Dell-Expertenforum "Die IT im Wandel“

Im Fokus des diesjährigen Dell-Expertenforum standen die aktuellen Themen Cloud Computing und der Einsatz privater Devices im Unternehmen. Beide Themen zeigten, dass sich CIOs künftig verstärkt mit neuen Anforderungen der Mitarbeiter und zusätzlichen Businessvorgaben aus den Fachbereichen auseinandersetzen müssen.

Bei der bereits zum fünften Mal durchgeführten Dell-Veranstaltung "Meet the Experts" in München diskutierten Ende letzter Woche vier Experten über aktuelle Herausforderungen für die IT und wie diese die Rolle des CIOs verändern. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren: 

  • Stefanie Kemp, CIO Vorwerk, Wuppertal
  • Erich Ehbauer, CIO Apollo Optik, Schwabach
  • Frank Niemann, Principal Consultant Software Markets, PAC Deutschland, München
  • Prof. Dr. Helmut Krcmar, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Technische Universität München

Private mobile Endgeräte im Unternehmen

Die CIOs in der Diskussionsrunde, Stefanie Kemp und Erich Ehbauer, berichteten übereinstimmend, dass in ihren Unternehmen der Einsatz privater mobiler Devices vor allem Smartphones und Tablets für betriebliche Aufgaben bereits Realität sei. Treiber dieser Entwicklung seien in erster Linie die Anforderungen der Mitarbeiter, auf die die IT eingehen müsse. Kemp und Ehbauer waren sich auch darin einig, dass es dabei weniger um Produktivitätszuwachs oder ROI als vielmehr um schwer messbare Faktoren wie Mitarbeiter-Zufriedenheit und Image gehe. Laut Kemp ist ein breiter Einsatz von Unternehmens-Anwendungen wie SAP auf mobilen Geräten ohnehin noch nicht absehbar.

Ehbauer wies aber auch darauf hin, dass in seinem Unternehmen mit dem Einsatz privater Endgeräte die Anzahl von Service-Calls signifikant zurückgegangen sei möglicherweise deshalb, weil die Anwender mit ihren eigenen Devices besonders pfleglich umgehen. Professor Krcmar betonte, dass die Zufriedenheit der Nutzer wesentlich davon abhinge, dass sie selbst über die von ihnen genutzten Geräte mitbestimmen könnten. Seiner Auffassung nach ist die Nutzung privater Geräte, das "Bring Your Own Device", ohnehin nur der Anfang einer Entwicklung an deren Ende "Bring Your Own App" stehe, also der Einsatz von Anwendungen im Unternehmen, die sich die Nutzer selbst besorgten.

Dass Unternehmen im Gegenzug Regelungen für den Einsatz privater Endgeräte beziehungsweise Apps aufstellen müssen, wurde in der Runde ebenfalls bestätigt. Dabei gehe es jedoch nicht nur um technische Fragen. Vielmehr müsse insbesondere die Trennung privater und mobiler Anwendungen geregelt werden, wie auch der Verlust von Geräten. Auch der Umgang mit den Geräten, die es den Mitarbeitern ermöglichen, "Always-On" zu sein, müsse berücksichtigt werden, um eine Überforderung der Mitarbeiter, die ständig in die betriebliche Kommunikation eingebunden sind, zu verhindern. Ehbauer meinte in Bezug auf sein Unternehmen: "Dafür gibt es keine Policy, dafür gibt es eine Diskussion. Hier müssen die Mitarbeiter ihren eigenen Rhythmus finden." Auch Kemp war der Auffassung, dass dies im Wesentlichen eine Frage der Unternehmenskultur sei. Sie sah hier aber durchaus die Notwendigkeit von unternehmensinternen Guidelines. Von festen Vorgaben, beispielsweise für bestimmte E-Mail-freie Zeiten, hielt sie hingegen nichts. Hier müssten Unternehmen flexiblere Lösungen finden.

Cloud Computing

Zum Thema Cloud Computing hielt Prof. Krcmar fest, dass man sich über die wesentlichen Grundlagen dieses Ansatzes im Klaren sein müsse: "Cloud ist eine Bereitstellungsform von IT-Services, die entsprechend der Nutzung bezahlt werden, relativ gut skalierbar sind und On-Demand erbracht werden." Diese Voraussetzungen seien in der Praxis jedoch meist nicht erfüllt; so würden viele Services angeboten, die tatsächlich nicht entsprechend der Nutzung, sondern etwa monatlich abgerechnet werden. Bei echtem Cloud Computing müsse man aber zum Beispiel für acht Minuten einen Speicher von 100 Terabyte nutzen können. Solche hohen Anforderungen würden viele Anbieter heute eher "erschrecken", wie Prof. Krcmar meinte.

Ehbauer konnte dies in vollem Umfang aus seinen Erfahrungen mit entsprechenden Angeboten bestätigen: "Wo Cloud draufstand, war in den seltensten Fällen Cloud drin." Es gäbe aber durchaus Ansätze in die richtige Richtung, beispielsweise bei Office-Lösungen aus der Cloud. Auch Kemp bestätigte, dass Cloud-Angebote oft unzureichend seien: Bei einer Vertragslaufzeit für einen Service von drei Jahren könne man eben nicht von Cloud sprechen. Die Diskussion zeigte, dass die CIOs vor allem an der Cloud interessiert sind, bei der sie die Möglichkeit haben, kurzfristig und ohne Vorab-Investitionen Ressourcen zu mobilisieren, sich hier aber vom Markt noch nicht entsprechend bedient sehen.

