Automatisierungsbranche in der Krise – Die richtige Digitalisierungsstrategie für Maschinenbauer

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Automatisierungsbranche in der Krise – Die richtige Digitalisierungsstrategie für Maschinenbauer

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Die Corona-Krise hat konjunkturell auf die Automatisierer als Querschnittslieferanten weniger Einfluss, als wir dachten – trotzdem wird danach vieles anders sein. Hier die Antworten von 14 Experten mit individuellem Blick auf unsere 3 Fragen.
Automatisierungsbranche

Die Fragen an die Experten der Automatisierungsbranche:

  1. Quo vadis Automatisierung? Wie kommt die Branche durch und aus der Krise?
  2. Wie sieht Ihrer Meinung nach aktuell die richtige Digitalisierungsstrategie für mittelständische Maschinenbauer aus?
  3. Welche Trends beherrschen die Entwicklungen in der Automatisierungstechnik?
Automatisierungsbranche
Bild: ABB Deutschland

1. Die Corona-Pandemie beschleunigt Trends wie Digitalisierung und Nearshoring. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, neue Sicherheitsmaßnahmen wie die Abstandsregeln auch am zu berücksichtigen. Lösungen aus der Automatisierungsbranche sollen daher jetzt häufig schneller eingeführt werden – sowohl zum Schutz der Mitarbeitenden als auch zur Steigerung der Produktivität. Unternehmen setzen dabei auf zukunftsfähige, roboterbasierte Technologien für flexible Produktionslinien oder Arbeitsplätze mit Mensch-Roboter-Kollaboration.

2. Die heutige Produktion ist von einem hohen Produktmix bei kleinen Losgrößen geprägt. Mittelständler bleiben mit robotergestützten Anlagen, die einfach zu konzipieren, implementieren und bedienen sind, wettbewerbsfähig. Maßgeschneiderte Roboterlösungen lassen sich dort einsetzen, wo es auf Präzision und Schnelligkeit ankommt – und leicht erweitern. Kollaborative Roboter vereinfachen Arbeitsvorgänge, bringen Zeitvorteile und befreien den Werker von eintönigen und schweren Arbeiten – auch an bestehenden Produktionslinien.

3. Wir sehen enormes Potenzial im maschinellen Lernen und in der KI. Fabriken werden dank dieser Technologien effizienter, zuverlässiger und produktiver – davon profitieren alle Mitarbeiter. So werden Roboter langfristig autonom, selbstlernend oder selbstoptimierend. Die intelligente Kombination dieser Roboter mit anderen Maschinen und fahrerlosen Transportsystemen (FTS), fortschrittlichen Bildverarbeitungssystemen sowie KI schaffen in der Fabrik der Zukunft flexible Fertigungssysteme. Ein weiterer Trend sind eindeutig kollaborative Roboterlösungen. In beiden Bereichen arbeitet ABB kontinuierlich am Ausbau des Portfolios.

Automatisierungsbranche
Bild: Codesys

1. Nach 10 guten Jahren seit der letzten Krise sind die meisten deutschen Firmen sehr gut aufgestellt. Ich bin mir sicher, dass unsere Branche die Krise gut überstehen wird.

2. Die eingeschränkten Reisemöglichkeiten zeigen deutlich, wie wichtig ein guter Fernzugriff auf die Maschine ist. Zum einen für den Anlagenbetreiber, der aus der Ferne auf seine Produktions- und Diagnosedaten zugreifen möchte, zum anderen für den Maschinenbauer, der darüber hinaus debuggen und Softwareupdates einspielen möchte. Wir sehen deshalb auch eine steigende Nachfrage nach unseren Softwarelösungen zur Kommunikation – Stichwort OPC-UA – und zur zentralen, webbasierten Verwaltung von verteilten Steuerungen, wie das mit unserem Codesys Automation Server möglich ist.

