Low-Code-Plattformen versprechen eine einfache Anwendungsentwicklung ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse. Mindestens die Hälfte der Zeit lässt sich mit der Technologie einsparen. Durch die fortschreitende Automatisierung wird in Zukunft sogar noch mehr möglich sein.
(Bild: TenPixels/AdobeStock)
Je schnelllebiger eine Branche, desto kürzer ihre Entwicklungszyklen. Durch den digitalen Wandel kommen ständig Innovationen auf den Markt, die Anpassungen erfordern. Die Notwendigkeit, in einem zunehmend vernetzten Ökosystem wettbewerbsfähig zu bleiben, sowie erhöhte regulatorische Anforderungen, veranlassen Unternehmen, ihre Entwicklungsprozesse von der Idee bis zur Markteinführung zu beschleunigen. Das bringt Herausforderungen mit sich. Um zuverlässig liefern und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, müssen Prozesse digitalisiert und Lieferketten stabilisiert werden. Wer das nicht tut, steht bei den engen Zeitplänen im Falle unvorhergesehener Störungen vor einem massiven Problem.
Low-Code-Plattformen: ROI um bis zu 35 Prozent steigern
Dass die digitale Transformation der Schlüssel zum Erfolg ist, haben viele Unternehmen erkannt. Dennoch fehlen ihnen oft die nötigen Ressourcen, um mit den rasanten Markteinführungszeiten mitzuhalten. Hier kommt Low Code ins Spiel. Die Technologie sorgt für eine erheblich verkürzte Zeit, die für die Entwicklung einer nutzerfreundlichen Anwendung benötigt wird, und macht den Prozess insgesamt deutlich einfacher. Rückstände können dadurch zügig aufgeholt und Innovationen besser umgesetzt werden. Zudem werden Unternehmen agiler und flexibler.
„Studien zeigen, dass nur ein Drittel der Unternehmen die digitale Transformation erfolgreich meistern. Hier ist die Einführung von Low Code-Plattformen von entscheidender Bedeutung, da sie konsistente Ergebnisse liefern und eine risikoarme Wachstumsstrategie unterstützen“, sagt Sachin Vijan, CTO und Experte für Low Code bei Nagarro, eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Digital Engineering. Schätzungen zufolge kann allein die Zeit bis zur Entwicklung eines Prototypen durch Low Code um bis zu 66 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig lassen sich die meist sehr hohen Kosten, die für herkömmliche Entwicklungen anfallen, deutlich senken. Das liegt auch an den geringeren Vorabinvestitionen in Schulung und Bereitstellung. Der ROI wiederum kann um bis zu 35 Prozent gesteigert werden.
Automatisierter Ansatz entlastet Mitarbeiter
Dank des automatisierten Ansatzes für die Anwendungsentwicklung ermöglicht Low Code sogar Mitarbeitenden mit nur minimalen Programmierkenntnissen und technischem Wissen die Entwicklung von Anwendungen. Dadurch können sich die Experten im Unternehmen auf anspruchsvollere Projekte konzentrieren und die IT insgesamt wird entlastet. „Low Code-Plattformen sind ein geeignetes Mittel bei Fachkräftemangel, da sie den Bedarf an spezialisierten Entwicklern reduzieren. Das gilt allerdings nicht für komplexe oder stark individualisierte Anwendungen – da ist das Fachwissen professioneller Low Code-Entwickler unerlässlich. Outsourcing kann in dem Fall den Zugang zu Talenten ermöglichen“, so Sachin Vijan.
Die Anwendungsfälle von Low Code sind vielfältig und für nahezu alle Branchen interessant. Am häufigsten wird die Technologie zur Erfassung und Verwaltung von Formularen und Daten sowie zur Workflow- und Prozessautomatisierung genutzt.
