Automatisiertes Parken: Wie Bosch und Daimler per App beim Einparken helfen

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Das automatisierte Parken im Parkhaus des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart funktioniert per Smartphone-App und kommt ohne Fahrer aus. Was an dem System besonders ist und wie es funktioniert.
automatisiertes ParkenQuelle: Daimler und Bosch

Normalerweise ist es ja keine große Herausforderung: rein ins P&R-Parkhaus und – schwups – schon in der U-Bahn. Ist das Parkhaus einigermaßen bekannt, ist es ein Kinderspiel, selbst die große Familienkutsche oder den urbanen Geländewagen in die enge Parklücke zu winkeln.

Zur rechten Hürde wird das Parkhaus dann, wenn es sich, angepasst an die örtlichen Gegebenheiten, platzsparend einer scheinbar kruden Logik folgend, ineinander faltet wie das Labyrinth von Chartres. Hat man tatsächlich unbeschadet einen der freien Parkplätze gefunden und ist noch rechtzeitig zum Termin gehetzt, kommt spätestens danach das böse Erwachen: “Habe ich jetzt, bei den grünen Katzen-Pfoten geparkt, oder bei den gelben Kamel-Hufen? War es der dritte oder nicht doch der fünfte Stock? Linker Flügel oder war es der Rechte?”
Eine Abhilfe könnte das automatisierte Parken im Parkhaus bieten: Auto an der Pforte abstellen, per Handy-App einloggen und den Rest erledigt die Technik. Im Mercedes Museum in Stuttgart haben Bosch und Daimler ein solches System schon seit 2017 im Testbetrieb. Nun haben auch die Behörden ihr OK für einen vollautomatisierten Alltagsbetrieb nach SAE Level 4 gegeben.

„Die Entscheidung der Behörden zeigt, dass Innovationen wie das automatisierte Valet Parken zuerst in Deutschland möglich sind.“

Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH

„Die Freigabe der Behörden in Baden-Württemberg hat Vorbildcharakter, um den Parkservice künftig auch weltweit in Parkhäusern zuzulassen“, sagt Dr. Michael Hafner, Leiter Fahrtechnologien und Automatisiertes Fahren der Daimler AG. „Als Vorreiter beim automatisierten Fahren machen wir mit dem Projekt den Weg frei, Automated Valet Parking zukünftig auch in Serie zu bringen.“

„Fahrerloses Fahren und Parken sind wichtige Bausteine künftiger Mobilität. Mit dem automatisierten Parksystem wird deutlich, wie weit wir auf diesem Entwicklungspfad bereits gekommen sind. ”, ergänzt Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH.

Auf Nummer Sicher beim automatisierten Parken

Die Sicherheit des fahrerlosen Parkservices hatte für Bosch und Daimler von Anfang an oberste Priorität. Da für automatisierte Fahrfunktionen, die komplett ohne Fahrer auskommen, noch keine Zulassungsverfahren etabliert sind, begleiteten die lokalen Behörden – Regierungspräsidium Stuttgart und Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg – sowie Gutachter des TÜV Rheinlands von Beginn an das Projekt. Ziel war es, den sicheren Betrieb der Fahrzeug- sowie der Parkhaustechnik zu bewerten.

Das Ergebnis ist ein umfangreiches Sicherheitskonzept mit entsprechenden Test- und Freigabekriterien, die auch über das Pilotprojekt hinaus Anwendung finden können. Darin haben die Entwickler einerseits definiert, wie das fahrerlose Fahrzeug Fußgänger und andere Autos im Fahrweg erkennt und bei einem Hindernis zuverlässig stoppt. Darüber hinaus wurde eine abgesicherte Kommunikation aller Systemkomponenten untereinander und die zuverlässige Aktivierung des Parkvorgangs umgesetzt.

Automatisiertes Parken: Die Technik des fahrerlosen Parkens

Ins Parkhaus fahren, aussteigen und das Auto per Klick auf dem Smartphone zum Parken schicken – der automatisierte Parkservice kommt ganz ohne den Fahrer aus. Während dieser das Parkhaus bereits verlassen und sich anderen Dingen widmen kann, fährt das Auto selbstständig zu einem zugewiesenen Stellplatz und parkt ein. Genauso kommt das Auto auf Wunsch auch wieder vorgefahren. Dabei spielt die intelligente Parkhaus-Infrastruktur von Bosch mit der Fahrzeugtechnik von Mercedes-Benz zusammen. Bosch-Sensoren im Parkhaus überwachen den Fahrkorridor sowie dessen Umfeld und liefern die Informationen für die Steuerung des Fahrzeugs. Die Technik im Auto setzt die Befehle der Infrastruktur in Fahrmanöver um. Auf diese Weise können die Autos auch eigenständig Rampen hoch- und herunterfahren und innerhalb des Parkhauses Stockwerke wechseln. Erkennen die Infrastruktursensoren ein Hindernis, stoppt das Fahrzeug unverzüglich.

automatisiertes ParkenQuelle: Daimler und Bosch
Prinzipskizze zum automatisierten Fahren im Parkhaus.

Automatisiertes Parken: Meilensteine des Projekts

Nachdem Bosch und Daimler die Entwicklung des automatisierten und fahrerlosen Parkens im Jahr 2015 auf den Weg gebracht hatten, erreichte die Pilotlösung im Parkhaus des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart im Sommer 2017 einen wichtigen Meilenstein: Automated Valet Parking wurde der Öffentlichkeit erstmals im realen Verkehr vorgeführt. Auf die Premiere folgte eine intensive Test- und Inbetriebnahmephase.

Seit 2018 konnten die Besucher des Museums den Parkservice im Beisein von geschultem Sicherheitspersonal live erleben und ihre Erfahrungen teilen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden am Fahrzeug auch Lichtkonzepte erprobt. Dabei markieren türkisfarbene Lichtsignale den automatisierten Fahrmodus und informieren so Passanten und andere Verkehrsteilnehmer, dass das Fahrzeug eigenständig unterwegs ist.

SAE 3134 berücksichtigt automatisiertes Parken

Die Erkenntnisse daraus wurden auch in dem kürzlich verabschiedeten SAE-Standard SAE 3134 berücksichtigt. Mit der finalen Freigabe durch die Behörden erreichen Bosch und Daimler nun einen weiteren wichtigen Meilenstein: In Kürze können Interessierte den innovativen Vorfahr- und Einparkservice im Alltagsbetrieb des Parkhauses des Mercedes-Benz Museums und ohne weitere Überwachung durch einen Sicherheitsfahrer live erleben.

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