3. Die Kommunikation oberhalb der Feldebene wird zunehmend auf OPC UA umgestellt. Die Datenmodelle zu den Maschinen werden über sogenannte Companion Specifications standardisiert. Derzeit arbeiten viele Firmen an Lösungen zur Echtzeitkommunikation auf Basis von TSN. Damit eröffnen sich auch auf der Feldebene neue Möglichkeiten. Daneben sehen wir, dass viele Automatisierer ihren Kunden cloudbasierte Dienste anbieten. Das geht vom Sammeln und Aufbereiten von Daten bis hin zu umfassenden Servicediensten. Nicht zuletzt werden die Entwicklungswerkzeuge immer mächtiger. Die Bedeutung von Versionsverwaltung, statischer Codeanalyse und Testunterstützung steigt, da mit diesen Tools die immer umfangreicheren Steuerungsprogramme erstellt und gewartet werden können.

Automatisierungsbranche
Bild: Festo Vertrieb GmbH & Co. KG

1. Wir sehen derzeit, dass sowohl die Maschinenbauer als auch die Nutzer der Maschinen in ihren Anstrengungen zur weiteren Entwicklung der Automatisierung stets vorangehen. Sehr viele unserer gemeinsamen Projekte mit Kunden zielen in diese Richtung. Durch den Ausbau der Automatisierung wollen die Anwender Effizienz- und Effektivitätsfortschritte erreichen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Automatisierungsbranche in und nach der Krise weiter an Bedeutung gewinnen wird. Allerdings werden derzeit Investitionen nur in geringem Umfang getätigt. Für uns der Ausdruck einer Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Wirtschaft.

2. Wir gehen davon aus, dass es richtig ist, die Digitalisierung Schritt für Schritt individuell anzugehen. Dies bedeutet, einen klaren Blick auf das Machbare und auch durch die Kunden der Maschinenbauer gewünschte Formate zu bringen und sich kompetente Unterstützung zu sichern. Wir als Festo können unsere Partner, mit einem breiten Produktportfolio zur pneumatischen und elektrischen Fabrikautomation, dort sehr gut unterstützen. Ergänzt werden die Produkte durch (Software-)Tools zur Produktauswahl, Inbetriebnahme, dem Betrieb und der Dokumentation von Maschinen und Anlagen.

3. Ganz klar Megatrends wie: Globalisierung, Energieeinsparung, Digitalisierung und Produktivitätssteigerung. Vieles kann man unter dem Stichwort „Losgröße 1“ sehen. Damit wird eine ungeheure Flexibilität in den Prozessen realisiert. Und, ganz klar die Nutzung unterschiedlicher Technologien in der Anwendung. Wir können Lösungen elektrisch und pneumatisch für alle Anforderungen anbieten.

Heitec
Bild: HEITEC

1. Es ist nicht die Automatisierungsbranche, sondern die Automatisierung, die in verschiedene Branchen eingeht. Damit ist das Bild sehr different. In der Automotive-Branche wird aufgrund von Überkapazitäten und Konjunktur wesentlich weniger Automatisierung nachgefragt als zum Beispiel in der Verpackungsbranche. Hier sehen wir sogar einen gegensätzlichen Trend. Fazit: Abhängig von der Zielbranche ist die Automatisierung mal in der Krise, mal nicht.

2. Die Maschinenbauer sollten jetzt die Erfahrung gemacht haben, dass in dieser besonderen Situation auch besondere Maßnahmen, wie etwa Homeoffice, flächendeckend umgesetzt wurden. Dies wird sich nicht nur auf Büroarbeitsplätze auswirken, sondern die Digitalisierung muss auch Einzug in die Entwicklung und in die „Fabrik“ finden. Wer schon vor der Coronakrise auf Digitalisierung gesetzt hatte, wurde wesentlich weniger getroffen als dessen Wettbewerb. Die Maschinenbauer haben jetzt die Zeit und Chance sich für die Zukunft durch Digitalisierung fit und wettbewerbsfähig zu machen und darüber hinaus auch Krisenzeiten „online“ zu bestehen. Genau für diese Zielgruppe haben wir Lösungen.

