BSH Hausgeräte setzt auf Classmate PLAN BSH Hausgeräte optimiert Werkzeugbau-Prozesse

Von Dr. Thomas Tosse 5 min Lesedauer

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BSH Hausgeräte nutzt die Software Classmate PLAN von Simus Systems im Werkzeugbau Traunreut zur Planung und Kalkulation aller Bauteile. Dies führte auch zur Halbierung der Arbeitszeit pro Arbeitsplan.

Ein typisches Transferwerkzeug aus dem Werkzeugbau von BSH in Traunreut mit drei Stationen.(Bild:  Simus Systems & BSH Hausgeräte)
Ein typisches Transferwerkzeug aus dem Werkzeugbau von BSH in Traunreut mit drei Stationen.
(Bild: Simus Systems & BSH Hausgeräte)

In Traunreut nahe dem bayerischen Chiemsee werden schon seit 1949 Hausgeräte gefertigt – seit 1967 von der BSH Hausgeräte GmbH. Heute verlassen pro Jahr rund 1,4 Millionen Herde, Backöfen und Kochfelder den mit rund 3.000 Mitarbeitenden größten Standort in Deutschland. Im Werkzeugbau leisten rund 80 Mitarbeitende ihren Beitrag zur effizienten Entwicklung von Blechbauteilen und Baugruppen. Dort entstehen Folgeverbund-Werkzeuge für kleine Blechteile, große Transferwerkzeuge für Pressen bis zu 8.000 kN sowie Teile für Vorrichtungen des internen Sondermaschinenbaus.

„Etwa die Hälfte der neuen Werkzeuge werden auch international für Standorte in Spanien, der Türkei oder Polen produziert“, berichtet Stefan Huber, Arbeitsvorbereiter und Key User bei BSH. „Doch im Fokus steht der Standort Traunreut, wo der Werkzeugbau als Stabilitätsgarant für die Serienfertigung auch die reaktionsschnelle Instandsetzung und vorbeugende Wartung an Schnitt- und Spritzgusswerkzeugen übernimmt.“

Kalkulation ist erfolgskritisch für nachhaltigen und effizienten Werkzeugbau.

Auch wenn die Werkzeugkosten im Branchendurchschnitt nur einen einstelligen Prozentwert der Herstellkosten betragen, liegen sie pro Stück oft genug im sechsstelligen Bereich. Eine akribische Arbeitsplanung mit Zeitberechnung und Kalkulation ist daher erfolgskritisch für einen nachhaltigen, ressourcenschonenden und effizienten Werkzeugbau.

Vorprojekt hatte klare Aufgabenverteilung geschaffen.

Deshalb evaluierte das Auswahlteam neben dem Nachfolger der vorhandenen Lösung die Software Classmate PLAN von Simus Systems. Das auf die Fertigungsprozesse im Maschinenbau fokussierte Programm analysiert 3D-Modelle, erkennt die Arbeitsfolgen und ordnet sie automatisch den vorhandenen Fertigungseinrichtungen zu. Außerdem weist es für jeden Arbeitsgang Rüst- und Fertigungszeiten aus und berechnet die Kosten nach individuellen Vorgaben. Dazu integriert sich Classmate PLAN nahtlos in die vorhandenen IT-Lösungen.

„Nach einem Vorprojekt und einer internen Nutzwertanalyse haben wir uns für die Einführung von Classmate PLAN entschieden“, erinnert sich Mario Leutner, der als Systemingenieur das Projekt leitete. „Damit war die Entscheidung verbunden, alle neuen Siemens-NX-Modelle sowie den Altbestand mit PMI (Product Manufacturing Information) zu bemaßen und in diesem Zuge zeichnungslose Konstruktionen einzuführen. Dadurch ergaben sich auch deutliche Erleichterungen und Synergien mit Classmate PLAN.“ Das Vorprojekt hatte bereits zu einer Anpassung der zunächst sehr unterschiedlichen Pflichten- und Lastenhefte geführt und eine klare Aufgabenverteilung geschaffen.

Feintuning für präzise Planungsprozesse

Nachdem Grundlagen der Implementierung wie die SAP-Schnittstelle und die Technologiedatenbanken angelegt wurden, gliederte sich das Einführungsprojekt in vier Phasen. Dazu hat man bei BSH rund 100 verschiedene Bauteile herausgesucht, die bereits mit PMI versehen waren. Sie repräsentierten alle zu erwartenden Arbeitsfolgen und Varianten. „Unsere Arbeitspläne umfassen sehr viele verschiedene Arbeitsgänge – von Drehen, 3- und 5-Achs-Fräsen, Erodieren und Härten über Laserschneiden und Biegen der Blechteile, Lasersintern und Schweißen bis zur Vorerprobung und Beschichtung“, berichtet Stefan Huber. „Dabei verarbeiten wir verschiedenste Materialien, von Aluminium bis Werkzeugstahl.“ In wöchentlichen Online-Konferenzen mit Simus Systems hat man die Ergebnisse präsentiert und besprochen.

