Die Industrie gestaltet mit Augmented Reality ihre Prozesse noch effizienter und fehlerfreier. Das Potenzial von AR-Technologie ist inzwischen unternehmensweit bekannt. Welche neuen Herausforderungen hierdurch entstehen und warum die AR-Branche ihre Kräfte bündeln muss, um unternehmensweit das volle Potenzial zu entfalten, erläutert Peter Keitler, CEO und Gründer von Extend3D.
(Quelle: Extend3D)
Augmented Reality (AR) hat den Sprung vom Einsatz in Forschung und Prototypenbau in die Massenanwendung geschafft. Längst sind AR-basierte Technologien keine Zukunftsmusik mehr, sondern kommen in fast allen Industriebereichen erfolgreich zum Einsatz. Die AR-Branche tritt gerade in eine neue Phase ein.
AR-Projekte vermehrt durch Fachabteilungen initiiert
Anfangs wurden AR-Projekte häufig von den IT-Abteilungen angestoßen. Um die Sinnhaftigkeit der Technologie zu beweisen, haben sie sich dabei vornehmlich auf Low-Hanging Fruits konzentriert. Proof-of-Concept-Lösungen mit AR-Brillen oder Tablets ließen sich vergleichsweise einfach umsetzen. Für Szenarien mit gelegentlicher Nutzung wie etwa Qualitätsinspektionen an Bauteilen oder Trainingsszenarien für mehrere Mitarbeiter sind AR-Brillen und Tablets beispielsweise gut geeignet. Die Projekte erzielten Aufmerksamkeit und schufen Effizienzen. Oft stellten sie sich jedoch auch eher als „nice to have“ statt als „Game Changer“ heraus. Unternehmen haben das Potenzial von Augmented Reality damit nicht annähernd ausgeschöpft.
(Dr. Peter Keitler, Gründer und CEO von Extend3D.Bild: Tom Trenkle Fotografie)
Parallel dazu arbeiteten zum Beispiel Montageabteilungen bereits häufig mit AR-Projektionssystemen, ohne diese bewusst als AR wahrzunehmen. Diese Technologie ermöglicht in der Industrie vielfältige Anwendungsszenarien, wenn AR-Brillen und Tablets an ihre Grenzen stoßen. Denn ein Werker in der Montage muss die Hände in der Regel frei haben, um seine Aufgaben zu erledigen. Dabei ein Tablet zu nutzen oder eine AR-Brille zu tragen, ist oft wenig effizient und schränkt den Mitarbeiter und auch dessen Ergonomie erheblich ein. Außerdem ist es aufgrund der verschiedenen Fokal-Ebenen schwierig, virtuelle Inhalte und reale Objekte präzise gemeinsam durch eine AR-Brille zu betrachten. Auch kann das längere Tragen zu Kopfschmerzen oder Übelkeit führen. Für die Ansprüche in Serienprozessen eignen sich deshalb Projektionssysteme, beispielsweise Laserprojektoren, schlicht besser.
Neue Anforderungen an AR
Inzwischen stellen Unternehmen sukzessive höhere Anforderungen an AR-Lösungen. Beispielsweise betrachten sie deren Einsatz nicht mehr nur als singuläre isolierte Projekte, die eine Aufgabe erfüllen sollen. Es geht vielmehr darum, holistische Datenprozesse innerhalb eines Unternehmens zu schaffen. Bauteilinformationen, Positionsdaten oder Informationen zu Prozessschritten sollen weitgehendst automatisch aufbereitet und unternehmensweit für alle Produktvarianten bereitstehen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, gilt es, Plattformen in der Cloud zu etablieren. Nur so können unternehmensweite Datenprozesse überhaupt erst aufgesetzt und Schnittstellen für die Datenbereitstellung auf unterschiedliche Endgeräte bereitgestellt werden. Teilweise lassen sich so auch die Limitierungen bei der Rechenleistung von Endgeräten vor Ort umgehen, etwa im Umgang mit komplexen CAD-Datensätzen. Für latenzkritische Rechenoperationen wie etwa Bildverarbeitung bleibt Edge-Computing weiterhin das Maß der Dinge.
Konsortien in der AR-Branche
Aufgrund dieser veränderten Anforderungen der Industrie wächst die AR-Branche weiter zusammen. Um sowohl hardware- wie softwareseitig alle Bedürfnisse bedienen zu können, gehen mehr Firmen innerhalb der Branche projektbezogene Kooperationen ein. Zum Beispiel tut sich ein Hersteller von Laserprojektionssystemen mit einem Cloud-Spezialisten zusammen. Gemeinsam schaffen die Unternehmen für ihre Kunden umfassende AR-Lösungen. Dabei geht es nicht mehr um Einzelanwendungen. Ob Projektoren, Tablets oder AR-Brillen: Eine umfassende Datenbasis und Cloud-basierte Workloads ermöglichen es, die Technologien unternehmensweit dort einzusetzen, wo sie die größte Wirkung erzielen.
Nur so wird die Industrie den immer komplexeren Fertigungsprozessen gerecht. Denn stärkere Individualisierung und hohe Qualitätsansprüche bei gleichzeitigem Kostendruck machen fortschrittliche AR-Technologien unabdingbar. Ganz ohne Menschen werden Montage und Qualitätssicherung vermutlich nie auskommen. Damit der Mensch die gestiegenen Anforderungen an händische Tätigkeiten jedoch erfüllen kann, benötigt er digitale Unterstützung mehr denn je.
Veränderte Bedürfnisse in der industriellen Montage
Die sogenannten Production Islands sind ein Beispiel, das die veränderten Bedürfnisse der industriellen Montage veranschaulicht. Traditionell läuft die Arbeit in der Automobilindustrie seit Jahrhunderten streng getaktet am Band ab. Einzelne Arbeitsschritte sind genau definiert und zeitlich begrenzt. Um umfangreiche Individualisierungswünsche der Kunden zu ermöglichen, müssen Hersteller die Fahrzeuge immer öfter aus der Linie nehmen. Mit AGV (Automated Guided Vehicles) werden die Teile zu den Montageinseln befördert. Dort lassen sie sich individuell und ohne Taktbindung bearbeiten, bevor sie dann wieder ins Fließband eingeschleust werden. Die Komplexität dieser flexiblen Montage können Fahrzeughersteller häufig nur mithilfe von AR-Systemen bewältigen. Auch in Luftfahrt, Schiff- oder Schienenfahrzeugbau mit per se hohem Individualisierungsgrad unterstützt AR breit.
Stand: 16.12.2025
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Um der fertigenden Industrie die nötige Unterstützung zu bieten und AR-Technologien in der Breite einzusetzen, bündelt die Branche ihre Kräfte. Nur Zusammenschlüsse mehrerer Unternehmen mit unterschiedlichen Expertisen können die hohen Anforderungen an die Augmented Reality zukünftig erfüllen.
Bild oben: Einsatz eines AR-Projektionssystems in der Karosseriefertigung. Bild: Extend3D