Automation CodeMeter: App Stores erobern die Produktion

Ein Gastbeitrag von Uwe Schnepf und Elke Spiegelhalter 4 min Lesedauer

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CodeMeter: Die Mitglieder der Open Industrie 4.0 Alliance (OI4) haben eine Arbeitsgruppe gebildet, um die Grundidee eines offenen, hersteller- und hardwareunabhängigen App Stores umzusetzen. Ziel ist es, einen transparenten Prozess zu schaffen, der für verschiedene App Stores gleich ist, und der es App-Anbietern aus dem industriellen Umfeld ermöglicht, Anwender anzusprechen.

(Bild:  Orxan/AdobeStock)
(Bild: Orxan/AdobeStock)

Anwender können in einem App Store die für sie passenden Apps suchen und finden und auf möglichst einfache, standardisierte und sichere Art und Weise übernehmen. Die Standardisierungsbemühungen innerhalb der OI4 sorgen zudem dafür, dass diese Apps, sofern sie diese Standards unterstützen, auch auf möglichst vielen Endgeräten problemlos laufen und untereinander Daten austauschen können, wenn der Anwender dies wünscht.

Der zur SPS 2023 gelaunchte Flagship Store für die OI4-Community, den die Firma Hilscher in Zusammenarbeit mit der Open Industrie 4.0 Alliance konzipiert hat und in eigenem Namen betreibt, soll als Beispiel für die Umsetzung der OI4-Standardisierungsbemühungen in diesem Bereich dienen und Anbietern und Anwendern industrieller Apps helfen, einfach und sicher in die konkrete Zusammenarbeit und Umsetzung zu starten.

Ein White Paper informiert die App-Anbieter über technische Details, die sie erfüllen müssen, um eine OI4-konforme App im Store zu veröffentlichen. Aber auch Apps, die diese Spezifikation noch nicht oder gar nicht erfüllen, können in das Angebot mitaufgenommen werden. Darüber hinaus spezifiziert ein weiteres White Paper das dazugehörige Manifest, um die technischen Details der App für den Upload in den App Store festzulegen.

Die Technologie hinter dem Flagship Store für die OI4-Community

Technologisch gesehen nutzt der Community Store Container-Technologie, eine Open Source-Lösung zur virtualisierten Inbetriebnahme von Apps auf Industrie-PCs und Edge Gateways. Jede App, die als Container-App (zum Beispiel Docker) verfügbar ist, kann über den App Store ausgeliefert und in Betrieb genommen werden. Apropos Betrieb: Auch hier bemüht sich die OI4 um Vereinfachung und Standardisierung – etwa durch die Integration einer Schnittstelle in die verfügbaren Edge-Management-Systeme. Mit Hilfe dieser API können zukünftig Apps aus dem Community Store automatisiert über die digitale Lieferadresse übermittelt werden. Vom Edge-Management-System aus werden die Apps dann von den Betriebs- und Überwachungsverantwortlichen auf Shopfloor-Ebene auf die Endgeräte verteilt und in Betrieb genommen. Die Geräte- und Applikationsverwaltungslösung netField.io ist ein Beispiel eines solchen Edge-Management-Systems und kann im Zusammenspiel mit dem Flagship Store für die OI4-Community genutzt werden.

Zusammenspiel Flagship Store für die OI4-Community, Open Operator Cloud (etwa netField.io) und Wibu License Central Server. (Bild:  Wibu-Systems)
Zusammenspiel Flagship Store für die OI4-Community, Open Operator Cloud (etwa netField.io) und Wibu License Central Server.
(Bild: Wibu-Systems)

Aber nicht nur Apps sollen im App Store zu finden sein. Beratungs- und Service-Leistungen sollen dort ebenso zum Direktkauf über das Internet angeboten werden wie Hardware zur industriellen Kommunikation – etwa Gateways, Edge Gateways und Industrie-PCs. Entsprechend wird das Unternehmen als Marktplatzbetreiber auf die Suche nach Partnern und Anbietern gehen.

