse verlässlich damit versorgen zu können, mussten die Dokumente erst einmal im SAP-System vorliegen“, erläutert Fernand Portenier. Über Business-Objekte wie Material, Arbeitsplan, Equipment oder technischer Platz lassen sich den Dokumenten Prozesse zuordnen (Beschaffung, Fertigung, Instandhaltung usw.). So kann jeder Beteiligte aus seinem Prozess heraus alle notwendigen Informationen abrufen. Über die Business-Objekte lassen sich Doku­mente auch organisieren und klassifizieren, was ein schnelles und gezieltes Auffinden ermöglicht. Gleichzeitig sorgt der SAP-Änderungsdienst für ein kontrolliertes Gültigkeitsmanagement. Ein weiterer entscheidender Vorteil: Physisch sind Dokumente im SAP-System nur einmal vorhanden, über Referenzen jedoch vielfach in ganz unterschiedlichen Prozessen nutzbar.

Effizientere Produktentwicklung

Als Erstes hat Ypsomed mit ECTR seine CAD-Systeme in SAP PLM integriert. Seitdem werden CAD-Modelle, Zeichnungen und Materialstücklisten automatisch im SAP-System gespeichert. Die Konstrukteure haben damit Zugriff auf alle benötigten SAP-Daten und -Funktionen – direkt im CAD-System sowie in der ECTR-Oberfläche. Die Dokumente lassen sich leicht verwalten, inklusive Stamm-, Struktur- und Metadaten.
Dadurch lässt sich der Reifegrad von ­Dokumenten ebenso einfach verfolgen wie Versionen, Gültigkeiten, Freigabestände und Historie. Im Ordnerbaum können die Konstrukteure über CAD-Dokumente ganze Produktstrukturen abbilden und die Detailfenster zeigen zugehörige Business-Objekte, Klassifizierungsmerkmale und viele weitere Detailinformationen.
Projektbeteiligte haben so eine detaillierte, stets aktuelle Gesamtsicht auf ihr Produkt. Dies vereinfacht neben dem Status- und Release-Management auch Teamwork, Abstimmung und Validierung. „Zudem konnten wir vieles automatisieren, zum Beispiel das Ableiten von Materialstücklisten. Das führte zu schnelleren Abläufen und verlässlicheren Konstruktionsfreigaben“, resümiert Fernand Portenier.
Als Medizintechnikfirma unterliegt ­Ypsomed strengen Vorgaben und umfangreichen Dokumentations- und Nachweispflichten, denen das Unternehmen jetzt leichter nachkommen kann. Zum Beispiel ließ sich die vorgeschriebene Design-Kontrolle in den digitalen Freigabeprozess einbinden, sodass jede Design-Freigabe eine signaturgestützte Autorisierung voraussetzt. Die geforderten Produkthauptakten (Device-Master-Record, DMR) können direkt aus der Produktstruktur und -konfiguration abgeleitet werden.
Auch die Produktentstehungsakten (Device-History-Record, DHR) lassen sich aus Transaktionsdaten und ERP-­Reports automatisch generieren. Die integrierte Lösung garantiert zudem aufgrund des geschlossenen, validierten Systems (spezifiziert, getestet, ­dokumentiert) und digitaler Signa­turen einen verlässlichen Prüfpfad. Schon die ersten umfassenden FDA-Inspektionen (Level-2-Audits) haben die Wirksamkeit der integrierten Lösung belegt.

