Augmented Reality AR-Modelle machen HMI-Systeme visuell erlebbar

Ein Gastbeitrag von Carina Hörstemeier 5 min Lesedauer

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Mal schnell ausprobieren, ob das Regal aus dem Möbel-Katalog gut ins Wohnzimmer passt? Dank Augmented Reality (AR) ist das kein Problem. Auch im B2B-Bereich ermöglicht die Kombination aus digitaler und realer Welt neue Formen der Produktpräsentation: Bei Rose können Anwender jetzt per Smartphone oder Tablet durch AR-Modelle erleben, wie die Panel-PCs an ihren Maschinen aussehen würden.

Mit den Augmented-Reality-Modellen von Rose kann der Anwender die Produkte zunächst virtuell an seinen Maschinen platzieren.(Bild:  Rose Systemtechnik)
Mit den Augmented-Reality-Modellen von Rose kann der Anwender die Produkte zunächst virtuell an seinen Maschinen platzieren.
(Bild: Rose Systemtechnik)

Die Entwicklung der AR-Anwendungen war für Rose ein logischer Schritt. Bereits vor einigen Jahren hatte das Unternehmen auf einer Messe eine VR-Brille vorgestellt. Damals konnten die Besucher den Fertigungsprozess aus Sicht des Gehäuses durch die VR-Brille nachvollziehen. Mit der VR-Anwendung wollte man die neue Generation der Konstrukteure für die eigenen Produkte begeistern. „Unsere Zielgruppe wird immer jünger und ist mit Katalogen alleine nicht mehr erreichbar. Deshalb bieten wir ihr digitale Erlebnisse“, sagt Marketingleiterin Katharina Lange.

Allerdings sollte es nicht bei VR-Erlebnissen bleiben. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen eignen sich die VR-Brillen nicht für alle Menschen, denn manchen wird beim Blick durch die Linsen schlecht. Zum anderen müssen sie nach jedem Benutzer aufwändig desinfiziert werden. Es gab aber noch zwei weitere Gründe, sich nach einer Alternative umzusehen: „Irgendwann kennen die Leute die Brillen und die Sache ist einfach nicht mehr innovativ“, so Lange. Darüber hinaus suchte der HMI-Spezialist nach einem Weg, die relativ hohen Kosten für den Bau physischer Produkt-Prototypen zu reduzieren. VR bot hierfür aber keine Lösung.

AR-Modelle erweiteren die reale Welt um digitale Inhalte

Gemeinsam mit ihrem Team dachte die Marketing-Expertin deshalb über Alternativen nach. Kommunikationsdesigner Nikolaj Blank hatte dann die entscheidende Idee: Er war auf die Cynapsis Interactive in Münster aufmerksam geworden und von deren Augmented-Reality-Erlebnissen überzeugt. Diese Anwendungen kombinieren digitale Inhalte mit der realen Umgebung und schaffen so einen Mehrwert für den Nutzer. „Wir fanden das sofort spannend und haben uns überlegt, ob sich das auch auf unsere Produkte übertragen lässt“, berichtet Lange.

Die Panel-PCs werden exakt an die jeweilige Anwendung angepasst.(Bild:  Rose Systemtechnik)
Die Panel-PCs werden exakt an die jeweilige Anwendung angepasst.
(Bild: Rose Systemtechnik)

Man entschied sich, probeweise eine AR-Anwendung zu programmieren. Die Basis dafür war eine kundenspezifische Panel-PC-Lösung, die der Hersteller für einen Maschinenbauer konstruiert hatte. Anhand der CAD-Daten erstellte Cynapsis ein AR-Erlebnis, bei dem der Panel-PC auf einem Smartphone oder Tablet angezeigt wird und sich durch das Bewegen des mobilen Endgerätes visuell in die eigene Maschine oder Anlage integrieren lässt. So kann der Nutzer ganz einfach testen, wie der Panel-PC an seiner Anwendung aussieht. Eine spezielle App braucht er dafür nicht, denn alle AR-Modelle des Anbieters sind browserbasiert.

