Bürokratie im Produktionsgewerbe: „Es lauern überall Stolperfallen“

Neben den allgemeinen bürokratischen Dokumentationspflichten ächzt das produzierende Gewerbe unter einer Vielzahl an Vorschriften und Kosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Software-Herstellers Sage unter 134 Produktionsunternehmen zum Thema Bürokratiebelastung.

Im Vergleich zu anderen Branchen ist es im produzierendem Gewerbe insbesondere der Umweltschutz und die Bauauflagen, die belasten. Im April 2015 hatte hierfür TNS Emnid 400 Geschäftsführer und Entscheider von Unternehmen mit 1 bis 499 Mitarbeitern, darunter 134 allein aus dem Produktionsbereich, befragt. Wissenschaftlich begleitet wurde die Untersuchung vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM), Bonn. Jürgen Henke, Geschäftsführer der Metallwerke Renner, bestätigt: „Es lauern überall Stolperfallen.“

Bürokratie als Zeit- und Geldfresser

Das produzierende Gewerbe fühlt sich besonders von der Bürokratie allgemein (91 Prozent) gegängelt, gefolgt von den Bereichen Steuern und Arbeitsschutz/-sicherheit (jeweils 81 Prozent). Im Vergleich zu den anderen befragten Branchen Handel und Dienstleistung fällt besonders auf, dass produzierende Unternehmen von Umweltschutz (68 Prozent) und Bauauflagen (61 Prozent) belastet sind.

„Staatliche Vorgaben im Bereich Umweltschutz, Produktsicherheit und Bauverfahren haben natürlich ihre Berechtigung, da es hier um den Schutz von Umwelt und Mitarbeitern geht“, so Andreas Lechner, Mitglied der Geschäftsführung von Sage in Deutschland. „Ihre tatsächliche Umsetzung geht aber deutlich über die reinen Dokumentationspflichten, die der amtliche Bürokratiekostenindex erfasst, hinaus und zieht bei ihrer Erfüllung zusätzlich immense Folgekosten mit sich, so z.B. durch Schulungen oder Zertifikate. Sie sind damit nicht nur Zeit-, sondern auch Geldfresser. Die Anlagen- und kapitalintensiven Unternehmen des produzierenden Gewerbes sind hiervon besonders betroffen“, erklärt Lechner.

Überall Stolperfallen

Jürgen Henke, Geschäftsführer von Metallwerke Renner GmbH und Sage Kunde, kann diese Aussage bestätigen: „Bürokratie verschlingt einen größeren Teil unserer Arbeitszeit. Täglich senden uns Behörden, Kunden oder Lieferanten auszufüllende Formulare, auf die wir spontan reagieren müssen. Bei der Bearbeitung lauern überall Stolperfallen“, beschreibt Henke seinen Alltag. „Beim Thema Energie ändert sich der gesetzliche Rahmen permanent. So muss ich ständig auf dem neuesten Stand sein. Für die Umsetzung der Energie-Verordnungen müssen wir einen externen Dienstleister zu Rate ziehen“, so Henke weiter. "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in diesem Bereich ändern sich ständig und sind höchst komplex - für uns ist das nur mit einem enormen Arbeitsaufwand möglich", erklärt Henke.

Auch im Bereich der tatsächlichen Dokumentationspflichten, die vom Bürokratieindex erfasst werden und in der Studie auf Platz fünf beim produzierenden Gewerbe landeten, empfindet Henke keine Entlastung. Im Gegenteil: „Gemäß des Gesetzes über die Statistik im Produzierenden Gewerbe (ProdGewStatG) sind wir mit 50 Mitarbeitern nicht von der Berichtspflicht für verarbeitende Betriebe befreit. Unser Aufwand ist gestiegen. Von Entlastung kann keine Rede sein.“

Sage macht Jagd auf Bürokratiemonster

Die Studie "Bürokratie im deutschen Mittelstand" ist nur eine Maßnahme der aktuellen Initiative von Sage gegen die Bürokratiemonster in Deutschland. Daneben macht das Software-Haus mit zahlreichen weiteren Aktionen wie einem Online-Bürokratie-Check, einer Bürokratieampel und einem eigens für die Kampagne entwickelten Online-Spiel auf das Thema aufmerksam.

  • Die Top 5 Bürokratiebelastungen in der Produktionsbranche.
  • Andreas Lechner, Mitglied der Geschäftsführung von Sage Deutschland
  • Jürgen Henke, Geschäftsführer Metallwerke Renner GmbH.
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