Leichterer Qualitätsnachweis

Die Spritzgusswerkzeuge fertigt das Unternehmen weitgehend selbst. Früher war der Werkzeugbau nicht an das SAP-System angebunden, die Fertigungsplanung erfolgte mittels Tabellenkalkulation. In einer umfangreichen Excel-Tabelle erstellten die Planer einen Arbeitsplan mit allen zugehörigen Arbeitsvorgängen. Nach Erledigung wurde der Arbeitsplan vom Werker grün markiert und die Fertigungszeiten manuell im SAP-System erfasst. Dieses Vorgehen war nicht nur für alle Beteiligten zeitaufwändig, sondern erschwerte auch eine effiziente Planung und Steuerung.
Damit Ypsomed SAP-Potenziale und Auto­matisierungsoptionen in der Fertigungsplanung nutzen kann, hat man ECTR um das Zusatzmodul Factory Control Center (FCTR) erweitert. Zur Lösung gehört unter anderem eine grafische Plantafel, die DSC extra für das Unternehmen entwickelt hat – mit vielen Wunschfunktionen: von der integrierten Kapazitätsplanung über Optimierungsmöglichkeiten für die finite Feinplanung bis hin zu Automatismen wie Massenanlage von Material und Fertigungsaufträgen. Die Plantafel zeigt alle Plan- und Fertigungsaufträge im Überblick und ist in die intuitive FCTR-Oberfläche eingebettet. Diese bildet Fertigungsaufträge mit allen zugehörigen Dokumenten und Arbeitsvorgängen strukturiert in Ordnern ab, einschließlich Statusanzeige. Somit hat der Planer alle wichtigen Informationen an einer Stelle verfügbar. Er ruft die CAD-­Dokumente ab, materialisiert sie und erzeugt Fertigungsaufträge für die Planung, die mithilfe der grafischen Plantafel erfolgt. Dank der Arbeitsplatzschichtpläne sieht er sofort im SAP-System, ob Kapazitäten frei sind und kann über Mehrarbeit, Terminverschiebungen oder externe Auftragsvergabe entscheiden. Die automatische Statusverfolgung ermöglicht, die Arbeiten bequem zu überwachen – bis hin zu IST-Zeiten und Stückzahlen, die die Werker in FCTR erfassen. Dies ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgung, denn alle auftragsbezogenen Daten liegen im SAP-System vor und werden zusammenhängend verwaltet.

Zukunftsorientierter Ausbau als nächster Schritt

Demnächst möchten die Schweizer mit ECTR auch MS Office in SAP PLM integrieren. Außerdem plant man, von SAP ERP auf das cloud-fähige SAP S/4HANA zu wechseln, um so IoT-Potenziale nutzen zu können. Deshalb will Ypsomed von ECTR auf SAP ECTR umsteigen, das SAP S/4HANA unterstützt. Durch die zukunftsfähige Plattform eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, zum Beispiel die Cloud-Anbindung der Produkte, die dann Live-Betriebsdaten liefern. Diese lassen sich gezielt zuordnen und interpretieren – dank eines digitalen Zwillings des realen Produkts, der sich mit SAP ECTR abbilden lässt. Dadurch erhält man wertvolle Einblicke in das Produkt- und Anwenderverhalten sowie kausale Zusammenhänge: etwa bei Kurzzeitausfall einer Insulinpumpe nach langer Hitzeexposition des Patienten.
Auch das Servicecenter soll von Live-­Betriebsdaten profitieren. Ypsomed möchte dort 3D-Viewables der Produkte bereitstellen, die zufließende Live-Betriebsdaten direkt zur betroffenen Gerätekomponente anzeigen. Mögliche Fehler lassen sich so in Echtzeit lokalisieren und die Fehlerursachen in der Regel schnell finden.

Patientenversorgung verbessern

Auf Basis von IoT kann das Unternehmen Produkte anbieten, die den Therapieverlauf überwachen und Patienten bei Auffälligkeiten informieren. Möglich sind auch gesundheitsbezogene Warnungen und Vorhersagen anhand gesammelter GPS-, Wetter- und Aktivitätsdaten.
Nach den bisherigen Erfolgen setzt ­Ypsomed den digitalen Kurs fort und ist überzeugt, seiner Verantwortung für Mitarbeiter, Geschäftspartner und Produktanwender gerecht zu werden. Die Digitalisierung ebnet den Weg in eine sichere Zukunft und hilft dabei, die Unternehmensmission umzusetzen: mit innovativen, einfach anwendbaren und zuverlässigen Produkten sowie modernen Versorgungskonzepten, maßgeblich zum Therapieerfolg und zu bestmöglicher Lebensqualität von Patienten beizutragen. (rt)

  • Das Schweizer Unternehmen Ypsomed ent­wickelt und produziert Injektions­systeme für die Selbstme­dikation. Bild: Ypsomed/DSC Software
  • Die FCTR-Ober­fläche ermöglicht einen schnellen Überblick über Fertigungsaufträge und die dazugehörigen Arbeitsvorgänge.Bild: Ypsomed/DSC Software
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