3. Aus Trends ist Realität geworden und sie zeigen sich in der Praxis in Kombinationen mit klassischer Automatisierung als vorangestellte Digitalisierung in Form von virtuellen Maschinen, automatischer Generierung von Software, virtueller Inbetriebnahme oder als vertikale Digitalisierung ausgeprägt durch Ferndiagnose oder -optimierung und vielen mehr. Kurz gesagt: Der Trend IIoT ist heute ein Muss, der auf allen Ebenen der Automatisierungspyramide zum Ausdruck kommt. IIot ist damit auch zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb geworden.

Automatisierungsbranche
Bild: Igus

1. Die Automatisierung wird weiter in verschiedene Bereiche einziehen, nicht nur in große Unternehmen, sondern auch in kleinere und mittlere Betriebe. Der Trend geht hin zur Vereinfachung der Prozesse in der Produktion, als auch hin zur Vereinfachung des Roboters selbst. Kostengünstige und vor allem leicht zu bedienende Lösungen sind hier gefragt, die auch ein Mittelständler ohne einen zu hohen Integrationsaufwand einsetzen kann. Bisher spüren wir keine Krise im Bereich der Low Cost Automation – ganz im Gegenteil – gerade jetzt sind Lösungen gefordert, die den Menschen entlasten und unterstützen.

2. Es gibt nicht nur die eine Digitalisierungsstrategie. Die Automatisierung muss jeder Betrieb mit seinem vorhandenen Personal bestmöglich umsetzen. Meine Empfehlung wäre eine breite Aufstellung, um sinnvoll auf Innovationen und Marktdynamiken reagieren zu können. Unumstritten wichtig ist es, sich spätestens jetzt mit Automatisierung zu beschäftigen. Sowie der Rasenmäh- und Staubsaugroboter Einzug in unser privates Leben fand, zeigt sich die gleiche Entwicklung mit Leichtrobotern im Mittelstand.

3. Cobots, die hohe Lasten bewältigen können, Roboter für Nischenmärkte etwa mit Spritzwasserschutz oder auch modulare DIY-Roboter sind Neuerungen im Robotik-Bereich. Zusätzlich dazu entstehen Marktplätze und Plattformen für Peripherie, Integration und Programmierung der Roboter. Weitere Trends zeichnen sich im Bereich Vision und Predictive Maintenance ab. In diesen Bereichen wird zunehmend auf KI und Machine Learning gesetzt.

Automatisierungsbranche
Bild: Lenze

1. Die Krise wird die digitale Transformation im Maschinenbau beschleunigen, denn der Druck, effizienter, schneller und flexibler zu werden, nimmt zu. Daher ist jetzt die Zeit gekommen, sich mit digitalem Engineering zu befassen und es umzusetzen. Es gibt bereits leistungsfähige und vor allem durchgängige Tools, die unter Nutzung des digitalen Zwillings, die Entwicklungsprozesse erheblich beschleunigen, Tätigkeiten parallelisieren und die Qualität verbessern. Denkbar ist auch die Entwicklung digitaler Services und neuer Geschäftsmodelle, die dem Maschinenbetreiber einen Mehrwert bieten. Lenze entwickelt hierzu Software-Bausteine.

2. So wie wir uns die Frage stellen, „Wie können wir unserem Kunden dabei helfen, seine Effizienz zu steigern“ sollte dies auch der OEM tun. Im ersten Schritt hat er also die Frage zu beantworten, welchen „digitalen“ Mehrwert er dem Maschinenbetreiber überhaupt bieten kann. Als Beispiel: Daten in der Cloud sammeln allein nützt noch nichts. Vielmehr geht es darum, aus den Daten nutzbare Informationen zu machen. Dazu bedarf es eines tiefen Verständnisses von Maschinen und Prozessen. Im nächsten Schritt sollte er sich überlegen, was er mit eigener Kraft umsetzen kann und wofür er sich einen Partner suchen sollte. Es laufen bereits Projekte mit namhaften Automobilisten: Lenze unterstützt dabei bei der Selektion und Sammlung von Daten aus Hunderten von Antrieben, die über ein Edge-Device zur Verfügung gestellt werden.

