Cloud-Monitor 2023 Cloud-Transformation bleibt Chefsache: Strategien in der Fertigungsindustrie

Ein Gastbeitrag von Christian Decker und Michael Burgstaller 4 min Lesedauer

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97 Prozent der deutschen Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten vertrauen auf Cloud-Computing. Das zeigt der Cloud-Monitor 2023. Die Ergebnisse der repräsentativen Statista-Umfrage unter 518 Unternehmen im Auftrag von KPMG deuten darauf hin, dass sich ein differenzierter Blick auf die Fertigungsindustrie lohnt, denn sie unterscheidet sich in ihrer Strategie der Cloud-Transformation von anderen Industrien wie der Automobilindustrie. 

Die Nutzung der Cloud ist mittlerweile Normalität geworden.(Bild:  phonlamaiphoto/AdobeStock)
Die Nutzung der Cloud ist mittlerweile Normalität geworden.
(Bild: phonlamaiphoto/AdobeStock)

Die Maschinen- und Anlagenfertigung tendiert im Vergleich zu anderen Branchen deutlich stärker zur Nutzung von hybriden Cloud-Lösungen. Während der Branchendurchschnitt für die Nutzung hybrider Cloud-Lösungen im Jahr 2023 bei 58 Prozent liegt und somit ein ausgewogenes Bild der Cloud-Nutzung zeigt, tendiert die Maschinen- und Anlagenfertigung mit 71 Prozent deutlich stärker zur Hybrid-Cloud. Damit gehen die Unternehmen in der Fertigungsbranche einen anderen Weg als beispielsweise viele Automobilunternehmen, von denen nur 46 Prozent hybride Lösungen nutzen. 

Die signifikanten Unterschiede der Fertigungsindustrie zur Automobilindustrie werden besonders in Bezug auf die Bedeutung von privaten Cloud-Diensten deutlich. 42 Prozent der befragten Unternehmen im Automobilsektor setzen einen klaren Fokus auf die Kontrolle über Datenstandorte unter Berücksichtigung der regulatorischen Anforderungen und Sicherheitsstandards. Fast die Hälfte der Automobilunternehmen setzt ihre Cloud-Vorhaben trotz der initial höheren Kosten als Private-Cloud-Lösung um. Unter Fertigungsunternehmen entscheidet sich hingegen nur eines von zehn befragten Unternehmen für eine reine Public-Cloud-Lösung. Gründe hierfür könnten die schwierig zu migrierenden Legacy-Systeme in vielen Fertigungsunternehmen sein, aber auch die speziellen Anforderungen der Industrie an System- und Softwarelösungen.

Cloud-Transformation zur Flexibilisierung und Digitalisierung interner Prozesse

Auch bei der Zielsetzung für die Cloud-Transformation zeigen sich in der Fertigungsindustrie Besonderheiten. Während sich die deutliche Mehrheit (82 Prozent) der Automotive-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren verstärkt auf die Erhöhung der IT-Sicherheitsniveaus sowie die Entwicklung innovativer Produkte und die weitere Digitalisierung interner Prozesse (jeweils 59 Prozent) konzentrieren, tendiert jedes zweite Maschinen- und Anlagenbauunternehmen (50 Prozent) dazu, interne Prozesse zunehmend mit einem Cloud-First-Ansatz zu digitalisieren. In Bezug auf die Flexibilisierung und Skalierbarkeit ihrer Geschäftsmodelle zeigt sich ein klarer Trend: Wie auch Automotive-Unternehmen, werden Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau zukünftig verstärkt auf Cloud-Computing setzen. Sie erhoffen sich dadurch eine bessere Anpassungsfähigkeit an Veränderungen im Markt und eine effizientere Nutzung von Ressourcen.

Fachbereiche sind selten Haupttreiber für Cloud-Transformation

In vielen Unternehmen sind nicht die operativen Fachbereiche wie Forschung und Entwicklung oder die Produktion Haupttreiber für Cloud-Transformationen. Während im Branchendurchschnitt bei mehr als einem Viertel der Unternehmen (29 Prozent) eine Fachabteilung die Cloud-Transformation vorantreibt, zeigt der Maschinen- und Anlagenbau eine gemessen verhaltene Positionierung des Fachbereichs als Treiber für Cloud-Transformationen (23 Prozent). Stattdessen agiert die IT-Abteilung in etwa 84 Prozent der Fälle als Treiber für die Einführung von Cloud-Lösungen. Cloud-Transformationen werden insgesamt maßgeblich von der Vorstands- und Geschäftsführungsebene vorangetrieben und in der Hälfte der Fälle (52 Prozent) auf dieser Ebene entschieden. Für die Akzeptanz und den Erfolg von Cloud-Lösungen sowie Industrie 4.0-Implementierungen wird eine stärkere Einbindung des Fachbereichs jedoch entscheidend sein.

