Um Gesundheit und körperliche Unversehrtheit von Mitarbeitern und anderen Personen im Unternehmen zu schützen, hat das „Project Committee PC 283“ der internationalen Organisation für Normung (ISO) die neue Norm ISO 45001 erarbeitet. Sie ist am 12. März 2018 erschienen und enthält die Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme sowie eine Anleitung für deren Umsetzung. TÜV Süd erklärt was nun zu beachten ist.

Die neue Norm ISO 45001 wurde erarbeitet, um das Risiko von Verletzungen, Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen im Unternehmen sichtbar zu reduzieren. So sollen nicht nur Mitarbeiter, sondern auch andere Personen in einem Unternehmen besser geschützt werden und deren Gesundheit am Arbeitsplatz erhalten oder sogar verbessert werden. Der bisher angewendete Standard BS OHSAS 18001 aus dem Jahr 2007 wird nach einer Übergangszeit von drei Jahren zurückgezogen. Damit ist die ISO 45001 schon bald der maßgebliche Standard für Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme. Unternehmen, die ein zertifiziertes Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem nach OHSAS 18001 implementiert haben, müssen sich deshalb zeitnah mit den Details der neuen Norm auseinandersetzen

Die ISO 45001 beschreibt die Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsysteme und enthält eine Anleitung zur Umsetzung. Die British Standards Institution hat angekündigt, den bisherigen Standard OHSAS 18001 drei Jahre nach einer Veröffentlichung der ISO 45001 zurückzuziehen. Damit wird in naher Zukunft die ISO 45001 der maßgebliche Standard für Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme sein.

Die neue Norm

Die ISO 45001 ist ein Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystem deren Ziel es ist, das Risiko von Verletzungen, Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen in Unternehmen sichtbar zu reduzieren. Geeignete Methoden und Instrumente müssen dazu auf allen Ebenen eines Unternehmens angewendet und genutzt werden. Es sollen nicht nur eigene Mitarbeiter, sondern auch andere Personen, die unter der Verantwortung des Unternehmens tätig sind, besser geschützt werden.

Umstellung auf ISO 45001 systematisch planen

Zunächst stellt sich die Frage, wer im Unternehmen die richtigen Kompetenzen für die Umsetzung der Standard-Anforderungen besitzt. Optimalerweise bildet sich ein Expertengremium aus internen Arbeitsschützern und Managementbeauftragten mit dem einschlägigen Fach- und Prozesswissen. Bei Bedarf erleichtert es beispielsweise das große Informations- und Trainingsangebot von TÜV SÜD, das Personal gezielt für die bevorstehende Transition zu qualifizieren. Anschließend sollte das Expertengremium die Norm im Zuge einer GAP-Analyse Punkt für Punkt durchgehen und im Rahmen einer Projektplanung festhalten, welche Anpassungen konkret nötig sind, wer dafür verantwortlich zeichnet und welcher Aufwand damit verbunden ist.

High-Level-Struktur aus der Arbeits- und Gesundheitsschutzperspektive

Auf Unternehmen mit einem gut implementierten und im Firmenalltag gelebten Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem nach OHSAS 18001 kommen in der Regel keine tiefgreifenden Neuerungen zu. Und auch Organisationen mit einem integrierten Managementsystem sind grundsätzlich gut aufgestellt, da sich aus der High-Level-Struktur der ISO 45001 teilweise die gleichen, nur auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz bezogenen Inhalte u.a. mit der ISO 9001:2015 und ISO 14001:2015 ergeben. Doch der Teufel liegt im Detail: Die interessierten Parteien im Kontext der Organisation zum Beispiel können im Arbeitsschutz etwa durchaus von denen im Qualitäts- oder Umweltmanagement abweichen. Während Umweltschutz beispielsweise für eine unterbeauftragte Elektrofirma von geringer Bedeutung ist, kann diese Firma im Arbeits- und Gesundheitsschutz als „interessierte Partei“ von wesentlichem Interesse sein. Um Überraschungen vorzubeugen lohnt es sich daher, bei der Umsetzung der ISO 45001 von Anfang an konsequent die Brille des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu tragen.

Subunternehmer verstärkt im Fokus

Genau hinzuschauen gilt es vor allem auch bei der Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer und der Auslagerung von Leistungen an externe Auftragnehmer. Denn die neue ISO 45001 verlangt explizit, nicht nur die festangestellten Beschäftigten des Unternehmens in die Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einzubinden, sondern auch externe Mitarbeiter, die unter der Verantwortung und Steuerung der Organisation arbeiten. Hier ist klar zu definieren, welche Lieferanten im Einkauf bzw. in der Beauftragung hinsichtlich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu betrachten sind. Zudem muss ein entsprechender Prozess implementiert werden, der regelt wie beispielsweise die Büroreinigungsfirma in die interne Kommunikation eingebunden werden sollte und welche Sicherheitsmaßnahmen im Vergleich dazu für die Maschinenreinigung in der Werkshalle gelten. Bei der Anhörung und Beteiligung („participation“ und „consultation“) solcher Subunternehmer bestehen in den meisten Unternehmen noch Lücken zur ISO 45001, die zeitnah geschlossen werden sollten.