3. Zum einen geht es darum, IT und OT näher zusammenzubringen – Themen sind hier Kommunikation (etwa OPC UA) und Cloud-/Edge-Computing. Zum anderen rückt das Engineering in den Fokus. Wir unterstützen mit unseren Tools und Systemen über den gesamten Lebenszyklus – von der Ideenfindung bis hin zum Asset Management. Also die nahtlose Unterstützung verschiedener Disziplinen, die aber auf der gleichen Datenbasis parallel in einem Projekt arbeiten. Hier kommt der Digitale Zwilling zum Tragen, der als Single Point-of-Information, die Basis für all diese Anforderungen bereitstellt.

Mitsubishi
Bild: Mitsubishi Electric Industrial Automation

1. Etwas Gutes kann man der Krise abgewinnen: Vor ihr waren viele Auftragsbücher so voll, dass sich die Unternehmen nicht um das Thema Digitalisierung kümmern mussten oder wollten. Aber die Krise hat gezeigt: ohne Digitalisierung wird es zukünftig nicht mehr gehen. Gerade im privaten Bereich gab es einen regelrechten Schub. Plötzlich war so viel möglich, was vorher undenkbar gewesen ist, etwa die Umstellung auf Homeoffices. Und das hat auch bei Unternehmen ein Umdenken bewirkt. Wer langfristig denkt, beschäftigt sich jetzt mit der Digitalisierung seiner Produktion und Geschäftsabläufe und nicht um den Konjunkturverlauf. Denn den können wir aktuell nicht beeinflussen, unseren Digitalisierungsfortschritt dagegen schon.

2. Die Mitarbeiter sollten im Mittelpunkt stehen und mitgenommen werden. Konkrete Fragestellungen sind wichtig, wie: was will ich erreichen, wo ist mein Ziel? Die perfekt digitalisierte Fabrik im ersten Schritt ist zum Fehlschlag verurteilt. Maschinenbauer sollten mit kleinen klar definierten Zielsetzungen anfangen und darauf achten, dass dieser Ansatz nicht in einer Insellösung endet. Sondern flexibel in ein skalierbares Digitalisierungskonzept integriert werden kann. KI-Lösungen nahe der Produktion („Edge“) sollten eine solide Grundlage für spätere Cloud-Integration sein. So ist ein schneller ROI gewährleistet. Auch wer heute aus diversen Gründen nicht in die Cloud möchte, sollte stets gut darauf vorbereitet sein. Neben all diesen Punkten darf ein Unternehmen übrigens nicht seine Cyber-Security außer Acht lassen. Denn diese Bedrohung ist real und für die Digitalisierung ist es unumgänglich, sich auch auf dieses Thema zu fokussieren.

3. Ein wesentlicher Trend ist der Einsatz von KI, oder genauer von Machine- und Deep-Learning-Ansätzen zur Vorbeugung von Maschinenstillständen und zur Steigerung der Qualität. Dabei muss die Technologie so vereinfacht werden, das auch der Maschinenbauer selbständig vor Ort, auch ohne oft seltene Datenanalysten mit Domainwissen, schnell zu Lösungen kommt. Automatisierungsanbieter müssen ihre Komponenten direkt mit intelligenten Funktionen ausstatten, Roboter beispielsweise mit smarten KI-Lösungen für die vorbeugende Wartung und Programmoptimierung. Die KI soll dem Menschen „nur“ ermöglichen, die steigende Datenmenge aus der Produktion effektiv zu nutzen. Aber der Mensch muss den Trend, die Richtung vorgeben, und festlegen, wo die KI unterstützen kann.