Zielstellung für die Cloud-Strategie von Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau und der Automobilindustrie.(Bild:  KPMG in Deutschland, 2023)
Zielstellung für die Cloud-Strategie von Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau und der Automobilindustrie.
(Bild: KPMG in Deutschland, 2023)

Im Maschinen- und Anlagenbau zeigt sich aktuell, dass die Nutzung eigener Digitalisierungseinheiten oder externer Dienstleister im Kontext von Cloud-Transformationsprojekten noch relativ selten ist. Nur jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) in dem Sektor verfügt über eigene Strukturen oder beauftragt externe Dienstleister. Damit grenzt sich die Fertigungsindustrie wieder deutlich von der Automobilbranche ab, wo dies nur auf jedes vierte Unternehmen zutrifft (25 Prozent). Sowohl die Entscheidung, ob externe Dienstleister in die Cloud-Transformation einzubeziehen sind, als auch die zugrunde liegenden Anforderungskriterien der beiden Branchen weichen voneinander ab.

Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt bei der Wahl von Cloud-Providern

Entscheider aus der Fertigungsindustrie stellen erkennbar hohe Anforderungen an Sicherheit und Compliance sowie die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Cloud als Auswahlkriterium für Cloud-Provider in den Mittelpunkt. Fertigungsunternehmen nutzen Cloud-Lösungen primär zur Steigerung der Flexibilität und Skalierbarkeit der eigenen Geschäftsmodelle und lediglich zu 56 Prozent, um die eignen IT-Sicherheitsniveaus zu verbessern. Der Fokus auf Compliance und Sicherheit bei Cloud-Providern ist hier jedoch mit knapp 84 Prozent im Vergleich zu Automotive-Unternehmen sehr dominant. Dies kann auch damit verbunden sein, dass Cloud-Provider ohnehin häufiger in Maschinenbauunternehmen eingesetzt werden und sich ein verstärkter Fokus auf Compliance als Erfolgsfaktor für externalisierte Dienstleistungen etabliert hat.

Fachbereiche stärker einbinden in die Umsetzung der Cloud-Strategie

Sowohl Fertigungs- als auch Automobilunternehmen werden sich in den nächsten drei Jahren verstärkt auf die Nutzung der Public Cloud ausrichten. Bis zum Jahr 2026 soll eine größere Anzahl produktiver Anwendungen zumindest teilweise in der Public Cloud betrieben werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Vorstands- und Geschäftsführungsebene weiterhin konsequent eine Cloud-First-Strategie vorantreibt, oder ob eine Bottom-up-Perspektive an Bedeutung gewinnt, um weitere Innovationspotenziale auf operativer Ebene zu erschließen. Einige Ansätze in der Automobilindustrie deuten bereits darauf hin, indem interne Digitalisierungseinheiten stärker eingebunden werden, um Cloud-Transformationen voranzutreiben, wenn auch weniger häufig unter Einbeziehung des Fachbereichs.

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Wer treibt Cloud-Transformationen im industriellen Umfeld?(Bild:  KPMG in Deutschland, 2023)
Wer treibt Cloud-Transformationen im industriellen Umfeld?
(Bild: KPMG in Deutschland, 2023)

Unter der Zielsetzung, Cloud-Technologien auch in den kommenden fünf Jahren als treibende Kraft für die Flexibilisierung der Geschäftspraktiken zu nutzen, stellt sich die Frage nach dem aktuell zurückhaltenden Einsatz der Fachbereiche und dessen Auswirkungen auf die Erfolgschancen eines Cloud Adoption Frameworks, insbesondere im Bereich Industrie 4.0. Eine Integration der nach wie vor stark in Silos agierenden Domänen Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) wird angesichts vertikaler Anwendungsfälle in den Unternehmen früher oder später unumgänglich sein. Ebenso wichtig wird die verstärkte Einbindung der Fachbereiche in die Planung und Umsetzung einer geeigneten Cloud-Strategie.

Es bleibt abzuwarten, ob Forschung und Entwicklung oder die Produktionsbereiche den entscheidenden Druck für eine integrierte Herangehensweise and Cloud-Transformationen ausüben werden – oder sogar doch die IT selbst. 

Der Autor Christian Decker ist Partner CIO Advisory bei KPMG Deutschland. Autor Michael Burgstaller ist Assistant Manager CIO Advisory bei KPMG Deutschland.