Doch es sind auch komplexere Anwendungen möglich, zum Beispiel die Optimierung der Rohstoffverwaltung. Mit dem 3D-Druck haben Fertigungsunternehmen eine Lösung gefunden, um Komponenten leicht, flexibel im Design, kosteneffizient und umweltfreundlich herzustellen, auch in Kleinserien. Die erfolgreiche Optimierung des 3D-Druckverfahrens bleibt jedoch eine der größten Herausforderungen. Das gilt speziell für die Steuerung von 3D-Rohstoffen. Rohstoffe für den 3D-Druck werden in vielen Unternehmen nach wie vor manuell verwaltet. Das bedeutet ein hohes Arbeitspensum für die Mitarbeitenden, denn sie müssen mehrere Aufträge bearbeiten, die aus unterschiedlichen Systemen eingehen. Sie müssen das Rohmaterial händisch verarbeiten, verladen, mischen, entladen, manuelle Qualitätsprüfungen durchführen, recyceln – und die Informationen anschließend in das System übertragen. Dieser ineffiziente Prozess führt in der Regel zu längeren Produktionszyklen, geringeren Recycling-Möglichkeiten, erhöhter Materialverschwendung und einer verzögerten Anpassung des Produkts an die Nachfrage des Marktes.
Hier kann die Entwicklung von Low Code-Apps helfen. Mit einer passenden Anwendung für das Rohstoffmanagement kann das 3D-Pulvermanagement vollständig digitalisiert werden, von der Verwaltung des Rohstoffs über die Verwendung in der Fabrik bis hin zum Recycling des Materials und der Verfolgung der Materialqualität. Sowohl die Web- als auch die Mobilversion ermöglichen eine nahtlose und optimierte Bearbeitung von Aufträgen. Die Funktion zum Scannen von Barcodes holt gesammelte Informationen über das in den einzelnen Behältern verbrauchte Rohmaterial und deren nächste Schritte ein. Dadurch können Daten über das Material in Echtzeit gewonnen und unmittelbar ausgewertet werden. „Unsere Erfahrung zeigt, dass der Einsatz von Low Code-Technologien zur Anwendungsentwicklung manuelle Tätigkeiten stark reduzieren kann und gleichzeitig Prozesse effizienter macht. Ein Beispiel: Wir haben für einen Automobilhersteller in den letzten zwei Jahren über 30 Anwendungen entwickelt – dies hat zu Einsparungen von mehr als 1,3 Millionen Euro pro Jahr sowie verbesserten Ergebnissen und einer gesteigerten Produktivität im gesamten Betrieb geführt“, sagt Sachin Vijan.
Stand: 16.12.2025
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Low Code erfolgreich implementieren
Unternehmen, die Low Code für die Produktentwicklung nutzen wollen, sollten zunächst ihre geschäftlichen Herausforderungen analysieren und potenzielle Digitalisierungsbereiche identifizieren. Anschließend geht es um die Wahl der Anwendungen und Plattformen. Hier stehen zahlreiche Anbieter wie Mendix, OutSystems, Microsoft Power Plattform, Salesforce und ServiceNow zur Verfügung, die auf ihr Angebot an Tools und Funktionen rund um Prozessautomatisierung hin verglichen werden müssen. „Unsere Empfehlung an Unternehmen ist, einen Ideenworkshop durchzuführen, eine übergeordnete Roadmap zu erstellen und schnell einen ersten Prototypen zu entwickeln. Das ist mit einem geringen Risiko verbunden, zeigt aber direkt die Potenziale von Low Code, wie optimierte Arbeitsabläufe und eine erhöhte Mitarbeiterproduktivität, auf“, meint Sachin Vijan.
Solche Pilotprojekte eignen sich auch, um Stakeholder zu überzeugen: sie erkennen dann direkt, welche Mischung an Plattformen die besten Kosten-Nutzen-Vorteile hinsichtlich wichtiger Geschäfts- und IT-KPIs bringt. Anschließend kann der Fokus auf die Skalierung gerichtet werden. Die Grundlage ist eine klare Strategie, wie Low Code in bestehende Systeme und Prozesse integriert werden kann. Weitere Aspekte sind: Eine Umgebung zu schaffen, in der IT- und Fachabteilungen gut zusammenarbeiten können, Best Practices festzulegen, ein Governance-Framework zur Verwaltung des Entwicklungslebenszyklus zu erstellen sowie Mitarbeitende zu schulen.
Wer einen Schritt weiter gehen will, integriert fortschrittliche Lernfunktionen und Technologien wie IoT, Blockchain und Augmented und Virtual Reality. In der Fertigung lassen sich damit zukunftsweisende Anwendungen in den Bereichen Auftragsplanung und -verwaltung, Produktionsprozesse, Lieferkettenmanagement und Qualitätsmanagement realisieren, die sich positiv auf die Geschwindigkeit, die Effizienz und den Innovationsgrad von Unternehmen auswirken.
Die Autorin Catrin Schreiner ist Fachjournalistin aus Köln.