Automatisierungsbranche
Bild: Phoenix Contact Electronics

1. Die Umfragen zeigen, dass es Hoffnung für einen Wiederaufschwung gibt. Es hängt dabei allerdings stark von der Perspektive und dem Kontinent ab. Asien ist schon wieder auf Vorjahresniveau, Europa steht dem Wiederaufschwung skeptischer gegenüber, Amerika steckt noch voll in der Corona-Krise. Insgesamt ist die Investitionszurückhaltung für 2021 deutlich spürbar. Es gibt die nicht unbegründete Angst vor der zweiten Welle, die dann viele Unternehmen zur Fortführung von Kurzarbeit zwingt. Trotz aller Belastungen ergeben sich aber auch Wachstums-Chancen: Es gilt, das Optimierungspotenzial und die Möglichkeiten zum Erzeugen neuer Services und Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung zu nutzen.

2. Erst einmal ist es wichtig, überhaupt eine klar definierte Digitalisierungsstrategie zu haben. Sie umfasst eine Analyse der Ausgangssituation und beschreibt die Ziele, die mit der Digitalisierung erreicht werden sollen. Diese sollten sowohl eine kurzfristige Perspektive – wie kann ich bereits heute von der Digitalisierung profitieren – als auch langfristige Zielsetzungen, wie die Entwicklung neuer (disruptiver) Geschäftsmodelle, beinhalten. Entscheidend für den Erfolg ist neben der Markt- und Wettbewerbsorientierung jedoch ebenfalls, die Organisation. Es gilt, die Mitarbeiter nicht aus den Augen zu verlieren. Denn die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn auch ein Umdenken stattfindet und neue Wege gemeinsam gegangen werden.

3. Viele aus der Automatisierungsbranche leitet die Smart Production als Zielbild. Dabei steht das Digitalisieren von Prozessen und Services im Vordergrund und dafür braucht es Daten. Diese müssen gesammelt sowie verarbeitet werden und für die Nutzung an der richtigen Stelle und im passenden Format zur Verfügung stehen. Die steigende Vernetzung von smarten Geräten erhöht jedoch auch die Gefahr von Hackerangriffen, was es zu berücksichtigen gilt. Zudem werden technologische Trends, wie OPC-UA oder MQTT zur horizontalen und vertikalen Integration On Premise oder in die Cloud, immer wichtiger.

Automatisierungsbranche
Bild: Pilz GmbH & Co. KG

1. Die Analyse des Marktes zeigt, dass sich einige Branchen wie Gebäude und Infrastruktur momentan sehr gut behaupten und die Fabrikautomation „schwächelt“. Es ist also keine Krise der Automation, sondern ein Thema der Anwendung. Die Situation bei den Anwendern ist divers: Bei den einen werden Projekte durch die wirtschaftliche Situation ausgebremst, während die Krise bei den anderen zur Fokussierung auf neue Lösungen führt. Der Kundennutzen ist dabei der Treibstoff. Zukunftsweisend sind zudem Themen wie Daten, Datenanalyse, Cloud, Edge und entsprechende Services.

2. Es gibt nicht „die eine richtige“ Digitalisierungsstrategie. Die Vielfalt, die Kernkompetenzen, Ressourcen und das Know-how, aber auch Kultur und Motivation, sind viel zu unterschiedlich. Das Ziel sollten Geschäftsmodelle sein, die sich um die eigenen Kernkompetenzen aggregieren und im Dialog mit dem Kunden entstehen. Für die Umsetzung dieser Themen ist die Zusammenarbeit übergreifender Teams gefragt, die durch den Einsatz agiler Methoden unterstützt wird.