Optimales Tool für die Produktpräsentation

Das Augmented-Reality-Projekt stieß innerhalb des Unternehmens und der Phoenix-Mecano-Gruppe auf ein sehr positives Echo. Marketingleiterin Katharina Lange überrascht das nicht: „AR passt einfach gut zu uns und zu unserer Unternehmensphilosophie. Es ist zeitgemäß, technisch und individuell konfigurierbar.“ HMI-Gesamtbereichsleiter Nils Stello sieht das genauso: „Für uns ist Augmented Reality ein ideales Tool, um unsere Produkte am Markt noch bekannter zu machen. Es lässt sich schnell aufbauen, ist simpel anzuwenden und erleichtert die Präsentation neuer Modelle – besonders in Zeiten einer angespannten Materialversorgungslage, die den Bau physischer Prototypen relativ kompliziert macht.“

Entwicklungszeiten und -kosten verringern sich

Damit spricht der HMI-Experte einen weiteren Vorteil von AR-Anwendungen an: Sie beschleunigen die Anbahnungsphase bis zum Vertragsabschluss. „Normalerweise werden bei jedem Auftrag mehrere physische Prototypen gebaut. Da dauert alleine die Materialbeschaffung aktuell 16 bis 18 Wochen. Eine AR-Anwendung wird dagegen in weniger als zwei Wochen programmiert.“ Auch der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Während physische Prototypen je nach Ausstattung bis zu 15.000 Euro kosten können, ist AR deutlich günstiger. „Natürlich ersetzt AR keinen realen Prototypen, weil man die Produkte irgendwann einfach anfassen muss, um sie beurteilen zu können“, meint Stello. „Man kann durch Augmented Reality aber ein paar physische Prototypen einsparen und den Entwicklungsprozess verkürzen, weil sich auf diese Weise viele Dinge bereits im Vorfeld klären lassen.“

AR-Modelle sind über QR-Codes abrufbar

Bisher wurden zwei anwendungsspezifische HMI-Lösungen als AR-Erlebnisse aufbereitet. Ein potenzieller Kunde hat sich das bereits angesehen“, erzählt Nils Stello. Der Anbieter stellt die AR-Modelle über QR-Codes in E-Mail-Signaturen und das LinkedIn-Profil des Unternehmens zur Verfügung. Mittelfristig ist laut Katharina Lange zudem geplant, die Codes zu den AR-Anwendungen auch auf der Website zu platzieren: „Wir werden dann einen Live-Chat dazustellen, in dem Kollegen aus dem Technischen Vertrieb, der Konstruktion und dem Produktmanagement in Echtzeit Fragen beantworten.“

Der Kunde ist wesentlich flexibler als früher

Der Hersteller bietet eine Vielzahl von Tragarmsystemen an, mit denen die Panel-PCs an Maschinen oder Anlagen angebunden werden können.(Bild:  Rose Systemtechnik)
Der Hersteller bietet eine Vielzahl von Tragarmsystemen an, mit denen die Panel-PCs an Maschinen oder Anlagen angebunden werden können.
(Bild: Rose Systemtechnik)

Die AR-Anwendungen ermöglichen dem Hersteller aber nicht nur die Erschließung neuer, junger Zielgruppen und die Senkung der Entwicklungskosten. Sie vereinfachen auch die Produktpräsentationen über große Distanzen: Der Außendienst muss nicht mehr einen ganzen Transporter mit Mustern beladen, sondern stellt dem Kunden für das erste Gespräch – an dem problemlos auch technische Experten teilnehmen können – einfach einen QR-Code zur Verfügung. Der Kunde kann das Produkt auch später zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Anwendung ansehen und virtuell an seiner Maschine platzieren. 

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Ein physischer Prototyp bietet diese Flexibilität nicht und lässt sich – anders als ein AR-Modell – auch nicht für andere Kunden modifizieren. Darüber hinaus ist AR für die Auslandsniederlassungen von Phoenix Mecano eine große Erleichterung, da sie das gesamte Produktportfolio präsentieren müssen. Augmented Reality reduziert für sie den logistischen Aufwand bei Kundenterminen deutlich, weil sie nun einen Teil der Produkte virtuell per Tablet zeigen können. „Auch für die Umwelt ist AR ein Fortschritt, weil wir einen Teil der Kundenbesuche vor Ort einsparen können“, ergänzt Produktmanager Tobias Büsching.

AR-Modelle: Das Angebot an Anwendungen soll weiter ausgebaut werden

Im B2B-Bereich ist die Technologie bislang nicht weit verbreitet. „In der Industrie steht Augmented Reality noch in den Kinderschuhen“, berichtet Büsching. Als nächstes wird der Hersteller seine Tragarmsysteme als AR-Modelle anbieten. „Das ist ein Baukasten mit Auslegern, die sehr unterschiedliche Dimensionen haben. Mit AR können wir das anschaulich darstellen. An der bloßen Auflistung der einzelnen Komponenten erkennt der Anwender nämlich nicht, welche Aufbauten möglich sind.“

Die Autorin Carina Hörstemeier ist Online Marketing Managerin bei Rose Systemtechnik.