Verschlüsselung und Lizenzierung der CodeMeter Technologie

Um die Apps (genauer gesagt das geistige Eigentum daran) gegen unbefugte Nutzung zu schützen, setzt Hilscher die Softwareschutzlösung CodeMeter von Wibu-Systems ein. Diese Technologie wurde bereits in den App Store integriert, sodass Anbieter ihre Apps optional vor dem Upload schützen können. Mittels der CodeMeter Protection Suite können Apps innerhalb weniger Minuten automatisch verschlüsselt und mit einer Lizenzprüfung versehen werden. Die Suite ist für eine große Vielfalt an Programmiersprachen und Umgebungen verfügbar. Es werden alle Umgebungen unterstützt, die klassischen Maschinencode erzeugen, wie zum Beispiel C/C++, Rust oder Go, aber auch Sprachen, die Intermediate Code erzeugen, wie Java und .NET, sowie Skriptsprachen, bei denen der Source Code ausgeliefert wird, wie Python und JavaScript. Zusätzlich steht ein Lizenzierungs-API zur Verfügung, wenn einzelne Features lizenziert werden sollen oder Freemium-Modelle gewünscht sind.

Durch die automatische Verschlüsslung ist das geistige Eigentum vor Produktpiraterie und Reverse Engineering geschützt. Passende Software-Schlüssel (Tickets) zum Freischalten der App nach dem Download über den Community Store werden ebenfalls im Rahmen der oben genannten Transaktionen beim Download zur Verfügung gestellt. Beim Aktivieren der Lizenz wird diese an das Gerät gebunden, sodass eine Vervielfältigung der Software, zum Beispiel durch Kopieren des Docker-Containers, unterbunden wird.

Workflow beim Upload von Apps – inklusive der Verschlüsselung über die CodeMeter-Technologie von Wibu-Systems.(Bild:  Wibu-Systems)
Workflow beim Upload von Apps – inklusive der Verschlüsselung über die CodeMeter-Technologie von Wibu-Systems.
(Bild: Wibu-Systems)

Um auch hier das Handling mit den Nutzungsrechten für den App-Anwender möglichst einfach zu machen, hat Hilscher in Kooperation mit Wibu-Systems die App „netField App License Server“ entwickelt, die auf den gleichen Edge-Geräten des Anwenders laufen kann wie die eigentliche Applikation. Diese License Server App kommuniziert im Hintergrund mit CodeMeter License Central, die automatisiert Lizenzen erzeugen, verteilen und verwalten kann. Der Anwender wählt unter den verfügbaren Lizenzen die gewünschte aus und aktiviert diese mit einem Klick.

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CodeMeter: So einfach und sicher wie möglich

Wibu-Systems und Hilscher arbeiten gemeinsam daran, die Nutzung der Container-Technologie für den Einsatz in der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion so einfach und sicher wie möglich zu gestalten – und zwar für alle Beteiligten. Also nicht nur für die App-Anwender in der Produktion, die mit Hilfe der Container-Technologie und Edge Computing dem steigenden Produktivitätsdruck und Fachkräftemangel entgegenwirken wollen, sondern auch für die Anbieter, die mit ihren Apps einen einfachen, aber dennoch sicheren Zugang zum Bereich der digitalen Produktion suchen, wo sie bisher nicht vertreten waren. Und zwar ohne den Schutz ihres geistigen Eigentums, das in der von ihnen entwickelten Software steckt, zu vernachlässigen.

Die beiden Unternehmen wollen in Koopera­tion mit den anderen Mitgliedern der Open Industry 4.0 Alliance eine offene Plattform in Form des Flagship Store für die OI4-Community schaffen, der allen Anbietern und Anwendern weiterhilft auf dem Weg zur umfassend digitalen, vernetzten Produktion.

Der Autor Uwe Schnepf ist Leiter Produktmanagement Industrial IoT bei der Hilscher 
Gesellschaft für Systemautomation. Die Autorin Elke Spiegelhalter arbeitet in der PR bei Wibu-Systems.