3. Die Sensorfusion ermöglicht neue Funktionalitäten in der komplexeren Sensorik. IO-Link (inklusive Safety) und OPC UA sind an dieser Stelle Taktgeber für eine schnellere, konsistentere und angepasste Kommunikation. Steuerungen werden diversifizierter und in unterschiedlichen Formen von Embedded über Edge in der Cloud verfügbar sein. Hinzu kommen die weitere Dezentralisierung und der Trend zu Komponenten in der Schutzart IP67, die außerhalb eines Schaltschranks installiert werden können. Für den Anwender ist bei zunehmender Standardisierung Unabhängigkeit wichtig. Deshalb sind Kooperationen, Zusammenarbeit und Plattformen für vielfältige Komponenten oder Systeme der europäischen Hersteller von großer Bedeutung.

Automatisierungsbranche
Bild: Turck

1. Automatisierung ermöglicht es, Fertigungsanlagen und Maschinen schneller, effizienter und auch nachhaltiger, also ressourcenschonender, zu machen. Verschiedenste Technologien eröffnen immer mehr Möglichkeiten zur Optimierung und Individualisierung. Eine zukunftsweisende Veränderung zum Beispiel ist das Zusammenwachsen der OT (Operational Technology) und der IT (Information Technology). Allein durch diese Möglichkeit der „Fusion“ ergeben sich noch ungeahnte Chancen in der Automatisierung. Automatisierung kommt in derartig vielen Bereichen zum Einsatz, dass durch diese Zulieferrolle zwar Schwankungen entstehen, aber eine echte Krise in der Automatisierung nicht vorliegt. So wird beispielsweise gerade jetzt in einigen Branchen immer mehr automatisiert, wie etwa in den Bereichen Pharma oder Logistik.

2. Die Digitalisierung bietet uns bisher noch völlig ungeahnte Chancen, denn die Möglichkeiten, Daten auszuwerten und somit Abläufe zu optimieren, steigen stetig. Wichtig ist dabei, zunächst unabhängig von der Technologie das Ziel zu definieren. Danach richtet sich dann die passende Technologie, um mittels der Digitalisierung die Voraussetzungen zur Erreichung dieser Ziele zu schaffen. Die Lösungsansätze in der Automatisierung werden immer vielfältiger. Es sind bereits Lösungen vorhanden: von einer Erfassung mittels RFID, dezentraler Automation und modularem Maschinenbau über Zusatzdaten aus der Sensorik – auch unter Ex-Bedingungen – der Mensch-Maschine-Kommunikation und der richtigen Anschlusstechnik bis hin zur Cloud und zu Machine-Learning-Algorithmen.

3. Der modulare Maschinenbau und damit einhergehend die dezentrale Automatisierung ist ein großer Treiber. Wenn Einheiten so intelligent sind, dass sie sich „automatisch“ zu einem Ganzen zusammenschließen und gemeinsam agieren, werden auch komplexe Fertigungsprozesse beherrschbar. Dazu gehört stets die gesamte Kette der Automatisierung vom Sensor bis in die Cloud. Auf diesem Weg finden sich unzählige Lösungsansätze. Ein daraus resultierender Trend ist die dezentrale Intelligenz – also nicht alle Daten an einer Stelle aggregieren, sondern diese dezentral vor Ort bereits soweit optimieren, dass Netzwerk und Infrastruktur wenig belastet werden und Optimierungs-Funktionen latenzarm, schnell und einfach umsetzbar sind. Das wird vor allem dann sehr effizient, wenn die intelligenten Komponenten dank IP67-Technologie direkt ohne Schaltschränke an die Maschine montiert werden können.

Schneider Electric
Bild: Schneider Electric

1. Aus unserer Sicht hat die Krise vielen Unternehmen den dringenden Modernisierungsbedarf vor Augen geführt. Höhere Resilienz, Flexibilität und Ressourcenschonung sind eben genau der Benefit, den man mit einer IIoT-getriebenen Digitalisierung bekommt. Zukunftsfähige Geschäftsstrategien müssen diesen Punkt heute viel stärker gewichten.

