Schon immer „greifen“ Wissenschaftler nach den Sternen und erhoffen sich Erkenntnisse über elementare Fragen unserer Existenz. Vor einigen Jahren haben Forscher aus dem Kooperationsverbund „Sloan Digital Sky Surves“ (SDSS) die erste 3D-Karte des bisher bekannten Universums vorgestellt. Nun soll sie durch spektroskopische Untersuchungen verfeinert werden und neue Erkenntnisse liefern. Roboter und etwa 2.000 bürstenlose DC-Servomotoren helfen dabei.
(Quelle:)
DC-Servomotoren im Einsatz: Mehr als vier Millionen Sterne und rund 300.000 Schwarze Löcher wollen die Wissenschaftler von SDSS-V in den kommenden fünf Jahren beobachten und analysieren. Gesammelt werden die Daten mit zwei Großteleskopen von Apache Point in New Mexico und dem Las Campanas in Chile. „Mit der doppelten Perspektive von der nördlichen und der südlichen Hemisphäre können wir am Himmel in alle Richtungen blicken“, erklärt Jean-Paul Kneib, Professor für Astrophysik an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne in der Schweiz (EPFL).
DC-Servomotoren für bessere Sicht
Dieser „Blick“ fällt zunächst durch optische Fasern in den Teleskopen, die als Lichtempfänger dienen und exakt auf die jeweilige Himmelsposition zeigen. Die hochpräzise Ausrichtung der optischen Einheiten übernehmen pro Teleskop 500 kleine Roboter-Aktoren. Bürstenlose Servomotoren und Präzisionsgetriebe von Faulhaber treiben die jeweils zwei Roboterachsen an. Die optischen Fasern in den Teleskopen lassen sich so exakt auf bestimmte Objekte im Universum ausrichten, um einzelne Sterne oder die leuchtenden Akkretionsscheiben von Schwarzen Löchern gezielt zu beobachten.
Entstehung der schwereren Elemente
Neben der Rekonstruktion der Geschichte der Milchstraße wollen die Wissenschaftler die Entstehung der chemischen Elemente zurückverfolgen und dazu das Innenleben von Sternen entschlüsseln. Auch die Entstehung von Planeten gilt es zu untersuchen sowie viele der offenen Fragen zu beantworten, die es rund um die Schwarzen Löcher immer noch gibt. Eine Kartierung der interstellaren Gasmassen der Milchstraße – tausendmal genauer als bisher – ist ebenfalls geplant. Mit den neuen Erkenntnissen hoffen die Wissenschaftler die „selbstregulierenden Mechanismen galaktischer Ökosysteme“ zu beschreiben „Dafür haben wir die beiden Teleskope schon in bisherigen SDSS-Projekten benutzt. Mit SDSS-V schaffen wir jetzt aber einen echten Quantensprung, was die Effizienz der Beobachtung und die Menge der erhobenen Daten angeht.“
Schnellere Ausrichtung durch DC-Servomotoren schafft neue Möglichkeiten
Für eine Messung werden zunächst die Teleskope in Richtung der Beobachtungsobjekte ausgerichtet. Die präzise ausgerichtete optische Faser nimmt dann einzelne Punkte der Gesamtansicht genauer ins Visier. „Bisher mussten wir für unterschiedliche Beobachtungsaufgaben jeweils spezielle Platten anfertigen lassen. Die Vorbereitung jeder einzelnen Platte dauerte mehrere Wochen. Anschließend wurden die Fasern von Hand in der Platte befestigt – ein sehr aufwändiger und zeitraubender Vorgang“, berichtet Jean-Paul Kneib. Mit der für das SDSS-V entwickelten neuen Technologie dauert die Veränderung der Faserkonfiguration für neue Objekte statt Wochen nur noch höchstens eine Minute. So können die Forscher selbst auf unvorhergesehene kosmische Ereignisse schnell reagieren, um sie von Anfang an gezielt zu untersuchen.
Die kleinen Roboter-Aktoren setzen sich jeweils aus zwei längs angeordneten schlanken Zylindern mit einem gebogenen Fortsatz am vorderen Ende zusammen.