Frank Niemann von PAC meinte, dass sich die Anbieter mit ihren Cloud-Lösungen eindeutig positionieren müssten. Es gehe seiner Meinung nach nicht darum, alle Anwendungen durch die Cloud abzulösen, sondern um Erweiterungen und Ergänzungen, mit denen man Systeme schneller bereitstellen könne, beispielsweise beim kurzfristigen Aufbau von Testumgebungen. Cloud Computing könne so dazu beitragen, Komplexität zu reduzieren und Innovationen voranzubringen.

Prof. Krcmar wies außerdem darauf hin, dass mit Cloud Computing das Ecosystem der IT-Service-Bereitstellung reorganisiert wird. Bestehende Rechtsregeln, die beispielsweise vorschreiben, dass Unternehmen stets wissen müssen, wo sich ihre Daten befinden, müssten in Hinblick darauf überdacht werden.

Den Einwand, dass die CIOs wegen Cloud Computing um ihren Einfluss auf die IT fürchten würden und nur deshalb bei diesem Thema zurückhaltend seien, sahen die Beteiligten nicht als gerechtfertigt an. Sicherheitsprobleme oder offene rechtliche Fragen bestünden nun einmal, und es sei die Aufgabe eines CIOs, sich darum zu kümmern. Wenn Cloud Computing global funktioniere, müsse man sich eben auch mit Rechtsvorschriften in Asien oder in den USA befassen. Kemp verwies außerdem darauf, dass gerade beim Thema Cloud ein Markt "ganz bewusst gemacht" worden sei, und es könne nicht die Aufgabe eines CIOs sein, daraufhin seine IT-Strategie umzuwerfen.

Rolle des CIOs

Bei beiden Fragen, also beim Einsatz privater Devices und beim Cloud Computing, war die Rolle des CIOs bereits thematisiert worden. Die Teilnehmer stimmten auch hier weitgehend überein, dass es für den CIO künftig noch mehr als in der Vergangenheit darum gehen müsse, die Fachbereiche in Entscheidungen einzubinden und den Bedarf auf Prozessebene zu verstehen. Verständnis für die Kern-Prozesse und Flexibilität gegen Anforderungen von innen und von außen ist nach Auffassung von Niemann mehr denn je eine zentrale Anforderung an den CIO.

Der CIO müsse dabei seine Rolle als eine Art Chef-Techniker zurückstellen und sich den Anwendern und ihren Anforderungen zuwenden. "Der CIO muss kein Java-Künstler sein", so Prof. Krcmar. Private Devices und Cloud Computing wurden hier durchaus als Musterfälle angesehen. Ehbauer betonte, dass dabei die operative Basis natürlich funktionieren müsse; dies sei die Grundvoraussetzung, um über Prozesse reden zu können. Er berichtete außerdem, dass in seinem Unternehmen, bei Apollo-Optik, zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Fachbereichen und IT eine eigene Abteilung für Business Information Integration geschaffen wurde, die als Schnittstelle zu den Fachabteilungen fungiert und das gegenseitige Verständnis nachhaltig verbessert habe. Kemp wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Beziehung zwischen IT und Fachbereichen auch eine Frage der Unternehmenskultur sei.

Aus Sicht der Wissenschaft unterstrich Prof. Krcmar die Position der beiden CIOs. Ein CIO müsse nach seiner Ansicht vor allem über das Geschäft reden. Man müsse dabei aber auch berücksichtigen, dass es "den" CIO eigentlich nicht gäbe, da er je nach Branche und Unternehmen ganz verschiedene Aufgaben ausfüllt.

Aus dem Publikum wurde in der abschließenden offenen Diskussion die Frage aufgeworfen, ob sich der CIO künftig nicht als eine Art "Service-Broker" verstehen müsse, der nicht nur unternehmensinterne, sondern auch externe Services zu berücksichtigen habe. Dieser Ansatz fand auf dem Podium allgemeine Zustimmung, wobei Kemp eine mittelfristige Umsetzung mit einem Zeithorizont von drei bis sieben Jahren für möglich hielt, während Ehbauer den CIO als Service-Broker schon für die nähere Zukunft kommen sah. Niemann verwies darauf, dass in einigen Unternehmen Fachbereiche bereits jetzt die Freiheit hätten, Services selbst zu gestalten, etwa für Business Analytics, wobei eine Ausweitung auf Bereiche wie Marketing oder HR hier denkbar sei. Auf diese Weise ließe sich ein höheres Innovationstempo erreichen natürlich müsse dergleichen immer auf Basis der technischen und der Compliance-Rahmenbedingungen erfolgen. Ehbauer betonte, dass die eigenständige Beschaffung von Services durch Fachabteilungen für ihn nicht vorstellbar sei, denn damit drohe eine neue Form der "Schatten-IT". Hier müsse immer eine Abstimmung mit der IT erfolgen auch das ist für ihn ein Grund, weshalb der CIO einen möglichst engen Kontakt zum Business halten müsse.

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