2. Es gibt nicht die eine digitale Lösung, jedes Unternehmen hat seine eigenen Bedürfnisse. Hier zahlt sich eine gute Beratung durch erfahrene Experten aus. Generell empfiehlt sich natürlich, dass die Strategie auf Langfristigkeit und Skalierbarkeit angelegt ist. Schließlich ist es wichtig, das getätigte Investment nachhaltig zu schützen und den gewonnenen Wettbewerbsvorteil lohnend abzuschöpfen (ROI). Hier sind ganzheitliche und offene Lösungen wie EcoStruxure von Schneider Electric im Vorteil. „Ganzheitlich“, weil flexible Automatisierung und nachhaltiges Energiemanagement nur dann möglich sind, wenn alle Anlagenkomponenten zu durchgängiger Kommunikation befähigt sind und maximale Datentransparenz herrscht. „Offen“, um eine Anlage herstellerunabhängig und flexibel erweiterbar und zukunftsfähig gestalten zu können.

3. Das Verständnis für die Vorteile einer nach IT-Logiken aufgebauten, offenen Automatisierung setzt sich immer mehr durch. Einfaches Plug-and-Play, softwareseitiges und eventgesteuertes Modellieren sowie herstellerunabhängige Anlagenplanung erhöhen Flexibilität, Produktivität und Nachhaltigkeit eines Betriebs. Entsprechend werden kommende Automatisierer-Generationen verstärkt durch IT-spezifische Denkweisen geprägt sein. Logischerweise gewinnen Softwarelösungen damit auch mehr an Bedeutung. Die verstärkte Nutzung von IT-basierten Analyse- und Beratungstools ebenso wie die Entstehung neuer Geschäftsmodelle bestimmen meiner Meinung nach die zukünftige Entwicklung.

Automatisierungsbranche
Bild: Siemens Digital Industries

1. Die Covid-19-Pandemie, die Maßnahmen dagegen und auch strukturelle Änderungen in der Fertigungsindustrie haben große Folgen für die Industrie. Wir lernen mit den geänderten Rahmenbedingungen umzugehen und werden gestärkt aus der Krise kommen, denn sie bietet auch Chancen. Unternehmen nutzen das Momentum, etwa um sich für den passenden Einsatz des digital Twins, der virtuellen Inbetriebnahme und des Einsatzes von Edge-Lösungen vorzubereiten. Das wird auch verstärkt durch die Aufforderung zur Remote-Arbeit aufgrund von Covid-19. Wir sind bereit, neue Wege zu gehen und innovative Lösungen auszuprobieren, die uns in der Krise, aber auch danach, helfen
werden.

2. Der Schlüssel zu einer flexibleren und produktiveren Fertigung liegt in der Verbindung von Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen mit Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz, Edge- und Cloud-Computing. Die Kombination von Speicherprogrammierbaren Steuerungen und Edge Devices erlaubt die bewährte Automatisierung mit IT-Technologien zu ergänzen und etwa Optimierungen auf Basis künstlicher Intelligenz an die Maschine zu bringen. Mit Hilfe eines Edge Management Systems und der Nutzung von Cloud-Mechanismen, können Daten, Geräte und Applikationen leichter und standardisierter sowie von remote administriert werden. Die Anbindung der OT-Ebene an Management-Systeme und Cloud erlaubt es, abstrahierte und vergleichbare Daten global zu erfassen und zu vergleichen, um verbesserte Produkte oder neue Services über neue Geschäfts-Modelle anbieten zu können.

3. Der aktuelle Trend geht klar in Richtung Integration von etablierten IT-Standards wie etwa HTML5, JSON, Docker, Kubernetes in Automatisierungssysteme. Daneben der Anschluss von Edge Devices sowie die Bereitstellung von Soft-Controllern und virtualisierten Controllern, die lokal aber auch auf Software Managed Infrastrukturen ablaufen können. Dabei bietet Industrial Edge mit dem Management System eine unternehmensweit skalierbare Infrastruktur für die Verwaltung verbundener Edge-Geräte und -Apps.

Automatisierungsbranche
Bild: VDMA e.V.