Im Werkzeugbau sind Arbeitspläne besonders umfangreich – mit Classmate PLAN lassen sie sich automatisch erstellen.(Bild:  Simus Systems & BSH Hausgeräte)
Im Werkzeugbau sind Arbeitspläne besonders umfangreich – mit Classmate PLAN lassen sie sich automatisch erstellen.
(Bild: Simus Systems & BSH Hausgeräte)

Optimierung der Prozesskette: Automatische Fertigung mit Simus System

In der ersten Phase sollten alle Arbeitsgänge in der richtigen Reihenfolge den richtigen Maschinen zugeordnet werden. In der zweiten Phase sollten den Arbeitsfolgen Langtexte zugeordnet werden, die über Besonderheiten bei dem automatisch erkannten Fräsen, Schleifen, Schneid- und Senkerodieren, Beschichten und Härten informieren.  In der dritten Phase wurden die Bearbeitungszeiten für die Kalkulation verfeinert. „Für viele Bearbeitungen wie Fräsen hat Simus Systems Standardwerte bereitgestellt“, erinnert sich Stefan Huber. „Wo wir diese übernehmen konnten, haben wir viel Zeit eingespart.“

Dagegen stellte das Schneid-Erodieren besondere Herausforderungen: „Hier kommt es auf das Material und die Anzahl der Schnitte, die Konik und die Oberflächen an“, sagt Stefan Huber. „Bei den Bohrungen erkennt Simus Classmate die erforderlichen Toleranzen und relevante Konturen anhand der in NX vergebenen Farben von Flächen.“ Schlussendlich wurden einschließlich Senkerodieren, Biegen und Laserschneiden alle Bearbeitungsverfahren richtig erkannt und mit realistischen Zeitangaben und Kosten verbunden.

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<p>Das Bild zeigt Stefan Müller, Arbeitsvorbereiter und Key User bei BSH, in einem Büro, die vor einem Computerbildschirm steht. Auf dem Bildschirm ist ein 3D-Modell in Lila und Grau zu sehen. Im Hintergrund sind Pflanzen und Fenster sichtbar, durch die Tageslicht einfällt. Der Raum wirkt modern und gut beleuchtet.<p>
Stefan Huber: „Das System wurde sehr gut angenommen und funktioniert hervorragend."
(Bild: Simus Systems & BSH Hausgeräte)

Baugruppen als komplette Projekte betrachten

Im letzten Schritt wurden Einzelarbeitspläne zu Gesamtarbeitsplänen zusammengefügt, um die Montagezeiten berücksichtigen zu können. Ein solcher Projektplan umfasst zum Beispiel rund 500 Maschinenstunden und zirka 100 Stunden für Vorerprobung und Montage und wird komplett über eine Schnittstelle automatisch an SAP übergeben. „Als Besonderheit fassen wir Gleichteile nach bestimmten Vorgaben zusammen, um zum Beispiel Rüstzeiten zu optimieren“, berichtet Stefan Huber.

Nach einem Vorprojekt und einer internen Nutzwertanalyse haben wir uns für die Einführung von Classmate PLAN entschieden.

Fließender Übergang in die Praxis

Nach rund eineinhalb Jahren war alles erledigt: „Wir konnten das Projekt mit der guten Unterstützung von Simus Systems erfolgreich abschließen“, erklärt Systemingenieur Mario Leutner. Doch der Übergang in die Praxis folgte den Modellen, die bereits PMI enthielten. „Während des vorsichtigen Übergangs konnten wir parallel weitere Feineinstellungen anbringen“, betont Stefan Huber. „Seitdem führen wir jedes Jahr mit Simus Systems Erweiterungen durch.“
 
Seit Anfang 2025 kommt nun jedes CAD-Modell mit PMI, sodass alle Arbeitspläne ausschließlich mit Classmate PLAN erstellt und kalkuliert werden. Bisher konnten die drei Arbeitsvorbereiter so Arbeitspläne und Änderungen für über 10.000 Bauteile erstellen. „Das System wurde sehr gut angenommen und funktioniert hervorragend“, bilanziert Huber.

<p>Das Bild zeigt Mario Leutner, Systemingenieur bei BSH, im Freien vor einem Industriegebäude. Letuner trägt ein dunkelgraues T-Shirt und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind Gleise und Gebäudestrukturen zu sehen. Der Himmel ist klar und blau, was auf sonniges Wetter hinweist.<p>
Mario Leutner: "Wir konnten das Projekt mit der guten Unterstützung von Simus Systems erfolgreich abschließen."
(Bild: Simus Systems & BSH Hausgeräte)

Planungszeit pro Bauteil halbiert

„Bei einem Leistungstest anhand repräsentativer Beispielwerkzeuge haben wir ermittelt, dass wir die Arbeitszeit pro Bauteil halbieren konnten“, erklärt der Key User. „Zusätzlich entfallen durch die hohe Performance des Systems Wartezeiten, etwa bei der Übergabe an SAP.“ In vielen Bereichen entsteht ein Zusatznutzen der durchgehenden Prozesse: „Wir können nun häufig benötigte Standardteile für das Lager direkt an SAP übergeben, die wir früher manuell eintragen mussten“, resümiert Stefan Huber. Doch auf Erfolgen ruht man sich nicht aus: „Ab September 2025 arbeiten wir mit Simus Systems daran, auch Material- und Härtekosten zu berücksichtigen. Dann wissen wir genau, was jedes einzelne Teil oder eine ganze Baugruppe kostet.“

Dr. Thomas Tosse ist Inhaber der Agentur Hightech Marketing in München.