()
Messdaten können Modelle verfeinern
Entdecken beispielsweise andere Teleskope ein Ereignis wie eine neue Supernova kann einer der Aktoren sein optisches Element praktisch ohne Zeitverzug darauf ausrichten. Eine detaillierte Analyse der physikalisch-chemischen Abläufe dieses „Hotspots“ zu einem bislang unerreichbar frühen Zeitpunkt der Supernova-Entwicklung ist also möglich. Die generierten Messdaten können dann mit vorhandenen Theorien abgeglichen werden und die Modelle verfeinern. „Da wir mit der automatischen Ausrichtung enorm viel Zeit sparen, können wir viel mehr Objekte beobachten und entsprechend mehr Einzelmessungen vornehmen“, erläutert Jean-Paul Kneib. „Dieser Effekt wird durch die hohe Präzision noch weiter potenziert. Der Durchmesser der optischen Faser beträgt hundert Mikrometer. Der Durchmesser des Lichtpunktes, der von einem beobachteten kosmischen Objekt im Teleskop auftrifft, ist etwa genauso groß. Je exakter diese beiden kleinen Flächen übereinander liegen, desto mehr Lichtausbeute haben wir für unsere Messungen und desto schneller bekommen wir valide Ergebnisse.“
Optikfaser exakt justiert
Die kleinen Roboter-Aktoren bestehen jeweils aus zwei längs angeordneten schlanken Zylindern mit einem gebogenen Fortsatz am vorderen Ende. Der hintere, dickere Zylinder sitzt in der Detektor-Platte des Teleskops. Er bildet die Alpha-Einheit und dreht die Zentralachse des Roboters. In Achsrichtung ist vorn die Beta-Einheit exzentrisch montiert. Sie bewegt die jeweils drei Faserspitzen ebenfalls auf einer Kreisbahn: für das Licht im sichtbaren, das Licht im infraroten Spektrum und die Kalibrierfaser im gebogenen Fortsatz. Die beiden axialen Bewegungen durch die DC-Servomotoren können so zusammen die optischen Faserspitzen innerhalb einer runden Fläche beliebig auf fünf Mikrometer genau positionieren. Die Kreise, die die Roboter abdecken, überschneiden sich teilweise mit den Kreisflächen der Nachbarn. So lässt sich im Erfassungsbereich des Teleskops jeder Punkt am Himmel automatisch anpeilen.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Hohe Genauigkeit durch ausgeklügelte Mechanik
Für die hohe Genauigkeit sorgen die Motoren und Getriebe von Faulhaber sowie die eigens für diese Anwendung entwickelte Mechanik, die von der Faulhaber-Tochter MPS stammt. Beide Roboterachsen werden von bürstenlosen DC-Servomotoren mit 12- und 6-Millimeter-Durchmesser angetrieben, aus der Serie 1218 B für die Alpha- und 0620 B für die Beta-Achse. Passende Planetengetriebe übertragen Drehzahl und Drehmoment in die Robotermechanik. Integrierte Encoder melden jeweils die genaue Drehposition der Motoren an die Steuerung. „Um die geforderte Präzision zu erreichen, mussten wir das Spiel im System beseitigen“, erläutert Stefane Caseiro, der bei MPS für das Design der Mechanik verantwortlich war. Dafür ersetzten die Ingenieure unter anderem die übliche Kupplung zwischen den Getriebeschäften und den mechanischen Achsen des Roboters durch Klemmverbindungen. Eine Druckfeder sorgt für eine Grundlast, um das Getriebe spielfrei zu machen. „Allein die passende Feder zu finden hat mehrere Monate gebraucht“, erinnert sich der MPS-Ingenieur.
„Es gibt auf der ganzen Welt nicht mal eine Handvoll Hersteller, die Kleinstmotoren in der geforderten Qualität und Haltbarkeit produzieren können“, sagt Astrophysiker Kneib. „Faulhaber stand selbstverständlich mit auf der kurzen Liste der Firmen, die wir um ein Angebot baten. Mit MPS hatten wir schon bei einem früheren Projekt erfolgreich zusammengearbeitet.
Der Autor Diplom-Ingenieur (BA) Andreas Seegen ist Leiter Marketing bei Faulhaber. Autorin Ellen-Christine Reiff, M.A., Mitarbeiterin im Redaktionsbüro Stutensee.