1. Die Automatisierungsbranche als Zulieferer von Komponenten und Dienstleistungen liefert in viele unterschiedliche Branchen und Absatzmärkte des Maschinen- und Anlagenbaus. Die dadurch entstehende Diversifizierung federt einen starken Einbruch der Auftragseingänge in der Automatisierungstechnik derzeit ab, so wie wir ihn beispielsweise im Anlagengeschäft sehen. Dennoch ist auch die Automatisierung vom globalen Maschinenabsatz abhängig. Es bleibt daher zu beobachten, wie sich die globale Konjunktur im Laufe der Corona-Pandemie entwickelt.

2. Jeder Mittelständler unterscheidet sich in seinen Geschäftsmodellen, Produkten und Produktionsumgebungen und damit seinen Bedürfnissen, was die Digitalisierung betrifft. Die eine richtige Digitalisierungsstrategie gibt es daher nicht. Es muss vielmehr jedes Unternehmen individuell betrachtet werden. Der VDMA Elektrische Automation unterstützt mit seinen Arbeitskreisen, Leitfäden und sonstigen Handreichungen rund um die Automatisierungstechnik für den Maschinenbau diese individuellen Entwicklungen.

3. Der Megatrend ist die digitale Anreicherung von Maschinen- und Anlagen à la Industrie 4.0. Daher spielt eine flexible und robuste Übermittlung von Maschinendaten mittels industrietauglicher Funktechnologien – etwa auf Basis „5G“ eine immer wichtigere Rolle. Auch das Thema „Retrofit für Industrie 4.0“ wird relevanter, also die Befähigung, dass Bestandsmaschinen an der Digitalisierung teilnehmen und somit einen Beitrag zu digitalen Geschäftsmodellen liefern können. Besonders in der Prozess- und Verfahrenstechnik sowie im Schiffbau ist zudem die Modularisierung von Automatisierungskomponenten auf Basis „Module Type Package“ (MTP) gefragt.

Weidmüller
Bild: Weidmüller

1. Schon die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade in Zeiten einer Krise, in denen es betriebswirtschaftlich schwieriger wurde und Effizienz in den Vordergrund rückte, die Automatisierungsbranche sowie weitere Lösungen zur Effizienzsteigerung wichtige Investitionsfelder waren. Das bedeutet konkret: Selbst, wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern sollte, können und sollten Unternehmen über die Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie und den Einsatz künstlicher Intelligenz daran arbeiten, sich noch besser für die Zukunft aufzustellen. Hier stehen wir mit unserem Know-how natürlich gerne als Partner bereit.

2. Viele Unternehmen sind mit ihrer Digitalisierungsstrategie bereits auf einem guten Weg. In den Fabriken werden heute schon gigantische Mengen an Daten produziert und gesammelt. Doch nur rund sechs Prozent der Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern nutzen heute schon KI-Lösungen zur Auswertung dieser Daten. Wer aber erfolgreich sein will, muss es schaffen, diese Daten auch in Mehrwerte zu überführen, beispielsweise: für die Optimierung von Produktionsprozessen, zur einfachen Erhöhung der Energieeffizienz, zur besseren Planbarkeit von Service-Einsätzen bis hin zum Angebot von datenbasierten Services für die Kunden.

3. Die digitale Vernetzung ist zur Zeit einer der Megatrends, nicht nur im Maschinen- und Anlagenbau. Gleichzeitig ist Interdisziplinarität und auch das „Denken über Branchengrenzen“ hinweg gefordert, besonders in der Automatisierung. Einen hohen Stellenwert hat auch das Thema Partnering, das Arbeiten in Netzwerken mit Partnern aus der Industrie, der Forschung oder der Softwarebranche etabliert sich gerade als weiteres Modell. Beste Beispiele sind die Single Pair Ethernet System Alliance oder die Weidmüller-Kooperation mit Microsoft.

Die Fragen stellte Jan Bihn, Redakteur, Digital Engineering Magazin.

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